Die Migros-Genos­sen­schaft Neu­châ­tel-Fri­bourg stell­te bei der Volks­wirt­schafts­di­rek­ti­on des Kan­tons Frei­burg (Direc­tion de l’économie et de l’emploi du can­ton de Fri­bourg) ein Gesuch um Fest­stel­lung, dass die Filia­le Morat am Oster­mon­tag des Jah­res 2011 ohne Bewil­li­gung geöff­net wer­den darf. Das Arbeits­in­spek­to­rat des Kan­tons Frei­burg (Inspec­tion du tra­vail du can­ton de Fri­bourg) lehn­te das Ansin­nen der Migros ab und bejah­te eine Bewil­li­gungs­pflicht für die Filia­le Morat.

Das Bun­des­ge­richt hat­te zu unter­su­chen, ob die Filia­le Morat als Betrieb in einem Frem­den­ver­kehrs­ge­biet gemäss Art. 25 ArGV 2 (SR 822.112) gel­ten kann und des­halb von der Bewil­li­gungs­pflicht für Sonn­tags­ar­beit befreit ist (Art. 18 Abs. 1, Art. 20a Abs. 1 und Art. 27 Abs. 1 ArG). Da die kan­to­na­len Instan­zen nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts die loka­len Gege­ben­hei­ten zu wenig spe­zi­fisch berück­sich­tigt hat­ten, hob es den ange­foch­te­nen Ent­scheid auf und wies die Sache zu neu­er Ent­schei­dung zurück (BGer. 2C_10/2013 vom 10. Janu­ar 2014).

Das Bun­des­ge­richt hielt in sei­nen aus­führ­li­chen Erwä­gun­gen ins­be­son­de­re fest, dass für die Fra­ge, ob ein Betrieb in einem Frem­den­ver­kehrs­ge­biet liegt, in dem der Frem­den­ver­kehr von wesent­li­cher Bedeu­tung ist, grund­sätz­lich zwar auf sta­ti­sti­sche Anga­ben abge­stützt wer­den darf. Vor­aus­zu­set­zen ist aber, dass sich die­se Anga­ben genü­gend spe­zi­fisch auf den kon­kre­ten Aus­flugs- und Erho­lungs­ort (une sta­ti­on) bezie­hen, in dem der Betrieb liegt (E. 5.1).

Die Vor­in­stanz hat­te ihren Ent­scheid auf sta­ti­sti­sche Anga­ben des Bun­des­am­tes für Sta­ti­stik abge­stützt, wonach in der Gemein­de Morat der Anteil der Beschäf­tig­ten, die vom Tou­ris­mus abhän­gen, nur 19,3 % beträgt (E. 4 und Sach­ver­halt A.). Das Bun­des­ge­richt hielt dem ent­ge­gen, bevor die sta­ti­sti­schen Anga­ben her­an­ge­zo­gen wer­den könn­ten, müs­se zuerst unter­sucht wer­den, ob wirk­lich die gesam­te Gemein­de oder nur ein Orts­teil davon die Eigen­hei­ten einer Tou­ris­mus­de­sti­na­ti­on (une sta­ti­on) auf­weist. Denn falls nur ein Orts­teil als Frem­den­ver­kehrs­ge­biet gel­ten kön­ne, müs­se der Betrieb in die­sem Teil der Gemein­de lie­gen. Abzu­klä­ren sei fer­ner, inwie­fern eine Öff­nung des Betrie­bes an Sonn­ta­gen und Fei­er­ta­gen den tou­ri­sti­schen Bedürf­nis­sen die­ne und ob sich die Tou­ri­sten auch ander­wei­tig ver­sor­gen könn­ten (E. 5.2).

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).