Das BGer hat sich in einem etwas ver­win­kel­ten Fall u.a. zum The­ma des Ver­trau­ens­schut­zes geäu­ssert. Der Anspruch auf Schutz des Ver­trau­ens  

  • folgt aus dem Prin­zip von Treu und Glau­ben,
  • setzt vor­aus, dass sich die betrof­fe­ne Par­tei auf die feh­ler­haf­te Rechts­mit­tel­be­leh­rung ver­las­sen durf­te, und 
  • ver­langt, dass den Par­tei­en aus einer unrich­ti­gen Rechts­mit­tel­be­leh­rung kei­ne Nach­tei­le erwach­sen. 

Muss­te eine Par­tei die Unrich­tig­keit der Beleh­rung erken­nen, kann sie sich nicht auf den Schutz beru­fen. Aller­dings kann nach der Recht­spre­chung nur “eine gro­be pro­zes­sua­le Unsorg­falt” der betrof­fe­nen Par­tei oder ihres Anwalts eine unrich­ti­ge Rechts­mit­tel­be­leh­rung auf­wie­gen. Dabei gilt:

  • Die gro­be Unsorg­falt ist nach den Umstän­den und den Rechts­kennt­nis­sen der Par­tei zu beur­tei­len. 
  • Bei Anwäl­ten gilt ein stren­ge­rer Mass­stab; sie haben eine “Grob­kon­trol­le” der Beleh­rung durch Kon­sul­tie­rung der anwend­ba­ren Ver­fah­rens­be­stim­mun­gen vor­zu­neh­men. Dage­gen wird nicht ver­langt, dass neben den Geset­zes­tex­ten auch noch die Recht­spre­chung oder Lite­ra­tur nach­ge­schla­gen wird. 

Im vor­lie­gen­den Fall ging es um eine ver­spä­te­te Beschwer­de gegen die Abwei­sung von Anträ­gen auf Erhö­hung des Kosten­vor­schus­ses für die mut­mass­li­chen Gerichts­ko­sten und auf Neu­an­set­zung einer Frist zur Erstat­tung der Kla­ge­ant­wort durch das Bez­Ger ZH. Das OGer ZH hat­te das Ver­trau­en der nicht anwalt­lich ver­tre­te­nen Beschwer­de­füh­re­rin nicht geschützt und war zu Unrecht auf die ver­spä­te­te Beschwer­de nicht ein­ge­tre­ten. Kon­kret ging es um ZPO 321 II, wonach die Beschwer­de­frist zur Anfech­tung u.a. pro­zess­lei­ten­der Ver­fü­gun­gen grds. nur zehn Tage beträgt:

Die Abgren­zung zwi­schen “pro­zess­lei­ten­den” und “ande­ren” Ent­schei­den ist mass­geb­lich für die Rechts­mit­tel­frist gemäss Art. 321 Abs. 2 ZPO, wobei letz­te­re Bestim­mung in der Leh­re als “Stol­per­fal­le” […] bezeich­net wird. Auch Art. 124 Abs. 1 ZPO hilft nur bedingt, die pro­zess­lei­ten­den Ver­fü­gun­gen abzu­gren­zen […]. Über­dies las­sen sich aus Art. 124 Abs. 1 ZPO nur wei­te­re Anhalts­punk­te gewin­nen, wenn die ent­spre­chen­den Kom­men­tie­run­gen bei­ge­zo­gen wer­den, wozu die Beschwer­de­füh­re­rin nicht ver­pflich­tet war.

Zudem war die Beschwer­de­füh­re­rin ange­sichts der unter­schied­li­chen äusse­ren Form des Ent­scheids (vor­erst prä­si­di­al und dann kol­le­gi­al) nicht gehal­ten, aus der Rechts­mit­tel­be­leh­rung der vor­an­ge­hen­den prä­si­dia­len Kau­ti­ons­ver­fü­gung (10 Tage) abzu­lei­ten, dass das Bezirks­ge­richt bei der Rechts­mit­tel­be­leh­rung zwi­schen den ein­zel­nen Dis­po­si­tiv­zif­fern (u.a. Zwi­schen­ent­schei­de) hät­te unter­schei­den müs­sen.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.