Im vor­lie­gen­den Bun­des­ge­richts­ent­scheid ging es um die Gül­tig­keit eines Zah­lungs­be­fehls und ins­be­son­de­re um die Fra­ge, wie genau der For­de­rungs­grund umschrie­ben sein muss. Ein Arbeit­neh­mer hat­te sei­ne frü­he­re Arbeit­ge­be­rin betrie­ben und als Grund der For­de­rung ange­ge­ben: “For­de­rung aus Arbeits­ver­trag und Straf­ver­fah­ren etc.” Die Schuld­ne­rin mach­te mit Beschwer­de gel­tend, der ihr zuge­stell­te Zah­lungs­be­fehl genü­ge den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen nicht. Gläu­bi­ger und Vor­in­stanz ver­tra­ten hin­ge­gen die Ansicht, der For­de­rungs­grund sei auf dem Zah­lungs­be­fehl rechts­ge­nü­gend umschrie­ben, zumal der Schuld­ne­rin aus der bis­he­ri­gen Kor­re­spon­denz und dem hän­gi­gen Straf­ver­fah­ren aus dem Gesamt­zu­sam­men­hang aus­rei­chend klar sei, wofür sie betrie­ben wer­de (E. 2.1.).

Das Bun­des­ge­richt hiess die Beschwer­de gut, hob den frag­li­chen Zah­lungs­be­fehl auf und hielt u.a. fest:

Die Umschrei­bung des For­de­rungs­grun­des bzw. der For­de­rungs­ur­kun­de soll dem Betrie­be­nen zusam­men mit dem übri­gen Inhalt des Zah­lungs­be­fehls über den Anlass der Betrei­bung Auf­schluss geben und ihm erlau­ben, sich zur Aner­ken­nung oder Bestrei­tung der in Betrei­bung gesetz­ten For­de­rung zu ent­schlie­ssen. Er soll näm­lich nicht Rechts­vor­schlag erhe­ben müs­sen, um in einem anschlie­ssen­den Pro­zess von der gegen ihn gel­tend gemach­ten For­de­rung Kennt­nis zu erhal­ten. Die Anfor­de­run­gen an die Umschrei­bung der For­de­rung müs­sen mit­hin die­sem Zweck genü­gen. Eine knap­pe Umschrei­bung genügt nament­lich dann, wenn dem Betrie­be­nen der Grund der For­de­rung nach Treu und Glau­ben aus dem Gesamt­zu­sam­men­hang erkenn­bar ist. Ein unge­nü­gen­der Hin­weis auf den For­de­rungs­grund führt im Übri­gen nicht zur Nich­tig­keit, son­dern nur zur Anfecht­bar­keit des Zah­lungs­be­fehls […] Die Anfor­de­run­gen an die Umschrei­bung des For­de­rungs­grun­des hän­gen somit wesent­lich von den Umstän­den des kon­kre­ten Ein­zel­fal­les ab […]“ (E. 2.2.). 

Danach fass­te das Bun­des­ge­richt sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zusam­men: Unge­nü­gend war in einem kon­kre­ten Fall etwa ein blo­sses Stich­wort “Scha­den­er­satz”, eben­so die Anga­be “laut Rech­nungs­aus­zug”, wenn die­ser Rech­nungs­aus­zug dem Betrie­be­nen nicht bereits mit­ge­teilt wor­den war. Für aus­rei­chend hielt das Bun­des­ge­richt hin­ge­gen die Umschrei­bung “Uner­laub­te Hand­lun­gen sowie Scha­den­er­satz aus Zusam­men­ar­beit und Geschäfts­füh­rung Z. AG vom 1. Janu­ar 1995 bis 30. Juni 2004”.

Anschlie­ssend ging das Bun­des­ge­richt auf Dau­er­schuld­ver­hält­nis­se ein: 

Bei Betrei­bun­gen für peri­odi­sche Lei­stun­gen muss im Betrei­bungs­be­geh­ren und Zah­lungs­be­fehl die Peri­ode ange­ge­ben wer­den, für wel­che die Betrei­bung ein­ge­lei­tet wird […]. Es genügt somit bei Dau­er­schuld­ver­hält­nis­sen mit peri­odi­schen Zah­lungs­pflich­ten nicht, ein­fach für “Lohn”, “Unter­halt” oder “Miet­zins” zu betrei­ben. Wer zudem für meh­re­re For­de­run­gen betreibt, hat die­se genau zu benen­nen, denn jede die­ser For­de­run­gen hat ihren eige­nen Grund […].“ (E. 2.3.) 

Das Bun­des­ge­richt kam schliess­lich zum Schluss, dass die Anga­ben im Zah­lungs­be­fehl vor­lie­gend unge­nü­gend gewe­sen sei­en, weil unklar blei­be, „auf wel­chen gesetz­lich oder ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen Umstand inner­halb [des Arbeits­ver­hält­nis­ses] sich der [Arbeit­neh­mer] genau beruft und für wel­che Zeit­pe­ri­oden offe­ne For­de­run­gen bestehen sol­len.“ Der Begriff „Straf­ver­fah­ren“ wur­de als nicht aus­sa­ge­kräf­tig taxiert (E. 2.4.)

Das Bun­des­ge­richt ver­nein­te fer­ner auf­grund der kon­kre­ten Umstän­de, dass die Schuld­ne­rin den Grund der For­de­run­gen nach Treu und Glau­ben aus dem Gesamt­zu­sam­men­hang hät­te erken­nen kön­nen. Fer­ner las­se sich aus Art. 73 Abs. 1 SchKG kei­ne „Nach­for­schungs­ob­lie­gen­heit“ des Schuld­ners ablei­ten (E. 3.).

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.