1. Tem­po beim auto­ma­ti­schen Infor­ma­ti­ons­aus­tausch (“AIA”)

Gut eine Woche nach Publi­ka­ti­on der Eck­wer­te zum zukünf­ti­gen OECD-Stan­dard betref­fend AIA mach­te Bun­des­rä­tin Wid­mer-Schlumpf in einem heu­te erschie­ne­nen Inter­view mit der NZZ die Absicht des Bun­des­ra­tes bekannt, die Umset­zung des AIA deut­lich zu beschleu­ni­gen. 
Die Umset­zung des OECD- Com­mon Reporting Stan­dard / „CRS vom 13. Febru­ar 2014 wird sämt­li­che Ban­ken sowie bestimm­te kol­lek­ti­ve Anla­ge­ve­hi­kel und Ver­si­che­run­gen eines teil­neh­men­den Lan­des betref­fen. Die­se Insti­tu­tio­nen wer­den gewis­se Kun­den­da­ten unauf­ge­for­dert an die Steu­er­be­hör­den wei­ter­zu­lei­ten haben. Zu mel­den wären ins­künf­tig neben den Kon­to­saldi alle Arten von Inve­sti­ti­ons­ein­künf­ten (Zin­sen, Divi­den­den, gewis­se Ver­si­che­rungs­ein­künf­te, Kapi­tal­ge­win­ne etc.). Betrof­fen wären die Kon­ten natür­li­cher wie auch juri­sti­scher Per­so­nen, inkl. Trusts und Stif­tun­gen — mit Aus­nah­me u.a. von bör­sen­ko­tier­ten Fir­men, inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen und staat­li­chen Betrie­ben. Gewis­se pas­si­ve Inve­sti­ti­ons­ve­hi­kel hät­ten den Bene­fi­ci­al Owner offen­zu­le­gen.
Per­so­nen und Unter­neh­men mit Sitz und Kon­ten aus­schliess­lich in der Schweiz wer­den vom CRS/AIA grund­sätz­lich nicht erfasst. Lie­gen Kon­to und Wohnsitz/Domizil dage­gen in zwei ver­schie­de­nen Län­dern mit AIA-Pra­xis („Rezi­pro­zi­täts­prin­zip“; bis heu­te von 42 Staa­ten vor­ge­se­hen), ist ein AIA prin­zi­pi­ell mög­lich — gemäss CRS sol­len blo­sse Ver­wal­tungs­ver­ein­ba­run­gen als Grund­la­ge aus­rei­chen. Dritt­staa­ten sol­len am AIA nicht par­ti­zi­pie­ren kön­nen. Die Daten dür­fen gemäss CRS aus­schliess­lich für Steu­er­zwecke ver­wen­det wer­den („Spe­zia­li­tä­ten­prin­zip“), unter Beach­tung des Daten­schut­zes. 
OECD und G-20 wol­len den Com­mon Reporting Stan­dard noch in die­sem Jahr offi­zi­ell zum „Glo­bal Stan­dard“ erhe­ben. Das Gesamt­kon­zept des Bun­des­ra­tes sieht daher vor, dem Par­la­ment im Ver­lau­fe des Jah­res 2015 eine Geset­zes­vor­la­ge zu unter­brei­ten. Die­se soll die Bedin­gun­gen für den AIA auf der Basis bila­te­ra­ler Ver­trä­ge defi­nie­ren. Eine Über­nah­me des AIA erscheint für die Schweiz nun­mehr bereits per 2016 mög­lich, wobei eine rück­wir­ken­de Anwen­dung aus­ge­schlos­sen sein soll. Der heu­te noch mass­ge­ben­de Stan­dard zur Amts­hil­fe nach OECD MA 26 wird zumin­dest ergän­zend (ins­be­son­de­re für die Zeit bis zur Ein­füh­rung des AIA) wei­ter­hin rele­vant blei­ben.

2. Tem­po auch beim Stan­dard von OECD 26 betr. Amts­hil­fe

Ausser­dem hat der Bun­des­rat gestern ange­kün­digt, die Umset­zung des aktu­ell noch mass­ge­ben­den Stan­dards zum Art. 26 des OECD-Muster­ab­kom­men betref­fend Amts­hil­fe (d.h. Lie­fe­rung von Bank­da­ten nicht nur bei Steu­er­be­trug son­dern auch bei mög­li­cher Hin­ter­zie­hung; nicht nur bei Namens­nen­nung son­dern auch bei Grup­pen­an­fra­gen auf der Basis ver­däch­ti­ger Ver­hal­tens­mu­ster) uni­la­te­ral zu beschleu­ni­gen.
Von den heu­te rund 90 DBA der Schweiz wur­den erst rund die Hälf­te nach­ver­han­delt. Für die ver­blei­ben­den 45 DBA soll nun gemäss Bun­des­rat der gel­ten­de Stan­dard auch ohne Nach­ver­hand­lun­gen Rea­li­tät wer­den. Dafür muss das Par­la­ment eine noch aus­zu­ar­bei­ten­de Vor­la­ge anneh­men. Die­se soll die uni­la­te­ra­le Anwen­dung von OECD 26 gegen­über jenen Län­dern ermög­li­chen, wel­che Gegen­recht hal­ten, sowie Daten­schutz und Spe­zia­li­tä­ten­prin­zip sicher­stel­len. Eine Umset­zung die­ser Aus­wei­tung wird frü­he­stens für 2015 erwar­tet.
Philipp Kruse

Posted by Philipp Kruse

RA Philipp Kruse führt seit 2012 eine eigene Praxis für Steuerrecht in Zürich (Kruse | Tax & Law). Er studierte an den Universitäten Bern, Heidelberg und Exeter/UK und hat seit 1998 in drei Zürcher Wirtschaftskanzleien praktiziert. Er war von 2003 bis 2007 im Kantonalen Steueramt Zürich tätig und hat sich seither auf den Bereich 'Steuer- und Abgaberecht' spezialisiert.