Die vor­lie­gen­de Aus­ein­an­der­set­zung betraf die Fra­ge, wel­cher von zwei Par­tei­en drei Patent­an­mel­dun­gen — wohl für das Nes­pres­so-System — zuste­hen. Grund­la­ge war ein Tref­fen zwi­schen den Ver­tre­tern der bei­den Par­tei­en in Hong Kong, bei dem nach Dar­stel­lung einer der Par­tei­en jeweils eine Anmel­dung jeweils einer Par­tei zuge­teilt wor­den war. Die Gegen­par­tei und Inha­be­rin der strit­ti­gen Patent­an­mel­dun­gen bestritt, dass beim frag­li­chen Tref­fe über­haupt eine Ver­ein­ba­rung zustan­de­ge­kom­men war.

Strit­tig war das anwend­ba­re Recht. Nach dem HGer BE als Vor­in­stanz unter­steht das Zustan­de­kom­men eines Ver­trags der lex cau­sae, die hier — ohne Rechts­wahl — nach IPRG 117 zu bestim­men sei (eng­ster Zusam­men­hang). Der eng­ste Zusam­men­hang bestehe auf­grund des ter­ri­to­ria­len Schutz­be­reichs der Patent­an­mel­dun­gen mit der Schweiz, weil für alle drei Anmel­dun­gen Schutz auf dem Gebiet der Schweiz bean­tragt wer­de, jedoch nur für zwei Anmel­dun­gen auch Schutz in Chi­na bzw. Hong­kong.

Dem wider­sprach die (poten­ti­ell über­tra­gen­de) Gegen­par­tei der Par­tei­en: Da kei­ne cha­rak­te­ri­sti­sche Lei­stung aus­zu­ma­chen sei und kaum Indi­zi­en für die Wahl des anwend­ba­ren Rechts ersicht­lich sei­en, müs­se auf den Ort abge­stellt wer­den, an dem über meh­re­re Tage ver­han­delt wor­den sei, so dass das Recht von Hong­kong anwend­bar sei.

Das BGer schützt die Beschwer­de im Ergeb­nis, wen auch nicht in der Begrün­dung. Anwend­bar sei das Recht von Hong Kong nach IPRG 122 als das Recht am Sitz der (bei Beja­hung des Ver­trags) über­tra­gen­den Par­tei:

2.4. Mit dem von den Par­tei­en in Hong­kong allen­falls abge­schlos­se­nen Ver­trag soll­te die Fra­ge der Über­tra­gung von drei Patent­an­mel­dun­gen gere­gelt wer­den, als deren Inha­ber jeweils die Beschwer­de­geg­ne­rin ange­ge­ben war. Patent­an­mel­dun­gen stel­len Imma­te­ri­al­gü­ter­rech­te i.S.v. Art. 122 IPRG dar. Da vor­lie­gend umstrit­ten ist, ob ein Ver­trag zwi­schen den Par­tei­en zustan­de gekom­men ist und gege­be­nen­falls mit wel­chem Inhalt, ist das Ver­trags­sta­tut nach Art. 122 IPRG und nicht das Imma­te­ri­al­gü­ter­sta­tut nach Art. 110 IPRG anwend­bar. Anwend­bar ist mit­hin das Recht des Staa­tes, in dem die Beschwer­de­geg­ne­rin als die das Imma­te­ri­al­gü­ter­recht allen­falls über­tra­gen­de Par­tei ihren Sitz hat. Die Beschwer­de­geg­ne­rin hat und hat­te auch im Zeit­punkt des all­fäl­li­gen Ver­trags­schlus­ses ihren Sitz in Hong­kong. Damit ist nach Art. 122 Abs. 1 IPRG das Recht von Hong­kong anzu­wen­den. Ein ein­deu­ti­gen­ge­rer Zusam­men­hang des Ver­trags mit dem Schwei­zer Recht liegt nicht vor. Es kann damit offen­blei­ben, ob für eine Abwei­chung von der Anknüp­fung Art. 15 IPRG oder Art. 117 Abs. 1 IPRG mass­ge­bend wäre. 

Das BGer stellt sodann fest, dass kein ein­deu­tig enge­rer Zusam­men­hang mit dem Schwei­zer Recht bestehe. Es konn­te des­halb die strit­ti­ge Fra­ge offen­las­sen, ob für eine Abwei­chung von der Rege­lan­knüp­fung nach IPRG 15 oder nach IPRG 117 I mass­ge­bend wäre. 

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.