Die A. AG ist im Bereich der Anla­ge­be­ra­tung und Ver­mö­gens­ver­wal­tung tätig. Sie stell­te beim Bezirks­ge­richt Zürich gestützt auf das DSG und das ZGB ein Begeh­ren um vor­sorg­li­che Mass­nah­men und bean­trag­te, es sei der Bank B. AG unter Straf­an­dro­hung mit sofor­ti­ger Wir­kung zu ver­bie­ten, dem U.S. Depart­ment of Justi­ce Per­so­nen­da­ten der A. AG oder deren Part­ner und Mit­ar­bei­ter zu über­mit­teln (Urteil 4A_239/2014 vom 2. Juli 2014).

Das Bezirks­ge­richt Zürich trat auf das Gesuch man­gels sach­li­cher Zustän­dig­keit nicht ein. Die dage­gen erho­be­ne Beru­fung wies das Ober­ge­richt ab. Das Bun­des­ge­richt schütz­te den ange­foch­te­nen Ent­scheid.

Zu ent­schei­den war, ob ein ver­mö­gens­recht­li­cher Streit mit einem genü­gend hohen Streit­wert für eine Beschwer­de ans Bun­des­ge­richt vor­lag. Die kan­to­na­len Gerich­te bejah­ten den ver­mö­gens­recht­li­chen Cha­rak­ter der Strei­tig­keit und bejah­ten damit die Zustän­dig­keit des Han­dels­ge­richts Zürich gestützt auf Art. 6 Abs. 2 ZPO. Das Bun­des­ge­richt hielt die vor­in­stanz­li­chen Erwä­gun­gen nicht für will­kür­lich (E. 2.1–2.4):

“2.1. Die Vor­in­stanz hat die sach­li­che Zustän­dig­keit des Han­dels­ge­richts bejaht und damit ihre eige­ne ver­neint. Sie hat dies haupt­säch­lich damit begrün­det, (auch) die Vor­aus­set­zun­gen von Art. 6 Abs. 2 lit. b ZPO und § 44 lit. b GOG sei­en erfüllt, da ent­ge­gen der Ansicht der Beschwer­de­füh­re­rin ein ver­mö­gens­recht­li­cher Streit mit einem Streit­wert von min­de­stens Fr. 30’000.– vor­lie­ge. Zwar wür­den Per­sön­lich­keits­an­sprü­che im Sin­ne des Daten­schutz­ge­set­zes als sol­che nicht als ver­mö­gens­recht­lich gel­ten. Dage­gen könn­ten Begeh­ren auf Her­aus­ga­be von Daten nicht unbe­se­hen von ihrer Art als nicht ver­mö­gens­recht­lich qua­li­fi­ziert wer­den. Im vor­lie­gen­den Fall lege zwar die Beschwer­de­füh­re­rin die Nach­tei­le nicht sub­stan­zi­iert dar, wel­che die Daten­her­aus­ga­be für sie hät­te, aber es gehe aus der Schil­de­rung her­vor, dass es ihr pri­mär dar­um gehe, nicht in Ver­fah­ren von US-Behör­den ein­be­zo­gen zu wer­den und dadurch geschäft­li­chen Scha­den zu erlei­den. Es gehe somit nicht um den Schutz der Per­sön­lich­keit, son­dern um die Ver­mei­dung unnö­ti­ger Kosten und wirt­schaft­li­cher Nach­tei­le, wes­halb die Beschwer­de­füh­re­rin einen ver­mö­gens­recht­li­chen Zweck ver­fol­ge. 

[…]

2.3. Nach kon­stan­ter Pra­xis sind als nicht ver­mö­gens­recht­lich Strei­tig­kei­ten über Rech­te zu betrach­ten, die ihrer Natur nach nicht in Geld geschätzt wer­den kön­nen (BGE 139 II 404 E. 12.1 S. 448; 108 II 77 E. 1a S. 78). Es muss sich um Rech­te han­deln, die weder zum Ver­mö­gen einer Per­son gehö­ren noch mit einem ver­mö­gens­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis eng ver­bun­den sind. Dass die genaue Berech­nung des Streit­wer­tes nicht mög­lich oder des­sen Schät­zung schwie­rig ist, genügt nicht, um eine Streit­sa­che als eine sol­che nicht ver­mö­gens­recht­li­cher Natur erschei­nen zu las­sen. Mass­ge­bend ist, ob mit der Kla­ge letzt­lich und über­wie­gend ein wirt­schaft­li­cher Zweck ver­folgt wird (BGE 139 II 404 E. 12.1 S. 448; 118 II 528 E. 2c S. 531). Ist dies der Fall, liegt eine ver­mö­gens­recht­li­che Strei­tig­keit vor (BGE 139 II 404 E. 12.1 S. 448; 135 III 578 E. 66.3 S. 581, je mit Hin­wei­sen).

2.4. […] Die Vor­in­stanz konn­te ohne Ver­let­zung ver­fas­sungs­mä­ssi­ger Rech­te anneh­men, es gehe der Beschwer­de­füh­re­rin nicht um den Schutz ihrer Per­sön­lich­keit, son­dern um den Schutz ihres Ver­mö­gens, zumal selbst ein Repu­ta­ti­ons­ver­lust letzt­lich zu einem Scha­den in ihrem Anla­ge­be­ra­tungs- und Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ge­schäft füh­ren wür­de. Ent­ge­gen der Ansicht der Beschwer­de­füh­re­rin erweist sich die vor­in­stanz­li­che Erwä­gung, bei gewinn­ori­en­tier­ten juri­sti­schen Per­so­nen wür­den die Ver­mö­gens­in­ter­es­sen in der Regel über­wie­gen, nicht als will­kür­lich.”

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).