Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt heisst eine Beschwer­de eines Bank­kun­den gegen Aus­lie­fe­rung sei­ner Bank­in­for­ma­tio­nen gut. Es äussert sich zu einem Grup­pen­er­su­chen des IRS betref­fend die Bank Juli­us Baer u.a. zu fol­gen­den Punk­ten (s.a. NZZ und Tages­an­zei­ger vom 9.1.2014):

Grup­pen­er­su­chen gestützt auf das [bis heu­te mass­ge­ben­de] DBA-USA 96 sind unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen zuläs­sig.

Nennt das Ersu­chen kei­ne Namen, sind gemäss bun­des­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung die übri­gen Umstän­de umso detail­lier­ter zu beschrei­ben […]. Das gilt ins­be­son­de­re, falls ein Gesuch eine gro­sse Anzahl von Bank­kun­den betrifft. An den Detail­lie­rungs­grad der Sach­ver­halts­dar­stel­lung sind in sol­chen Fäl­len hohe Anfor­de­run­gen zu stel­len“,

damit ein zuläs­si­ges Gesuch von einer ver­pön­ten Beweis­aus­for­schung („fishing expe­di­ti­on“) abge­grenzt wer­den kann (E. 5.1.2; 5.1.4). Ver­langt wird in jedem Fall ein Anfangs­ver­dacht, der sich aus kon­kre­ten, von der ersu­chen­den Behör­de dar­zu­le­gen­den Tat­sa­chen erge­ben muss (E. 5.1.6). An die­ser Rechts­la­ge bezüg­lich der Not­wen­dig­keit der aus­rei­chen­den Sach­ver­halts­dar­stel­lung hat sich auch nach Inkraft­tre­ten des StA­hiG grund­sätz­lich nichts geän­dert (E. 5.1.3).

Die hin­rei­chen­den Ver­dachts­mo­men­te des Sach­ver­halts müs­sen sich auf „Betrugs­de­lik­te und der­glei­chen“ im Sin­ne von Art. 26 DBA-USA 96 bezie­hen (E. 6.1). Bei ver­mu­te­ter blo­sser Steu­er­hin­ter­zie­hung kann dage­gen kei­ne Amts­hil­fe gelei­stet wer­den, auch nicht wenn es um hohe Beträ­ge geht (E 6.7). Das Gericht reka­pi­tu­liert die (bekann­te) schwei­ze­ri­sche Gerichts­pra­xis betref­fend „Betrugs­de­lik­te und der­glei­chen“ im Sin­ne von Art. 26 DBA-USA 96 und erläu­tert das für die Beur­tei­lung des Fal­les wesent­li­che Qua­li­fied Inter­me­di­a­ry System aus­führ­lich (E. 6.1 – 6.4).

Der IRS hat­te sei­nen Betrugs­ver­dacht mit einer Rei­he von Tat­sa­chen­vor­brin­gen begrün­det, wel­che das Gericht nicht über­zeug­ten:

Die dem Amts­hil­fe­ge­such bei­ge­leg­te Ankla­ge­schrift betref­fend zwei Kun­den­be­ra­ter der Bank („Casa­d­ei Indict­ment“) qua­li­fi­ziert das Gericht als ver­dachts­be­grün­dend nur für (nicht amts­hil­fe­fä­hi­ge) Steu­er­hin­ter­zie­hungs­hand­lun­gen (E. 7.2.3).

Ana­log qua­li­fi­ziert das Gericht die Aus­füh­run­gen des IRS zu Hand­lun­gen ein­zel­ner Bank­mit­ar­bei­ter betref­fend Ver­wen­dung von Deck­na­men und Num­mern für Kon­ten, das Aus­stel­len von Rei­se­kon­to­aus­zü­gen, wel­che kei­nen Rück­schluss auf den Kon­to­in­ha­ber zulas­sen sowie Rei­sen der Kun­den­be­ra­ter in die USA. Auch das Aus­nut­zen von – dem IRS bekann­ten — Lücken im QI-System wer­tet es nicht als amts­hil­fe­fä­hi­ges Delikt (E. 7.2.4).

Ver­feh­lun­gen ein­zel­ner Mit­ar­bei­ter einer Bank kön­nen sodann nicht dazu füh­ren, dass bezüg­lich aller Kun­den, die ein bestimm­tes Ver­hal­tens­mu­ster auf­wei­sen, Amts­hil­fe zu lei­sten ist. Dies wür­de dem Ver­hält­nis­mä­ssig­keits­prin­zip wider­spre­chen.“ (E. 7.2.4)

Ein­zig im Fal­le eines in den USA steu­er­pflich­ti­gen Ehe­paars, wel­ches offen­bar zwecks Ver­mei­dung US-erbrecht­li­cher Fol­gen ein Bank­kon­to auf eine Domi­zil­ge­sell­schaft über­tra­gen hat­te, schien dem Gericht ein betrugs­ähn­li­ches Ver­hal­ten denk­bar. Gemäss IRS hät­ten die­se Bank­kun­den mit­tels Debit­kar­ten unter Miss­ach­tung der zivil­recht­li­chen Struk­tur Bezü­ge von den Fir­men­kon­ten getä­tigt (E. B.j). Die ent­spre­chen­den Tat­sa­chen­vor­brin­gen wur­den vom Gericht jedoch als – für ein Grup­pen­er­su­chen — zu wenig sub­stan­ti­iert erach­tet (E. 7.2.6).

Das Urteil vom 6. Janu­ar 2014 kann beim Bun­des­ge­richt ange­foch­ten wer­den.

Philipp Kruse

Posted by Philipp Kruse

RA Philipp Kruse führt seit 2012 eine eigene Praxis für Steuerrecht in Zürich (Kruse | Tax & Law). Er studierte an den Universitäten Bern, Heidelberg und Exeter/UK und hat seit 1998 in drei Zürcher Wirtschaftskanzleien praktiziert. Er war von 2003 bis 2007 im Kantonalen Steueramt Zürich tätig und hat sich seither auf den Bereich 'Steuer- und Abgaberecht' spezialisiert.