In einem Staats­haf­tungs­ver­fah­ren gegen den Kan­ton Zürich stell­te sich die Fra­ge, wel­che Kosten­vor­schuss­re­ge­lung zur Anwen­dung gelangt. Das Ober­ge­richt Zürich hat­te erwo­gen, die ZPO kom­me als sub­si­diä­res kan­to­na­les Recht zur Anwen­dung. Der Beschwer­de­füh­rer stell­te sich dem­ge­gen­über auf den Stand­punkt, Staats­haf­tungs­ver­fah­ren sei­en gemäss der Recht­spre­chung öffent­lich-recht­li­che Ver­fah­ren, wes­halb die Kosten­vor­schuss­re­ge­lung von § 15 des kan­to­na­len Ver­wal­tungs­rechts­pfle­ge­ge­set­zes (VRG) zur Anwen­dung gelan­ge (BGer. 2C_344/2013 vom 10. Dezem­ber 2013, E. 2.1).

Gemäss Bun­des­ge­richt ist die Anwen­dung der ZPO in kan­to­na­len Staats­haf­tungs­ver­fah­ren nicht will­kür­lich, da das Ver­fah­ren auf Gel­tend­ma­chung von Scha­den­er­satz und Genug­tu­ung gegen den Staat im Kan­ton Zürich nicht als Ver­wal­tungs- bzw. Ver­wal­tungs­ju­stiz­ver­fah­ren aus­ge­stal­tet ist. Wört­lich hielt das Bun­des­ge­richt fest (E. 2.2.1 und 2.2.2):

“2.2.1. Sowohl nach § 19 HG/ZH als auch nach § 2 VRG/ZH sind für
Scha­den­er­satz­an­sprü­che Pri­va­ter gegen den Kan­ton die Zivil­ge­rich­te
zustän­dig. Wie das Bun­des­ge­richt bereits ent­schie­den hat, ist es nicht
will­kür­lich, wenn die Zivil­ge­rich­te das gene­rell für sie anwend­ba­re
Ver­fah­rens­recht — hier also die eid­ge­nös­si­sche Zivil­pro­zess­ord­nung -
anwen­den, auch wenn sie kan­to­nal­recht­li­che Ansprü­che beur­tei­len (zit.
Urteil 2C_692/2012 E. 2.3.1). Zwar kön­nen die Kan­to­ne für die
Kosten­re­ge­lung von Staats­haf­tungs­ver­fah­ren auch beson­de­re, von der ZPO
abwei­chen­de Bestim­mun­gen erlas­sen (wie dies der Kan­ton Zürich gemäss dem
ange­foch­te­nen Urteil in § 23 HG/ZH mit Bezug auf das Erfor­der­nis eines
Schlich­tungs­ver­fah­rens getan hat), aber es ist nicht will­kür­lich oder
sonst­wie bun­des­rechts­wid­rig, wenn sie dies nicht tun.

2.2.2. Die eid­ge­nös­si­sche Zivil­pro­zess­ord­nung ent­hält in ihrem
8. Titel (Art. 95 ff.) sodann eine gesetz­li­che Rege­lung über die
Lei­stung von Kosten­vor­schüs­sen und Sicher­hei­ten, so dass die
Anfor­de­run­gen an eine aus­rei­chen­de gesetz­li­che Grund­la­ge (vgl. Art. 127 BV) für die Erhe­bung öffent­li­cher Abga­ben erfüllt sind (BGE 133 V 402
E. 3.2, 3.4 S. 404 f.). Eine sol­che ergä­be sich zwar auch aus § 15 VRG,
doch erscheint es — weil das Ver­fah­ren auf Gel­tend­ma­chung von
Scha­den­er­satz- und Genug­tu­ungs­an­sprü­chen gegen den Staat nach kan­to­na­ler
Ord­nung eben gera­de nicht als Ver­wal­tungs- bzw.
Ver­wal­tungs­ju­stiz­ver­fah­ren aus­ge­stal­tet ist — nicht will­kür­lich, in
die­sen Ver­fah­ren auf die Anwen­dung der in der Ver­wal­tungs­rechts­pfle­ge
zum Zuge kom­men­den Kosten­vor­schuss­re­ge­lung zu ver­zich­ten und statt­des­sen
auf die­je­ni­ge der eid­ge­nös­si­schen Zivil­pro­zess­ord­nung zurück­zu­grei­fen.”

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).