Das Bun­des­ge­richt bestä­tigt in die­sem Ent­scheid den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ssig­keit bei der Behe­bung von Orga­ni­sa­ti­ons­män­gel — in casu das Feh­len einer Revi­si­ons­stel­le — gemäss Art. 731b Abs. 1 OR.

Unter Ver­weis auf BGE 138 III 294, E. 3.3.1 und 4A_411/2012 vom 22. Novem­ber 2012, E. 2.1.5 weist das Bun­des­ge­richt dar­auf hin, dass in sol­chen Fäl­len die Ernen­nung des feh­len­den Organs grund­sätz­lich die ange­mes­se­ne Mass­nah­me zur Besei­ti­gung des Orga­ni­sa­ti­ons­man­gels ist (E. 2.1.4). Dabei ver­weist es auf die unter dem frü­he­ren Recht vor­ge­se­he­ne Stu­fen­fol­ge der zu tref­fen­den Mass­nah­men (Art. 727 f. aOR: Anset­zung einer Frist zur Behe­bung des Man­gels und bei deren erfolg­lo­sen Ver­strei­chen die rich­ter­li­che Ernen­nung der Revi­si­ons­stel­le, nicht aber die Auf­lö­sung der Gesell­schaft), wel­che der Gesetz­ge­ber mit Art. 731b OR nicht durch­bre­chen woll­te (E. 2.1.4).

Das Bun­des­ge­richt ruft dabei in Erin­ne­rung, dass eine Auf­lö­sung der Gesell­schaft gestützt auf Art. 731b Abs. 1 Ziff. 3 OR grund­sätz­lich nur gerecht­fer­tigt ist, wenn die män­gel­be­haf­te­te Gesell­schaft auf ent­spre­chen­de Auf­for­de­run­gen zur Behe­bung des Orga­ni­sa­ti­ons­man­gels hin über­haupt kei­ne Reak­ti­on zeigt (E. 2.3). Dies­falls, so das Bun­des­ge­richt wei­ter, ist davon aus­zu­ge­hen, dass die mil­de­re Mass­nah­me gemäss Ziff. 2 (Ernen­nung des feh­len­den Organs) nicht sach­ge­recht bzw. ziel­füh­rend ist und dass die Gesell­schaft auch bei rich­ter­li­cher Ein­set­zung einer Revi­si­ons­stel­le kei­ne Reak­ti­on zei­gen und ins­be­son­de­re den Vor­schuss gemäss Art. 731b Abs. 2 OR nicht lei­sten wür­de (E. 2.3).

Da sich die Beschwer­de­füh­re­rin jedoch bemüh­te, den Orga­ni­sa­ti­ons­man­gel zu behe­ben, indem sie eine neue Revi­si­ons­stel­le gewählt und deren Wahl­an­nah­me­er­klä­rung dem Han­dels­re­gi­ster­amt im Ori­gi­nal ein­ge­reicht hat­te, ist es unver­hält­nis­mä­ssig, die ulti­ma ratio der Auf­lö­sung anzu­ord­nen (E. 2.3, mit Hin­wei­sen auf die Urtei­le 4A_4/2013 vom 13. Mai 2013, E. 3.3 und 4A_411/2012 vom 22. Novem­ber 2012, E. 2.2.2). 

Martin Rauber

Posted by Martin Rauber

RA Dr. Martin Rauber, LL.M, arbeitet als Rechtsanwalt bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Zuvor wirkte er als juristischer Sekretär am Bezirksgericht Horgen, wo er heute als nebenamtlicher Ersatzrichter im Einsatz steht. Er studierte an der Universität Freiburg i.Ue., der Université Libre de Bruxelles sowie an der University of Edinburgh (LL.M. Commercial Law).