Der vor­lie­gen­de Ent­scheid betrifft eine Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft SUISA und der Basel Tat­too Pro­duc­tions GmbH, die Ver­an­stal­te­rin des jeweils im Som­mer statt­fin­den­den Open-Airs “Basel Tat­too”.

Die Par­tei­en hat­ten Gebüh­ren für die
gespiel­te urhe­ber­recht­lich geschütz­te Musik nach dem geneh­mig­ten Gemein­sa­men Tarif K (Kon­zer­te und konzertähnliche Dar­bie­tun­gen) bzw. Ka (von der Schieds­kom­mis­si­on ESchK geneh­migt) ver­ein­bart. Teil des Tarifs sind ver­schie­de­ne Ermä­ssi­gun­gen der Gebüh­ren, z.B. auch bei kon­zert­ähn­li­chen Dar­bie­tun­gen, wenn die Musik neben ande­ren Wer­ken nur eine unter­ge­ord­ne­te oder beglei­ten­de Funk­ti­on hat, wie zum Bei­spiel bei revue­ar­ti­gen, cho­reo­gra­phi­schen Dar­bie­tun­gen oder Auf­füh­run­gen thea­tra­li­scher Wer­ke mit Begleit­mu­sik (GT K Ziff 15; gemäss der sog. “Bal­let­re­gel”).

Die Basel Tat­too hat­te gel­tend gemacht, GT K Ziff. 15 sei hin­sicht­lich der Vor­aus­set­zun­gen einer Ermä­ssi­gung zu restrik­tiv. Die ESchK habe dadurch den Grund­satz der Ange­mes­sen­heit i.S.v. URG 60 I lit. c ver­letzt. Das BGer weist die­sen ersten Ein­wand zurück:

Damit ver­kennt die Beschwer­de­füh­re­rin, dass die in Art. 60 URG auf­ge­stell­ten Ange­mes­sen­heits­kri­te­ri­en der Fest­le­gung der im Tarif vor­ge­se­he­nen Ent­schä­di­gungs­sät­ze und deren ver­wal­tungs­ge­richt­li­cher Über­prü­fung die­nen, jedoch kei­nen indi­vi­du­el­len Anspruch dar­auf begrün­den, dass eine nach dem Tarif geschul­de­te ein­zel­ne Ent­schä­di­gung immer die­sen Kri­te­ri­en genügt […]. Nach bun­des­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung han­delt es sich bei den in Art. 60 URG genann­ten Kri­te­ri­en viel­mehr um ver­bind­li­che Vor­ga­ben für die Schieds­kom­mis­si­on, deren Aus­le­gung und Anwen­dung vom Bun­des­ge­richt im Ver­fah­ren der Beschwer­de in öffent­lich-recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten über­prüft wer­den kön­nen […]. Die Ver­ein­bar­keit die­ser Rege­lung mit den Ange­mes­sen­heits­kri­te­ri­en nach Art. 60 URG ist aus­schliess­lich im Beschwer­de­ver­fah­ren gegen einen Geneh­mi­gungs­ent­scheid der Schieds­kom­mis­si­on zu prü­fen. […]

Strit­tig war zudem die Reich­wei­te der Bal­let­re­gel. Das BGer bestä­tigt hier die Leh­re, dass die­se nur gilt, falls mit den kol­lek­tiv ver­wer­te­ten Wer­ken gleich­zei­tig ande­re urhe­ber­recht­lich geschütz­te Wer­ke dar­ge­bo­ten wer­den:

[…] Wäh­rend die eben­falls in Art. 60 Abs. 1 lit. c URG ver­an­ker­te Pro-rata-tem­po­ris-Regel besagt, dass sich die Ent­schä­di­gung für eine Auf­füh­rung mit geschütz­ten und nicht geschütz­ten Wer­ken gemäss dem Anteil der nicht geschütz­ten Wer­ke an der Gesamt­dau­er der Dar­bie­tung redu­ziert […], soll mit der Bal­lett­re­gel bei kon­zert­ähn­li­chen Dar­bie­tun­gen dem Umstand Rech­nung getra­gen wer­den, dass neben der geschütz­ten Musik ande­re urhe­ber­recht­lich geschütz­te, jedoch nicht kol­lek­tiv ver­wer­te­te Wer­ke genutzt wer­den […]. Die Bal­lett­re­gel bezweckt gera­de mit Rück­sicht auf ande­re Urhe­ber­rech­te, durch eine Reduk­ti­on im tarif­li­chem Sin­ne Raum für ande­re Schutz­be­rech­tig­te zu schaf­fen, die vom frag­li­chen Tarif nicht erfasst sind […]. Sind kei­ne ande­ren Schutz­be­rech­tig­ten vor­han­den, besteht dem­ge­gen­über ent­ge­gen der in der Beschwer­de ver­tre­te­nen Ansicht kein Grund für die Anwen­dung der Bal­lett­re­gel und eine ent­spre­chen­de Tarif­re­duk­ti­on fällt ausser Betracht […].

Schliess­lich bestä­tig­te das BGer, dass die Musik bei den ein­zel­nen Auf­füh­run­gen der Basel Tat­too nicht eine nur unter­ge­ord­ne­te Rol­le spiel­te, was zu einer zusätz­li­chen Reduk­ti­on geführt hät­te.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.