Die kan­to­na­len Zür­cher Instan­zen hat­ten eine Kla­ge von Digni­tas gegen den Jour­na­li­sten Tho­mas Has­ler im Zusam­men­hang mit des­sen Berich­ter­erstat­tung über Digni­tas abge­wie­sen. Das BGer weist die Beschwer­de von Digni­tas eben­falls ab.

Aus­gangs­punkt waren Abklä­run­gen der Zür­cher Staats­an­walt­schaft im Zusamm­men­hang mit Hin­wei­sen, wonach zwei Per­so­nen, die Digni­tas in den Sui­zid beglei­tet hat­te, vor ihrem Frei­tod einen “Son­der­mit­glied­schafts­bei­trag” an Digni­tas ent­rich­tet hat­ten. Die Ober­staats­an­walt­schaft hat­te dabei fest­ge­hal­ten, es bestehe ein Anfangs­ver­dacht dafür, dass die Bei­hil­fe zum Sui­zid aus selbst­süch­ti­gen Moti­ven im Sinn von StGB 115 erfolgt sei. Im Anschluss an die­sen Ent­scheid erschien im Tages-Anzei­ger die Bericht­erstat­tung von Tho­mas Has­ler. Dabei wur­de im Anriss u.a. geschrie­ben, Digni­tas wer­de ver­däch­tigt, aus selbst­süch­ti­gen Beweg­grün­den Bei­hil­fe zu einem Dop­pel­sui­zid gelei­stet zu haben. Im Teil “Zürich & Regi­on” erschien ein wei­te­rer Arti­kel. Der Ver­ein Digni­tas hat­te dar­auf auf die Fest­stel­lung geklagt, dass er von Tho­mas Has­ler durch die Arti­kel in sei­ner Per­sön­lich­keit ver­letzt wor­den sei.

Das Ober­ge­richt hat­te im Wesent­li­chen fest­ge­hal­ten, dass der Ver­ein Digni­tas eine Per­son sei, wel­che im Zen­trum des öffent­li­chen Inter­es­ses ste­he. Ein öffent­li­ches Inter­es­se bestehe schon an der Kennt­nis der Tat­sa­che, dass die Staats­an­walt­schaft mit Blick auf eine mög­li­che Ver­let­zung von StGB 115 Abklä­run­gen tref­fe. Eine anony­mi­sier­te Bericht­erstat­tung wäre in den kon­kre­ten Umstän­den zudem sinn­los gewe­sen. Schliess­lich sei­en Wort­laut und Auf­ma­chung der Bericht­erstat­tung nicht per­sön­lich­keits­ver­let­zend, son­dern viel­mehr objek­tiv und sach­lich gewe­sen. Ins­be­son­de­re durf­te die Bericht­erstat­tung den Aus­druck “selbst­süch­ti­ge Moti­ve” ver­wen­den, weil die­ser Ter­mi­nus dem Straf­recht ent­nom­men war.

Laut BGer sind die Erwä­gun­gen des OGer nicht zu beab­stan­den. Ins­be­son­de­re bestehe

ein gewich­ti­ges öffent­li­ches Inter­es­se an Trans­pa­renz im Bereich des gesell­schaft­lich bri­san­ten und hoch­po­li­ti­schen Fel­des der Ster­be­hil­fe ganz all­ge­mein, aber auch ein all­ge­mei­nes Bedürf­nis auf Infor­ma­ti­on spe­zi­fisch zur Fra­ge, wie Behör­den mit der The­ma­tik umge­hen und auf Ver­dachts­mo­men­te für mög­li­che Straf­tat­be­stän­de reagie­ren. Die­sem gewich­ti­gen Infor­ma­ti­ons­be­dürf­nis kön­nen kei­ne vom Ver­ein so dekla­rier­te “Geheim­hal­tungs­in­ter­es­sen” ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den. Es kann eine Par­al­le­le zum Urteil 5C.31/2002 […] E. 3b/cc gezo­gen wer­den, wo sich ein Heim unter Namens­nen­nung bie­ten las­sen muss­te, dass anhand kon­kre­ter Bei­spie­le über mög­li­che Miss­stän­de in der betref­fen­den Bran­che berich­tet wur­de, dies vor dem Hin­ter­grund, dass die Pfle­ge altern­der Men­schen ein The­ma von wach­sen­der Aktua­li­tät sei, wes­halb sich das Heim auch nicht dar­auf beru­fen konn­te, pri­vat orga­ni­siert zu sein, um damit gewis­ser­ma­ssen eine “Pri­vat­sphä­re” vor­zu­schie­ben.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.