In die­sem Urteil des Bun­des­ge­richts geht es um vor­sorg­li­che Mass­nah­men bei der pau­lia­ni­schen Anfech­tung. R.Z. war Eigen­tü­mer ver­schie­de­ner Gesell­schaf­ten, wel­che die sog. Z.-Gruppe bil­de­ten. Nach dem finan­zi­el­len Zusam­men­bruch der Grup­pe wur­de auch über R.Z. als Pri­vat­per­son der Kon­kurs eröff­net. Vor der Kon­kurs­er­öff­nung hat­te R.Z. zahl­rei­che Ver­mö­gens­wer­te auf sei­ne Lebens­part­ne­rin und sei­ne bei­den Söh­ne über­tra­gen, u.a. 54’100 Akti­en der T. Hol­dings Inc. auf sei­ne Lebens­part­ne­rin sowie 500 Akti­en der U. Immo­bi­li­en AG an die bei­den (damals rund ein­jäh­ri­gen) Söh­ne. Ver­wal­tungs­rä­te der U. Immo­bi­li­en AG sind R.Z. und S.Z. (der Bru­der von R.Z.).

Zahl­rei­che Gläu­bi­ger erho­ben in der Fol­ge Anfech­tungs­kla­ge und ver­lang­ten die Voll­streckung in ver­schie­de­ne Ver­mö­gens­wer­te, so u.a. die Ver­wer­tung der auf die Söh­ne über­tra­ge­nen Akti­en der U. Immo­bi­li­en AG und der auf die Lebens­part­ne­rin über­tra­ge­nen Akti­en der T. Hol­dings Inc. Auf Begeh­ren der Gläu­bi­ger erliess das Bezirks­ge­richt als vor­sorg­li­che Mass­nah­me diver­se Ver­fü­gungs­be­schrän­kun­gen, Ver­äu­sse­rungs­ver­bo­te und Her­aus­ga­be­be­feh­le, u.a. die Vor­mer­kung einer Ver­fü­gungs­be­schrän­kung und Anmer­kung einer Kanz­lei­sper­re betref­fend acht Lie­gen­schaf­ten der U. Immo­bi­li­en AG sowie die Sper­re eines auf die Staats­an­walt­schaft lau­ten­den Kon­tos bei der Bank W. betref­fend Erlös aus dem Ver­kauf der T. Hol­dings Inc.

Das Bun­des­ge­richt hielt zunächst fest, dass die vor­sorg­li­che Ein­tra­gung von Ver­fü­gungs­be­schrän­kun­gen und Grund­buch­sper­ren für diver­se im Eigen­tum der U. Immo­bi­li­en AG ste­hen­de Grund­stücke jeden­falls in der vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on kei­nen nicht wie­der gut­zu­ma­chen­den Nach­teil begrün­de. Es argu­men­tier­te, dass bei einem für die Beschwer­de­füh­rer gün­sti­gen Aus­gang des Haupt­ver­fah­rens die vor­sorg­li­chen Mass­nah­men dahin­fal­len wür­den, wes­halb kein Nach­teil ersicht­lich sei, der sich mit einem spä­te­ren gün­sti­gen End­ent­scheid nicht besei­ti­gen lie­sse. Ins­be­son­de­re wer­de auch nicht gel­tend gemacht, dass der Geschäfts­gang in näch­ster Zeit die Ver­äu­sse­rung oder Bela­stung von Grund­stücken not­wen­dig machen wür­de. Man­gels eines nicht wie­der gut­zu­ma­chen­den Nach­teils wur­de daher auf die Beschwer­de nicht ein­ge­tre­ten, soweit sie die Grund­stücke der U. Immo­bi­li­en AG betraf.

Ergän­zend wies das Bun­des­ge­richt zudem dar­auf hin, dass die Beschwer­de auch in mate­ri­el­ler Hin­sicht abzu­wei­sen wäre. Die Beschwer­de­füh­rer mach­ten zwar u.a. gel­tend, dass sich die vor­sorg­li­chen Mass­nah­men gegen Drit­te (näm­lich die U. Immo­bi­li­en AG) rich­te, und dass kei­ne Gefahr der Ver­äu­sse­rung von Grund­stücken bestehe. Das Bun­des­ge­richt hielt jedoch fest:

„Soweit die Anfech­tungs­kla­ge auf eine “Rück­ga­be in natu­ra” gerich­tet ist, indem das Anfech­tungs­ob­jekt der Zwangs­voll­streckung zuge­führt wer­den soll […], sind vor­sorg­li­che Mass­nah­men zur Siche­rung der Real­voll­streckung auf der Grund­la­ge des für den Anfech­tungs­pro­zess anwend­ba­ren Zivil­pro­zess­rechts mög­lich […]. Bei Grund­stücken geschieht dies durch eine auf Art. 262 lit. b ZPO gestütz­te Ver­fü­gungs­be­schrän­kung oder Grund­buch­sper­re […]. Vor­lie­gend sol­len indes nicht die Grund­stücke der U. Immo­bi­li­en AG, son­dern viel­mehr die­se selbst bzw. die vom kon­kur­si­ten R.Z. auf sei­ne Söh­ne über­tra­ge­nen Akti­en der Zwangs­voll­streckung zuge­führt wer­den. Zwar könn­te sich eine Anord­nung gestützt auf Art. 262 lit. c ZPO nach dem aus­drück­li­chen Geset­zes­wort­laut auch gegen Drit­te rich­ten. Die Vor­mer­kung einer Ver­fü­gungs­be­schrän­kung gemäss Art. 960 Abs. 1 lit. a ZGB kann aber ein­zig der Siche­rung strei­ti­ger oder voll­zieh­ba­rer Ansprü­che die­nen. Unter sol­chen sind Ansprü­che obli­ga­to­ri­scher Natur zu ver­ste­hen, die sich auf das betref­fen­de Grund­stück selbst bezie­hen und die sich, wenn end­gül­tig aner­kannt, grund­buch­lich aus­wir­ken […]. Sowohl das Anfech­tungs­ur­teil als auch die dadurch ange­streb­te Zwangs­voll­streckung in die Akti­en sind grund­buch­neu­tral. Die Anord­nung der Vor­mer­kung einer Ver­fü­gungs­be­schrän­kung im Sinn von Art. 960 Abs. 1 lit. a ZGB wäre des­halb nicht mög­lich. Hin­ge­gen scheint die par­al­lel ange­ord­ne­te Grund­buch­sper­re, wel­che im Grund­buch ange­merkt wird […], durch­aus statt­haft. Der Wert einer Immo­bi­li­en­ge­sell­schaft bzw. die Wert­hal­tig­keit der Akti­en bestimmt sich näm­lich in mass­geb­li­cher Wei­se anhand des Wer­tes der in ihrem Eigen­tum ste­hen­den Lie­gen­schaf­ten und deren Ver­äu­sse­rung oder Bela­stung wür­de mut­mass­lich direkt auf den erziel­ba­ren Ver­wer­tungs­er­lös für die Gesell­schaft durch­schla­gen. Die Ver­äu­sse­rung der Lie­gen­schaf­ten wür­de einer Aus­höh­lung der Gesell­schaft gleich­kom­men und im Extrem­fall wür­de nur ein blo­sser Akti­en­man­tel übrig blei­ben, wel­cher der Zwangs­voll­streckung zuge­führt wer­den könn­te. Die Anord­nung einer Grund­buch­sper­re hin­sicht­lich der Grund­stücke zur Auf­recht­erhal­tung des inne­ren Wer­tes der Akti­en einer Immo­bi­li­en­ge­sell­schaft erscheint des­halb zuläs­sig, soweit die Vor­aus­set­zun­gen von Art. 261 und 262 ZPO […] glaub­haft gemacht sind.“ 

Das Bun­des­ge­richt kam zum Schluss, dass die Gefahr einer Aus­höh­lung der Gesell­schaft glaub­haft sei und hielt dafür, dass jeden­falls die Kanz­lei­sper­ren recht­mä­ssig sei­en.

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.