Das BGer geht im vor­lie­gen­den Urteil in einem pri­vat­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Ent­scheid von der Unter­schei­dung zwi­schen leich­ter, mitt­le­rer und gro­ber Fahr­läs­sig­keit aus. Mit Bezug auf gro­be Fahr­läs­sig­keit bestä­tigt das BGer u.a. dass ein stren­ge­rer Mas­stab an die erwar­te­te Sorg­falt gilt, wenn der Ver­let­zer Zeit hat­te, sich die Kon­se­quen­zen sei­nes Han­delns zu über­le­gen:

Com­met une fau­te gra­ve celui qui vio­le un devoir élé­men­taire de pru­dence dont le respect s’impose à tou­te per­son­ne rai­son­n­able pla­cée dans la même situa­ti­on […]. Pour dire si la fau­te est gra­ve, il faut l’apprécier de maniè­re objec­tive en ten­ant comp­te des cir­con­stan­ces d’espèce; déter­mi­ner dans le cas con­cret si la fau­te doit être qua­li­fiée de gra­ve relè­ve du juge­ment de val­eur et repo­se lar­ge­ment sur l’appréciation du juge, de sor­te que le Tri­bu­nal fédé­ral ne réex­ami­ne la questi­on qu’avec rete­nue […]. On se mon­tre­ra plus sévè­re lorsque l’ayant droit a eu le temps de réflé­chir aux con­séquen­ces de son acte et n’a pas été pla­cé dans une situa­ti­on d’urgence […].

Im vor­lie­gen­den Fall bejaht das BGer gro­be Fahr­läs­sig­keit eines Motor­boot­füh­rers. Bei einer nächt­li­chen Kon­trol­le eines Motor­boots hat­te ein als Licht­quel­le ver­wen­de­tes Feu­er­zeug aus dem Kühl­schrank aus­ge­tre­te­nes Gas ent­zün­det und dadurch eine Per­son schwer ver­letzt und das Boot zer­stört.  Ursa­che war die Instal­la­ti­on eines Kühl­schranks im Cock­pit des Boots, der durch einen Schlauch mit einer Butan­gas­fla­sche ver­bun­den war, wobei sich die Fla­sche weder in einem Schrank noch einer beson­de­ren Vor­rich­tung gesi­chert war (“Geba­stel”, in den Wor­ten des BGer, “bri­co­la­ge”), ohne dass sich der Boots­füh­rer nach­weis­lich um die Sicher­heit der Instal­la­ti­on geküm­mert hät­te. 

Es ist jedoch noto­risch, dass eine Explo­si­on oder ein Brand auf einem Was­ser­fahr­zeug ein sehr hohes Risi­ko dar­stellt, das beson­de­re Vor­sor­ge erfor­dert. Die Vor­in­stanz hat­te daher zu Recht ein grob­fahr­läs­si­ges Selbst­ver­schul­den iSv VVG 14 I bejaht.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.