Die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on (WEKO) hat am 21. Okto­ber 2013 mit der Geneh­mi­gung einer ein­ver­nehm­li­chen Rege­lung ihre Unter­su­chung gegen Swatch Group wegen des mög­li­chen Miss­brauchs einer markt­be­herr­schen­den Stel­lung abge­schlos­sen. Die Unter­su­chung betraf die geplan­te Ein­stel­lung der Belie­fe­rung von Drit­ther­stel­lern mit mecha­ni­schen Roh­uhr­wer­ken (sog. Ebau­ches) und regu­lie­ren­den Bestand­tei­len der­sel­ben (sog. Assor­ti­ments) durch die Swatch-Töch­ter ETA SA Manu­fac­tu­re Hor­lo­gè­re Suis­se (ETA) und Niva­rox-FAR SA (Niva­rox).

Im Zuge der Unter­su­chungs­er­öff­nung vom 6. Juni 2011 hat­te die WEKO die bei­den Swatch-Töch­ter mit einer ein­ver­nehm­li­chen Rege­lung vor­sorg­lich zur voll­um­fäng­li­chen Wei­ter­be­lie­fe­rung der Drit­ther­stel­ler ver­pflich­tet, wobei im Jahr 2012 eine Reduk­ti­on auf 85% (Ebau­ches) respek­ti­ve 95% (Assor­ti­ments) der Lie­fer­men­ge von 2010 vor­ge­nom­men wer­den durf­te (sie­he hier). Am 8. Juli 2013 hat die WEKO dann die Geneh­mi­gung eines ersten Ent­wur­fes einer neu­en ein­ver­nehm­li­che Rege­lung abge­lehnt und dem Sekre­ta­ri­at und Swatch zur Neu­ver­hand­lung zurück­ge­wie­sen. Dem Grund­satz nach befür­wor­te­te die WEKO aller­dings eine wei­te­re Reduk­ti­on der Lie­fer­men­ge (sie­he hier).

Die von der WEKO nun am 21. Okto­ber 2013 geneh­mig­te ein­ver­nehm­li­che Rege­lung ent­hält fol­gen­de Vor­ga­ben für die Belie­fe­rung mit Ebau­ches durch ETA:

  • Eine bis am 31. Dezem­ber 2019 dau­ern­de Belie­fe­rungs­pflicht.
  • Eine stu­fen­wei­se Reduk­ti­on der Lie­fer­men­ge (auf der Basis des Durch­schnit­tes der Jah­re 2009–2011 muss ETA in den Jah­ren 2014 und 2015 75 %, 2016 und 2017 65 % und 2018 und 2019 55 %
    der ver­kauf­ten Men­gen lie­fern).
  • Eine Ver­pflich­tung zur Gleich­be­hand­lung aller Kun­den.
  • Die Mög­lich­keit, bei der Belie­fe­rung von KMU in beson­de­ren Här­te­fäl­len zugun­sten der betrof­fe­nen Kun­den von den vor­gen­n­an­ten Regeln abzu­wei­chen.

Wie üblich behält sich die WEKO eine Neu­be­ur­tei­lung der Lie­fer­ver­pflich­tung vor, falls sich die Markt­ver­hält­nis­se wesent­lich anders als ange­nom­men ent­wickeln soll­ten.

Im Bereich der Assor­ti­ments erach­tet die WEKO eine Lie­fer­re­duk­ti­on durch Niva­rox zwar nach wie vor als nicht grund­sätz­lich
aus­ge­schlos­sen
, ange­sichts der Markt­ver­hält­nis­se und der unsi­che­ren Ent­wick­lung in
die­sem Bereich zum heu­ti­gen Zeit­punkt aber für ver­früht. Die WEKO beton­te, dass sie die Ent­wick­lung in die­sem Bereich “genau ver­fol­gen” wol­le, und dass es Swatch frei ste­he, mit dem Sekre­ta­ri­at auch in
die­sem Bereich Ver­hand­lun­gen über zukünf­ti­ge Lie­fer­re­duk­tio­nen auf­zu­neh­men.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: Medi­en­mit­tei­lung vom 25. Okto­ber 2013 (HTML).

Oliver Kaufmann

Posted by Oliver Kaufmann

RA Dr. Oliver Kaufmann hat an der Universität Zürich studiert und war danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter auf dem Sekretariat der WEKO tätig. Er arbeitet als Rechtsanwalt und Partner bei Streichenberg in Zürich.