Im vor­lie­gen­den Urteil hat­te das Bun­des­ge­richt zu ent­schei­den, ob das Han­dels­ge­richt für die Beur­tei­lung einer Wider­spruchs­kla­ge nach Art. 108 SchKG sach­lich zustän­dig ist.

Die Beschwer­de­füh­re­rin hat­te Betrei­bung gegen die A. Ltd. ein­ge­lei­tet und das Betrei­bungs­amt hat­te in der Fol­ge Ver­mö­gens­wer­te im Schät­zungs­wert von rund Fr. 22 Mio. gepfän­det. Die Beschwer­de­geg­ne­rin hat­te als Dritt­an­spre­che­rin Pfand­rech­te an den gepfän­de­ten Ver­mö­gens­wer­ten gel­tend gemacht. Mit Kla­ge an das Han­dels­ge­richt Zürich hat­te die Beschwer­de­füh­re­rin ver­langt, das Betrei­bungs- und Pfän­dungs­ver­fah­ren ohne Rück­sicht auf die von der Beschwer­de­geg­ne­rin bean­spruch­ten Rech­te wei­ter­zu­füh­ren bzw. die von der Beschwer­de­geg­ne­rin gel­tend gemach­ten Pfandan­sprü­che gemäss Art. 108 Abs. 1 SchKG abzu­er­ken­nen. Das Han­dels­ge­richt war auf die Kla­ge nicht ein­ge­tre­ten.

Das Bun­des­ge­richt hielt zunächst fest, dass sich in der dem Han­dels­ge­richt vor­ge­leg­ten Wider­spruchs­kla­ge nach Art. 108 Abs. 1 SchKG die Gläu­bi­ge­rin / Beschwer­de­füh­re­rin als Klä­ge­rin und die Dritt­an­spre­che­rin / Beschwer­de­geg­ne­rin als Beklag­te gegen­über stün­den. Es hand­le sich um eine betrei­bungs­recht­li­che Strei­tig­keit mit Reflex­wir­kung auf das mate­ri­el­le Recht (E. 2.). Umstrit­ten war, ob die Wider­spruchs­kla­ge von der Mate­rie her han­dels­recht­li­cher Natur ist bzw. mit der geschäft­li­chen Tätig­keit einer Par­tei zusam­men­hängt (E. 2.1.). Das Bun­des­ge­richt erwog mit Blick auf § 24 lit. b GOG/ZH, dass der Begriff der „han­dels­recht­li­chen Strei­tig­keit“ ein Begriff des Bun­des­rechts sei, und dass die­je­ni­gen Kan­to­ne, wel­che ein Han­dels­ge­richt geschaf­fen hät­ten, die han­dels­ge­richt­li­che Zustän­dig­keit gemäss Art. 6 Abs. 2 ZPO nicht ein­schrän­ken könn­ten (E. 2.2.). Danach leg­te das Bun­des­ge­richt Art. 6 Abs. 2 lit. a ZPO aus und fand, dass der Wort­laut sehr weit gefasst sei (E. 2.3.1.). Für eine den Wort­laut ein­schrän­ken­de Inter­pre­ta­ti­on spra­chen jedoch die Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te (E. 2.3.2.) sowie syste­ma­ti­sche und sach­li­che Grün­de (E. 2.3.3.). Schliess­lich fol­ger­te das Bun­des­ge­richt, dass das Han­dels­ge­richt grund­sätz­lich sach­lich nicht zustän­dig ist, die vor­lie­gen­de Wider­spruchs­kla­ge zu beur­tei­len (E. 2.3.4.).

Das Bun­des­ge­richt ver­warf fer­ner das Argu­ment der Beschwer­de­füh­re­rin, dass das Han­dels­ge­richt — auch bei grund­sätz­lich feh­len­der Zustän­dig­keit — auf­grund einer Ein­las­sung der Beschwer­de­geg­ne­rin zustän­dig gewor­den sei, mit dem Hin­weis, dass die sach­li­che Zustän­dig­keit der Gerich­te der Par­tei­dis­po­si­ti­on grund­sätz­lich ent­zo­gen sei (E. 2.4.):

„Was die Ein­las­sung betrifft, so ergibt sich der gesetz­ge­be­ri­sche Wil­le, die­se aus­zu­schlie­ssen, unmit­tel­bar aus den Mate­ria­li­en: Im Vor­ent­wurf zur ZPO war die Mög­lich­keit der Ein­las­sung noch ent­hal­ten […] Wie sich aus der Bot­schaft ergibt, wur­de die­se Bestim­mung bewusst gestri­chen und soll­te die Ein­las­sung gene­rell unzu­läs­sig sein […] Dem­ge­mäss ist auch die Leh­re prak­tisch ein­hel­lig der Ansicht, dass eine Ein­las­sung vor dem sach­lich unzu­stän­di­gen Han­dels­ge­richt aus­ge­schlos­sen ist […]“ 

Auch der von der Beschwer­de­füh­re­rin ange­ru­fe­ne § 126 Abs. 2 GOG/ZH, wonach die beklag­te Par­tei die Ein­re­de der feh­len­den sach­li­chen Zustän­dig­keit spä­te­stens mit der Kla­ge­ant­wort erhe­ben muss, half nicht: 

„Wie bereits gesagt, ergibt sich die sach­li­che Zustän­dig­keit des Han­dels­ge­richts jedoch aus Bun­des­recht, sofern ein Kan­ton ein Han­dels­ge­richt ein­rich­tet […] Eine Aus­deh­nung die­ser Zustän­dig­keit ist eben­falls nur im Rah­men des Bun­des­rechts mög­lich (vgl. Art. 6 Abs. 4 ZPO). Eine Ein­las­sung vor dem sach­lich unzu­stän­di­gen Han­dels­ge­richt ist von Bun­des­rechts wegen aus­ge­schlos­sen. Soweit § 126 Abs. 2 GOG/ZH Gegen­tei­li­ges vor­sieht, erweist er sich als bun­des­rechts­wid­rig.“

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.