Das BGer schützt ein Urteil der Cour de Justi­ce GE, das die Anfech­tung eines Erb­tei­lungs­ver­trags wegen Grund­la­gen­irr­tums zuge­las­sen hat­te. Ein Bild im Nach­lass war der Schu­le von Le Pon­tor­mo (Jaco­po da Pon­tor­mo) zuge­rech­net wor­den, erwies sich spä­ter als sehr viel wert­vol­le­res Werk die­ses Maler selbst. 

Die Echt­heit ist nach der Recht­spre­chung ein wesent­li­cher Punkt beim Erwerb eines Gemäl­des. Bei der Irr­tums­an­fech­tung des Erwerbs­ver­trags ist aber erfor­der­lich, dass der Irr­tum auch sub­jek­tiv wesent­lich war, d.h. eine Ursa­che der Wil­lens­bil­dung. Dabei gilt, dass auch ein fahr­läs­si­ger Irr­tum beacht­lich ist. Sorg­lo­sig­keit mit Bezug auf den frag­li­chen Umstand kann aber nicht nur Fahr­läs­sig­keit begrün­den, son­dern auch als Indiz dafür gewer­tet wer­den, dass der betref­fen­de Umstand nicht sub­jek­tiv wesent­lich war.

Zur sub­jek­ti­ven Wesent­lich­keit hält das BGer Fol­gen­des fest:

Celui qui se prév­aut de son err­eur doit donc s’être trom­pé sur un fait déter­mi­né touchant, pour lui, à la base néces­saire de l’accord (“not­wen­di­ge Grund­la­ge”); ce fait doit avoir exer­cé une influ­ence décisi­ve sur la volon­té de con­clu­re du déclarant qui, sans cet­te cir­con­stan­ce, n’aurait pas pas­sé le cont­rat ou, en tout cas, pas à ces con­di­ti­ons […]. En d’autres ter­mes, l’erreur doit por­ter sur des cir­con­stan­ces de fait qui, sub­jec­tive­ment, forment la con­di­ti­on sine qua non de l’acte juri­di­que liti­gieux. Selon la juris­pru­dence, l’ errans ne peut invo­quer le fait igno­ré indis­pensable, à savoir qu’il con­s­idé­rait com­me une véri­ta­ble con­di­ti­on sine qua non pour sa déci­si­on, lorsqu’il ne s’est pas préoc­cupé, au moment de con­clu­re, d’éclaircir une questi­on qui se posait mani­fe­stement en rap­port avec ce fait déter­mi­né […].

Im vor­lie­gen­den Fall stand sach­ver­halts­mä­ssig fest, dass der Anfech­ten­de als sicher annahm, die frag­li­chen Bil­der sei­en nicht echt. Dazu kam, dass die Erb­tei­lung nach Wert­quo­ten erfolg­te, d.h. dass die Zutei­lung der Nach­lass­ak­ti­ven von ihrem Wert abhän­gig war. Damit war der Irr­tum auch sub­jek­tiv wesent­lich.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.