Die Pen­si­ons­kas­se Ascoop in Liqui­da­ti­on ist eine Sam­mel­stif­tung der beruf­li­chen
Vor­sor­ge, der sich vor allem Betrie­be des öffent­li­chen Ver­kehrs
ange­schlos­sen hat­ten. Die Pen­si­ons­kas­se geriet in eine Unter­deckung, wel­che im Jahr 2008 rund CHF 700 Mio. erreich­te (vgl. die Medi­en­mit­tei­lung des BSV vom 15.12.2010).

Am 22. Juni 2005 ver­ab­schie­de­te der Stif­tungs­rat das “Regle­ment Teil­li­qui­da­ti­on 2005”, das vom BSV geneh­migt wur­de. Die Pen­si­ons­kas­se infor­mier­te die ange­schlos­se­nen Unter­neh­mun­gen über das wei­te­re Vor­ge­hen und die Mög­lich­keit, den Anschluss­ver­trag bis 30. Sep­tem­ber 2005 ausser­or­dent­lich per Ende 2005 zu kün­di­gen, wobei sich der Aus­tritt nach dem Teil­li­qui­da­ti­ons­re­gle­ment 2005 rich­te. Die X. AG und die Y. AG mach­ten von ihrem ausser­or­dent­li­chen Kün­di­gungs­recht Gebrauch. In der Fol­ge wur­de strit­tig, wel­ches die anwend­ba­re Rechts­grund­la­ge und wie das zu über­tra­gen­de Kapi­tal zu berech­nen war.

Die X. AG und die Y. AG sowie ihre aktiv und pas­siv Ver­si­cher­ten foch­ten den Ver­tei­lungs­plan beim BSV an, wel­ches die Beschwer­den aber abwies. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hiess die Beschwer­den dem­ge­gen­über teil­wei­se gut. Sowohl die Pen­si­ons­kas­se als auch die X. AG und die Y. AG sowie eini­ge Ver­si­cher­te bzw. Lei­stungs­be­zü­ger gelang­ten dar­auf hin ans Bun­des­ge­richt. Das Bun­des­ge­richt ver­ei­nig­te die ein­zel­nen Ver­fah­ren, hiess die Beschwer­de der Pen­si­ons­kas­se gut und bestä­tig­te die Ver­fü­gun­gen des BSV. Die Beschwer­den der X. AG und der Y. AG wur­den abge­wie­sen.

Das Bun­des­ge­richt hat­te meh­re­re Fra­gen zu klä­ren. Betref­fend die Beschwer­de­le­gi­ti­ma­ti­on der Arbeit­ge­ber­ge­sell­schaf­ten erin­ner­te das Bun­des­ge­richt an sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung, wonach der Arbeit­ge­ber zwar kei­nen Anspruch auf Vor­sor­ge­lei­stun­gen hat. Ihm kommt aber einen ver­trag­li­chen Anspruch zu, dass die Vor­sor­ge­ein­rich­tung ihre Ver­pflich­tun­gen gegen­über den ver­si­cher­ten Arbeit­neh­mern kor­rekt wahr­nimmt. Die­ser ver­trag­li­che Anspruch umfasst auch, dass die Vor­sor­ge­ein­rich­tung die Fol­gen einer Kün­di­gung des Anschluss­ver­tra­ges kor­rekt abwickelt. Der Arbeit­ge­ber hat des­halb anläss­lich einer Teil­li­qui­da­ti­on der Pen­si­ons­kas­se ein aktu­el­les und schutz­wür­di­ges Inter­es­se am Erlass einer auf­sichts­recht­li­chen Ver­fü­gung. Die Beschwer­de­le­gi­ti­ma­ti­on der X. AG und Y. AG wur­de des­halb bejaht (vgl. zum Gan­zen BGer. 9C_135/2013 vom 23. Dezem­ber 2013, E. 4.2 und 4.3).

Zu prü­fen war sodann, ob das Teil­li­qui­da­ti­ons­re­gle­ment 2005 dem Grund­satz nach Anwen­dung fin­det (E. 5). Das Bun­des­ge­richt ging dies­be­züg­lich unter ande­rem der Fra­ge nach, ob und inwie­weit die Vor­sor­ge­ein­rich­tung das geneh­mig­te Teil­li­qui­da­ti­ons­re­gle­ment den aktiv und pas­siv Ver­si­cher­ten bekannt machen muss, damit es ver­bind­lich ist (E. 5.4). Das Bun­des­ge­richt liess die­se Fra­ge dann aller­dings doch unbe­ant­wor­tet, da die Ver­si­cher­ten im kon­kre­ten Fall von den Arbeit­ge­ber­ge­sell­schaf­ten über den Inhalt des Teil­li­qui­da­ti­ons­re­gle­ments infor­miert wor­den waren (E. 5.4.1 bis E. 5.4.6). Das Teil­li­qui­da­ti­ons­re­gle­ment war somit grund­sätz­lich anwend­bar (E. 5.6).

Danach unter­such­te das Bun­des­ge­richt, ob die Vor­schrift des Teil­li­qui­da­ti­ons­re­gle­ments, wonach ein ver­si­che­rungs­tech­ni­scher Fehl­be­trag anteils­mä­ssig beim Deckungs­ka­pi­tal jedes aus­tre­ten­den Ren­ten­be­zü­gers in Abzug zu brin­gen war, recht­mä­ssig ist (E. 6). Das Bun­des­ge­richt erach­te­te die Bestim­mung im Ergeb­nis als recht­mä­ssig, da kei­ne Geset­zes­ver­let­zung und auch kein Ver­stoss gegen das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot aus­zu­ma­chen war (E. 6.5).

Im Übri­gen ent­hält das Urteil (eher tech­ni­sche) Erwä­gun­gen betref­fend die Bilanz­po­si­ti­on “nicht-tech­ni­sche Rück­stel­lun­gen” und die Wert­be­rich­ti­gun­gen bezüg­lich der Hypo­the­kar­dar­le­hen (an Drit­te) sowie die gesi­cher­ten Anla­gen beim Arbeit­ge­ber in Form von Hypo­the­ken auf deren Betriebs­lie­gen­schaf­ten (E. 7). 

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).