Das vor­lie­gen­de Urteil betrifft die Über­tra­gung eines Miet­ver­hält­nis­ses (OR 263). Strit­tig war die Fra­ge, ob Abs. 4 die­ser Bestim­mung eine ech­te Soli­dar­schuld i.S.v. OR 143 ff. anord­net oder doch eine sub­si­diä­re Haf­tung des über­tra­gen­den Mie­ters für den Fall, dass der erwer­ben­de Mie­ter nicht lei­ste.

Das BGer bejaht, dass OR 263 IV eine ech­te Soli­da­ri­tät anord­net, aus fol­gen­den Grün­den:

  • Die miet­recht­li­che Lite­ra­tur geht, so das BGer, i.d.R. davon aus, dass OR 263 IV eine Soli­dar­schuld nach OR 143 ff. begrün­de. 
  • Eine gram­ma­ti­ka­li­sche Aus­le­gung von OR 263 IV spricht für das glei­che Ergeb­nis (“soli­da­risch”).
  • In syste­ma­ti­scher Hin­sicht ist zu beach­ten, dass in ähn­li­chen Kon­stel­la­tio­nen ähn­li­che Anord­nun­gen gel­ten (z.B. in OR 181 II), und hier hat das BGer bereits ech­te Soli­da­ri­tät ange­nom­men (BGE 126 III 375);
  • teleo­lo­gisch spricht das Schutz­be­dürf­nis des Ver­mie­ters, der sich die Über­tra­gung der Mie­te gefal­len las­sen muss, für Soli­da­ri­tät.

Der Ver­mie­ter kann daher gegen den über­tra­gen­den Mie­ter vor­ge­hen, “ohne hin­sicht­lich der Miet­zins- und Neben­ko­sten­aus­stän­de zunächst die über­neh­men­de Mie­te­rin — mit­tels Kla­ge oder Betrei­bung — in Anspruch neh­men zu müs­sen”.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.