Die Gemein­de Rudolf­stet­ten war zur Durch­füh­rung der beruf­li­chen Vor­sor­ge ihres Per­so­nals der Aar­gaui­schen Pen­si­ons­kas­se (APK) ange­schlos­sen. Im Sep­tem­ber 2007 kün­dig­te sie das Anschluss­ver­hält­nis auf den 31. Dezem­ber 2007. Im Juni 2009 infor­mier­te die APK die Gemein­de über ihre Nach­schuss­pflicht und stell­te eine For­de­rung von gerun­det CHF 1.1 Mio. Zur Bestim­mung des Betra­ges hat­te die APK den ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Fehl­be­trag und den APK-Deckungs­grad berück­sich­tigt. Die Gemein­de wei­ger­te sich, den gefor­der­ten Betrag zu bezah­len.

Das Ver­si­che­rungs­ge­richt des Kan­tons Aar­gau wies die Kla­ge der APK weit­ge­hend ab und sprach ihr ledig­lich gerun­det CHF 0.1 Mio. zu. Das Bun­des­ge­richt hiess die gegen die­sen Ent­scheid erho­be­ne Beschwer­de teil­wei­se gut und ver­ur­teil­te die Gemein­de zur Zah­lung von gerun­det CHF 1.1 Mio. nebst Zins (Urteil 9C_23/2014 vom 8. Juli 2014). 

Dass eine Nach­schuss­pflicht bestand war zwi­schen den Par­tei­en unbe­strit­ten. Umstrit­ten war jedoch die Berech­nung der Nach­schuss­for­de­rung. Das Bun­des­ge­richt hat­te in die­sem Zusam­men­hang ins­be­son­de­re die Fra­ge zu beant­wor­ten, ob der APK-Deckungs­grad von 73,9 % oder der BVG-Deckungs­grad von 90,0 % mass­ge­bend war bzw. ob die Wert­schwan­kungs­re­ser­ve bei der Berech­nung des Deckungs­gra­des in Form zusätz­li­chen Deckungs­ka­pi­tals zu berück­sich­ti­gen war. Anders aus­ge­drückt war zu ent­schei­den, ob sich die Gemein­de am ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Fehl­be­trag oder ledig­lich an der Unter­deckung gemäss Art. 44 BVV 2 zu betei­li­gen hat­te (vgl. zum Gan­zen E. 2.2).

Das Bun­des­ge­richt gelang­te nach aus­führ­li­chen Erwä­gun­gen und Aus­le­gung der Anschluss­ver­ein­ba­rung zum Schluss, dass die Gemein­de eine Betei­li­gung am ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Fehl­be­trag zu lei­sten hat­te (E. 4–6). Das Bun­des­ge­richt erwog ins­be­son­de­re das Fol­gen­de (E. 6.2):

Nach Ziff. 6 der Anschluss­ver­ein­ba­rung vom 22. August/3. Okto­ber 1994
ver­pflich­tet sich der Arbeit­ge­ber, “im Fal­le eines Kol­lek­tiv-Aus­tritts
(…) den in der geschul­de­ten Aus­tritts­lei­stung der Kas­se ent­hal­te­nen
ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Fehl­be­trag (…) zurück­zu­er­stat­ten”. Soweit
auf­grund des Zusat­zes “in der geschul­de­ten Aus­tritts­lei­stung (…)
ent­hal­ten” unklar sein könn­te, was unter dem ver­si­che­rungs­tech­ni­schen
Fehl­be­trag zu ver­ste­hen ist, schafft das bei der Aus­le­gung von Ziff. 6
der Anschluss­ver­ein­ba­rung nach dem Ver­trau­ens­prin­zip (Urteil 9C_554/2011
vom 12. Sep­tem­ber 2011 E. 3.1, in SVR 2012 BVG Nr. 8 S. 34; BGE 120 V 448
E. 5a S. 452) eben­falls zu beach­ten­de Begleit­schrei­ben vom 25. Juli
1994 Klar­heit. Dar­in wur­de aus­drück­lich fest­ge­hal­ten, per Ende 1993
bestehe ein Deckungs­grad von 73,8 %, d.h. 73,8 % der zu erbrin­gen­den
Ver­si­che­rungs­lei­stun­gen sind direkt durch das vor­han­de­ne Deckungs­ka­pi­tal
sicher­ge­stellt. Die rest­li­chen 26,2 % wür­den als
ver­si­che­rungs­tech­ni­scher Fehl­be­trag bezeich­net, was nichts ande­res
bedeu­te, als dass 26,2 % der zu erbrin­gen­den Ver­si­che­rungs­lei­stun­gen im
Umla­ge­ver­fah­ren auf­ge­bracht wür­den. Der Deckungs­grad von 73,8 % in der
Jah­res­rech­nung 1993 war ohne Auf­lö­sung der Wert­schwan­kungs­re­ser­ven
berech­net wor­den, wie aus die­ser leicht ersicht­lich ist. Die spä­ter
erlas­se­nen Regle­men­te
, ins­be­son­de­re die­je­ni­gen vom 6. Dezem­ber 1995/19.
März 1997 über den Aus­tritt ange­schlos­se­ner Arbeit­ge­ber und vom 24.
April 2002 über den Anschluss und Aus­tritt von Arbeit­ge­ben­den gin­gen
gemäss Vor­in­stanz klar und über­ein­stim­mend von die­sem
Begriffs­ver­ständ­nis aus, wobei seit 2003 die Bezeich­nung
APK-Deckungs­grad im Unter­schied zum BVG-Deckungs­grad nach Art. 44 BVV 2
ver­wen­det wur­de. Die­se Regle­men­te blie­ben unbe­strit­ten und wur­den daher
gestützt auf den Ände­rungs­vor­be­halt in Ziff. 2 der
Anschluss­ver­ein­ba­rung (“Die gegen­wär­tig und zukünf­tig gel­ten­den Sta­tu­ten
und Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen sowie all­fäl­li­ge wei­te­re Regle­men­te und
Wei­sun­gen der Kas­se wer­den ein­schliess­lich dar­aus fol­gen­den,
nach­träg­lich erwei­ter­ten Rech­ten und Pflich­ten aus­drück­lich aner­kannt”)
für die Beschwer­de­geg­ne­rin ver­bind­li­cher Bestand­teil der
vor­sor­ge­recht­li­chen Rechts­be­zie­hun­gen mit der Beschwer­de­füh­re­rin (Urteil
des Bun­des­ge­richts 2A.609/2004 vom 13. Mai 2005 E. 2.3; Urteil des
Eidg. Ver­si­che­rungs­ge­richts B 20/97 vom 24. August 1999 E. 5c, in: SVR
2000 BVG Nr. 1 S. 1; vgl. auch BBl 2003 6409 oben; fer­ner Kurt C.
Schwei­zer, Ver­trags­recht­li­che Gedan­ken zur Änder­bar­keit von Vor­sor­ge–
und Anschluss­ver­hält­nis­sen, in: Beruf­li­che Vor­sor­ge, Stell­werk der
Sozia­len Sicher­heit [Dr. iur. Her­mann Wal­ser zum 70. Geburts­tag], 2013,
S. 221 ff.). Die Beschwer­de­geg­ne­rin bestrei­tet die­ses
Aus­le­gungs­er­geb­nis, wobei sie jedoch den Inhalt des Begleit­schrei­bens
vom 25. Juli 1994 nicht erwähnt und den Text des Ände­rungs­vor­be­halts nur
unvoll­stän­dig wie­der­gibt.

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).