Im vor­lie­gen­den Ent­scheid muss­te sich das Bun­des­ge­richt mit der Aner­ken­nung
eines bra­si­lia­ni­schen Gerichts­ent­schei­des, wel­cher der Bestä­ti­gung eines Nach­lass­ver­tra­ges
ent­spricht, aus­ein­an­der­set­zen.

Ein Gläu­bi­ger hat­te in der Schweiz Arrest legen las­sen auf Ver­mö­gens­wer­te
der Schuld­ne­rin, einer Akti­en­ge­sell­schaft mit Sitz in Sao Pau­lo (Bra­si­li­en), und
zwar gestützt auf Ent­schei­de eines Gerichts in New York und vor Ein­lei­tung des
Ver­fah­rens um Aner­ken­nung des Nach­lass­ver­tra­ges. Das Bun­des­ge­richt hielt in
einem ersten Schritt fest, dass sich die Schuld­ne­rin zwar im Kon­kurs befin­de,
die­ser jedoch im Aus­land aus­ge­spro­chen wor­den sei und daher in der Schweiz erst
mit der Aner­ken­nung der Kon­kurs­er­öff­nung Wir­kung ent­fal­te. Da im vor­lie­gen­den
Fall der Kon­kurs noch nicht aner­kannt wor­den war, war die­ser nicht zu
berück­sich­ti­gen (E. 3.2.1).

In einem zwei­ten Schritt führ­te das Bun­des­ge­richt aus, dass die von einer
aus­län­di­schen Behör­de aus­ge­spro­che­ne Geneh­mi­gung eines Nach­lass­ver­tra­ges gemäss
Art. 175 IPRG ana­log den Regeln von Art. 166 bis 170 IPRG anzu­er­ken­nen sei.
Über­lässt ein aus­län­di­scher Schuld­ner sei­nen Gläu­bi­gern Ver­mö­gens­wer­te in der
Schweiz, muss nur dann ein sepa­ra­tes Hilfs-Nach­lass­ver­fah­ren in der Schweiz
durch­ge­führt wer­den, wenn ent­we­der Pfand­gläu­bi­ger vor­han­den sind, deren
Pfand­ob­jek­te sich in der Schweiz befin­den, oder wenn pri­vi­le­gier­te Gläu­bi­ger
ihren Wohn­sitz in der Schweiz haben (Art. 172 Abs. 1 IPRG). Sind die­se Vor­aus­set­zun­gen
nicht erfüllt, ist in der Schweiz kein sepa­ra­tes Hilfs-Nach­lass­ver­fah­ren
durch­zu­füh­ren (E. 4.2).

Wur­de in der Schweiz vor dem Aner­ken­nungs­ver­fah­ren betref­fend eines
aus­län­di­schen Nach­lass­ver­tra­ges bereits Arrest auf Ver­mö­gens­wer­te des Schuld­ners
gelegt, so ist es nicht Sache des Aner­ken­nungs­ge­richts, fest­zu­stel­len, wem die
ver­ar­re­stier­ten Ver­mö­gens­wer­te zuste­hen. Viel­mehr kann der Nach­lass­ver­wal­ter mit­tels Beschwer­de gemäss Art. 17 ff. SchKG die Arrest­le­gung
angrei­fen. Es ist dann Auf­ga­be der Zwangs­voll­streckungs­or­ga­ne, dar­über zu
ent­schei­den, ob die betref­fen­den Ver­mö­gens­wer­te in die Nach­lass­mas­se fal­len oder dem Arrest­gläu­bi­ger zuste­hen (E. 4.3).

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.