Das Kan­tons­ge­richt St. Gal­len hat­te ent­schie­den, gestützt auf Art. 329 Abs. 3 ZGB i.V.m. Art. 295 ZPO sei­en Kla­gen auf Ver­wand­ten­un­ter­stüt­zung im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren zu behan­deln (BGer. 5A_689/2012 vom 3. Juli 2013, E. 2.1). Die anwend­ba­re Ver­fah­rens­art bestimmt im Kan­ton St. Gal­len die Zusam­men­set­zung des Spruch­kör­pers, wes­halb die Fra­ge der Ver­fah­rens­art bedeut­sam war. Im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren ent­schei­det der Ein­zel­rich­ter am Kreis­ge­richt, wäh­rend im ordent­li­chen Ver­fah­ren das Kreis­ge­richt in einer Drei­er­be­set­zung urteilt (E. 1.1).

Das Bun­des­ge­richt hob den kan­to­na­len Ent­scheid auf und wies die Ange­le­gen­heit zur wei­te­ren Behand­lung im ordent­li­chen Ver­fah­ren an das Kreis­ge­richt St. Gal­len zurück.

Das Bun­des­ge­richt erwog, dass der Streit­wert mehr als CHF 30’000 betrug und das Gemein­we­sen in den Anspruch einer voll­jäh­ri­gen Per­son sub­ro­giert war (E. 2.1). Es hielt wei­ter fest, dass die ZPO die Ver­wand­ten­un­ter­stüt­zung kei­ner Ver­fah­rens­art aus­drück­lich zuord­net (E. 3.1). Wei­ter erwog das höch­ste Gericht, dass die Mate­ria­li­en kei­ne ein­deu­ti­ge Ant­wort auf die Fra­ge bereit hal­ten, was bei einer Unter­halts­kla­ge des voll­jäh­ri­gen Kin­des oder des an sei­ne Stel­le getre­te­nen Gemein­we­sens gel­ten soll (E. 3.3.1 und 3.3.2).

Im Rah­men einer syste­ma­ti­schen und teleo­lo­gi­schen Inter­pre­ta­ti­on beton­te das Bun­des­ge­richt, dass die ZPO das Ver­fah­rens­recht dem Grund­satz nach abschlie­ssend reg­le und die Nor­men des mate­ri­el­len Rechts kei­nen ver­fah­rens­recht­li­chen Gehalt mehr auf­wei­sen wür­den. Aus­le­gungs­re­sul­ta­te, mit denen ein Spe­zi­al­ver­fah­ren postu­liert wer­de, sei­en zu ver­mei­den. Der Ver­weis in Art. 329 Abs. 3 ZGB kön­ne des­halb für Ansprü­che voll­jäh­ri­ger Per­so­nen nicht als Ver­weis auf Art. 295 f. ZPO oder Art. 243 ff. ZPO ver­stan­den wer­den (zum Gan­zen E. 3.3.3). Teleo­lo­gi­sche Argu­men­te wür­den nicht gegen die­se Lösung spre­chen (E. 3.4).

Somit blieb zur Beur­tei­lung der Ange­le­gen­heit ein­zig das ordent­li­che Ver­fah­ren gemäss Art. 219 ff. ZPO. Wie es sich mit Ansprü­chen min­der­jäh­ri­ger Per­so­nen ver­hält, liess das Bun­des­ge­richt aus­drück­lich offen (E. 3.3.3).

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).