In die­sem Ent­scheid muss­te das Bun­des­ge­richt die Sta­tu­ten einer Akti­en­ge­sell­schaft aus­le­gen, wel­che die Amts­dau­er ihrer Ver­wal­tungs­rä­te auf ein Jahr fest­leg­te. Die streit­ge­gen­ständ­li­che Sta­tu­ten­be­stim­mung hielt zudem fest (E. A): 

“Les mem­bres du Con­seil d’administration restent en fonc­tion jusqu’à ce que l’assemblée géné­ra­le ait pro­cédé à une nou­vel­le élec­tion ou qu’elle les ait recon­du­its dans leur fonc­tion.”

Ein Streit zwi­schen den Aktio­nä­ren der Gesell­schaft (bei­de “Lager” hiel­ten ins­ge­samt je 50 % der Akti­en) hat­te zur Fol­ge, dass an der ordent­li­chen Gene­ral­ver­samm­lung unter ande­rem kei­ner der bis­he­ri­gen Ver­wal­tungs­rä­te wie­der­ge­wählt und eben­so kein neu­er Ver­wal­tungs­rat gewählt wur­de. Strit­tig war im Anschluss, ob damit ein Orga­ni­sa­ti­ons­man­gel im Sin­ne von Art. 731b OR vor­lag.

Nach­dem das Bun­des­ge­richt an die Grund­sät­ze zur Aus­le­gung von Sta­tu­ten­be­stim­mun­gen erin­ner­te (E. 2.3), hielt es mit Bezug auf die frag­li­che Sta­tu­ten­be­stim­mung fest, dass das Ver­wal­tungs­rats­man­dat nicht erst mit der tat­säch­li­chen Wie­der- bzw. Neu­wahl endet. Viel­mehr endet das Man­dat mit einer tat­säch­lich vor­ge­nom­me­nen Wahl der Ver­wal­tungs­rats­mit­glie­der, unab­hän­gig von deren Ergeb­nis (E. 2.4):

“la clau­se n’exige pas l’élection effec­tive de nou­veaux admi­ni­stra­teurs, qui rem­pla­ce­rai­ent ceux alors en fonc­tion; ain­si, le simp­le fait de pro­cé­der à une nou­vel­le élec­tion (indé­pen­dam­ment du résul­tat obtenu) devant l’assemblée géné­ra­le paraît suf­fire pour mett­re un ter­me au man­dat de ces der­niers.”

Ent­schei­dend ist — so das Bun­des­ge­richt wei­ter — somit ein­zig, dass die Gene­ral­ver­samm­lung gül­tig ein­be­ru­fen wur­de, dass die Wie­der- bzw. Neu­wahl des Ver­wal­tungs­rats ord­nungs­ge­mäss trak­tan­diert wur­de und dass die Aktio­nä­re über die­ses Trak­tan­dum tat­säch­lich abstimm­ten (E. 2.5). Indem kein bis­he­ri­ges Ver­wal­tungs­rats­mit­glied oder neue Per­son eine Stim­men­mehr­heit auf sich ver­ei­nen konn­te, habe die Gene­ral­ver­samm­lung ihren Wil­len bei der Kon­sti­tu­ie­rung der Orga­ne zum Aus­druck gebracht, näm­lich kei­nen Ver­wal­tungs­rat zu wäh­len. Die­sen Wil­len gel­te es zu respek­tie­ren. Anders zu ent­schei­den stellt eine Ver­let­zung der unüber­trag­ba­ren Befug­nis­se der Gene­ral­ver­samm­lung gemäss Art. 698 Abs. 2 Ziff. 2 OR dar (E. 2.6):

“Si l’on admet­t­ait la vali­dité d’une clau­se sta­tu­taire pré­voyant dans ce cas de figu­re une réélec­tion auto­ma­tique des admi­ni­stra­teurs, elle n’aurait pas seu­le­ment pour effet de pro­lon­ger taci­te­ment le man­dat des admi­ni­stra­teurs, mais bien de fai­re obsta­cle à la volon­té expri­mée par l’assemblée géné­ra­le. Autre­ment dit, elle rest­rein­drait le droit (ina­lién­able) de l’assemblée géné­ra­le de nom­mer les mem­bres du con­seil d’administration, ce qui n’est pas admis­si­ble (…).” 

Martin Rauber

Posted by Martin Rauber

RA Dr. Martin Rauber, LL.M, arbeitet als Rechtsanwalt bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Zuvor wirkte er als juristischer Sekretär am Bezirksgericht Horgen, wo er heute als nebenamtlicher Ersatzrichter im Einsatz steht. Er studierte an der Universität Freiburg i.Ue., der Université Libre de Bruxelles sowie an der University of Edinburgh (LL.M. Commercial Law).