Das BGer äussert sich im vor­lie­gen­den Urteil zum Unter­schied zwi­schen Schuld­an­er­ken­nun­gen und Beweis­mit­teln, wobei Schuld­an­er­ken­nun­gen eine Pflicht begrün­den, Beweis­mit­tel dage­gen nur eine vor­be­stehen­de Pflicht bewei­sen:

Mit einer Schuld­an­er­ken­nung erklärt der Aner­ken­nen­de dem Aner­ken­nungs­emp­fän­ger, dass er ihm gegen­über eine Schuld hat. Es han­delt sich also um eine rechts­ge­schäft­li­che Erklä­rung […]. Von einer rechts­ge­schäft­li­chen Erklä­rung im Sin­ne von Art. 17 OR abzu­gren­zen ist der Fall, dass ein Schrift­stück ledig­lich im Rah­men der Beweis­wür­di­gung als Beweis­mit­tel berück­sich­tigt wird in dem Sinn, dass es zusam­men mit wei­te­ren Umstän­den die Exi­stenz der strit­ti­gen (Grund-) For­de­rung beweist […]. Ist zu prü­fen, ob eine Erklä­rung eine Schuld­an­er­ken­nung beinhal­tet, wen­det die Recht­spre­chung auf deren Aus­le­gung die Grund­sät­ze an, die auch für die Aus­le­gung von Ver­trä­gen gel­ten […].

In BGE 131 III 268 hat­te das BGer zwar eine Erklä­rung in einem Dar­le­hens­ver­trag als Schuld­an­er­ken­nung beur­teilt. Die rele­van­te For­mu­lie­rung lau­te­te gemäss der Über­set­zung in der Pra. (zit. nach dem vor­lie­gen­den Urteil): “Ich (…) aner­ken­ne, X, (…) den Betrag von US$ 300000.– (…) bezah­len zu müs­sen. Die­ser Betrag wur­de mir per­sön­lich aus­ge­lie­hen, und ich ver­pflich­te mich, ihn bis spä­te­stens (…) zurück­zu­be­zah­len”.

Damit war aber der vor­lie­gen­den Fall nicht zu ver­glei­chen, denn hier hat­te der Dar­le­hens­ver­trag nach den Aus­füh­run­gen der Par­tei­en (auch der Beschwer­de­füh­rer) den Zweck, einen bereits frü­her geschlos­se­nen Dar­le­hens­ver­trag zu “doku­men­tie­ren”. Folg­lich lag nur ein Wil­le zum Erstel­len eines Beweis­do­ku­men­tes für ein frü­he­res Rechts­ge­schäft vor, nicht zum Abschluss einer neu­en Ver­pflich­tung. Die Vor­in­stanz hat­te daher nur eine Beweis­ur­kun­de gese­hen und fest­ge­hal­ten, dass eine sol­che Pri­vat­ur­kun­de zwar in der Regel die tat­säch­li­che Ver­mu­tung für die Rich­tig­keit ihres Inhalts begrün­de, aber die Beweis­last­ver­tei­lung nicht berüh­re.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.