Im vor­lie­gen­den Bun­des­ge­richts­ent­scheid hat­te sich das Bun­des­ge­richt mit der Fra­ge zu befas­sen, ob ein Antrag auf Sicher­stel­lung der Par­tei­ent­schä­di­gung zu bezif­fern ist.

Y. (Beschwer­de­geg­ner) hat­te Kla­ge auf Bestrei­tung neu­en Ver­mö­gens gemäss Art. 265a Abs. 4 SchKG gegen die X. AG erho­ben. Die erste Instanz bewil­lig­te Y. die unent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge und setz­te einen unent­gelt­li­chen Rechts­bei­stand ein. Die X. AG stell­te dar­auf­hin ver­schie­de­ne Anträ­ge, u.a. den fol­gen­den: 

Die kla­gen­de Par­tei sei zu ver­pflich­ten, für die nach gericht­li­chem Ermes­sen fest­zu­set­zen­de Par­tei­ent­schä­di­gung samt Aus­la­gen der beklag­ten Par­tei gemäss dem Dekret über die Ent­schä­di­gung der Anwäl­te Sicher­heit zu lei­sten.”

Die erste Instanz bewil­lig­te schliess­lich Y. wei­ter­hin die
unent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge und Ver­bei­stän­dung und wies das
Sicher­stel­lungs­ge­such ab.

Hier­ge­gen erhob die X. AG Beschwer­de ans Ober­ge­richt und bean­trag­te u.a., Y.
“sei zu ver­pflich­ten, für die nach gericht­li­chem Ermes­sen
fest­zu­set­zen­de Par­tei­ent­schä­di­gung samt Aus­la­gen der beklag­ten Par­tei
gemäss dem Dekret über die Ent­schä­di­gung der Anwäl­te Sicher­heit zu
lei­sten”. Allen­falls sei die Sache zur Neu­be­ur­tei­lung an die erste
Instanz zurück­zu­wei­sen. Das Ober­ge­richt trat auf die Beschwer­de nicht
ein.

Dage­gen erhob die X. AG (Beschwer­de­füh­re­rin) wie­der­um Beschwer­de in
Zivil­sa­chen und even­tua­li­ter sub­si­diä­re Ver­fas­sungs­be­schwer­de, und
bean­trag­te u.a., Y. sei zu ver­pflich­ten, für die nach gericht­li­chem
Ermes­sen fest­zu­set­zen­de Par­tei­ent­schä­di­gung samt Aus­la­gen, min­de­stens in
der Höhe der Grund­ent­schä­di­gung von Fr. 10’515.30 zuzüg­lich MWST,
gemäss dem Dekret über die Ent­schä­di­gung der Anwäl­te Sicher­heit zu
lei­sten.

Das Bun­des­ge­richt erwog zunächst, dass gegen den ange­foch­te­nen Ent­scheid eine Beschwer­de zuläs­sig sei: Es gehe um den Sicher­stel­lungs­an­spruch und um die Gewäh­rung der unent­gelt­li­chen Rechts­pfle­ge. Weil die Mög­lich­keit eines Nach­teils recht­li­cher (und nicht bloss tat­säch­li­cher) Natur dro­he, sei die Beschwer­de unter dem Gesichts­punkt von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG zuläs­sig (E. 1.1.). Wei­ter erwog das Bun­des­ge­richt, dass in der Regel zwar kein schutz­wür­di­ges Inter­es­se dar­an bestehe, die Gewäh­rung der unent­gelt­li­chen Rechts­pfle­ge der Gegen­par­tei anzu­fech­ten. Da jedoch die Gewäh­rung der unent­gelt­li­chen Rechts­pfle­ge von Sicher­heits­lei­stun­gen befreie (Art. 118 Abs. 1 lit. a ZPO), sei die Beschwer­de­füh­re­rin aus­nahms­wei­se dazu legi­ti­miert, die Gewäh­rung der unent­gelt­li­chen Rechts­pfle­ge der Gegen­par­tei anzu­fech­ten (E. 1.2.).

Umstrit­ten war in der Fol­ge, ob die Beschwer­de­füh­re­rin ihren Antrag auf Sicher­heits­lei­stung hät­te kon­kret bezif­fern müs­sen. Die Vor­in­stanz hat­te argu­men­tiert, dass weder dem Rechts­be­geh­ren noch der Begrün­dung hät­te ent­nom­men wer­den kön­nen, für wel­chen Betrag die Beschwer­de­füh­re­rin Sicher­stel­lung ver­lan­ge (E. 2.). Das Bun­des­ge­richt schütz­te die­se Argu­men­ta­ti­on zunächst und erwog, dass ein blo­sser Ver­weis auf den kan­to­na­len Anwalt­s­ta­rif nicht genü­ge, weil die Beschwer­de­füh­re­rin in ihrem Antrag auch noch auf das gericht­li­che Ermes­sen ver­wie­sen habe (E. 3.1.).

Anschlie­ssend prüf­te das Bun­des­ge­richt jedoch, ob die Beschwer­de­füh­re­rin ihren Antrag auf Sicher­stel­lung der Par­tei­ent­schä­di­gung über­haupt habe bezif­fern müs­sen.

Hier­zu erwog das Bun­des­ge­richt zunächst, dass die Mei­nun­gen in der Lite­ra­tur gespal­ten sei­en (E. 3.2.2.). Da mit der Sicher­stel­lung eine all­fäl­li­ge künf­ti­ge Par­tei­ent­schä­di­gung gesi­chert wer­den soll, dräng­te sich für das Bun­des­ge­richt ein Ver­gleich mit den Anfor­de­run­gen an Anträ­ge auf Aus­rich­tung einer sol­chen Ent­schä­di­gung auf. Das Gericht hielt dafür, in der Leh­re herr­sche weit­ge­hend Einig­keit, dass der Antrag auf Aus­rich­tung einer Par­tei­ent­schä­di­gung nicht bezif­fert wer­den müs­se, son­dern dass all­ge­mein übli­che For­mu­lie­run­gen wie “unter Kosten- und Ent­schä­di­gungs­fol­ge” genü­gen wür­den (E. 3.2.2.), und fol­ger­te dar­aus:

Es ist nicht ersicht­lich, wes­halb beim Antrag auf Lei­stung einer Sicher­heit für die Par­tei­ent­schä­di­gung stren­ge­re Vor­schrif­ten gel­ten soll­ten, was die Bezif­fe­rung des Antrags betrifft, als spä­ter bei den Anträ­gen auf Zuspre­chung einer Par­tei­ent­schä­di­gung. Trif­ti­ge Grün­de, die gegen eine Gleich­be­hand­lung spre­chen, bestehen nicht. Dies gilt umso mehr, als die Bezif­fe­rung für die antrag­stel­len­de Par­tei am Ende des Pro­zes­ses sogar ein­fa­cher wäre als zum Zeit­punkt des Sicher­stel­lungs­an­trags […] Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass das Gericht in der Lage ist, den erwar­te­ten Auf­wand und damit die am Ende des Ver­fah­rens allen­falls zu spre­chen­de Par­tei­ent­schä­di­gung abzu­schät­zen, so wie es auch am Ende des Ver­fah­rens in der Lage ist, bei Feh­len einer Kosten­no­te den gebo­te­nen und zu ent­schä­di­gen­den Auf­wand abzu­schät­zen. […] Eine Bezif­fe­rung des Sicher­stel­lungs­an­trags ist folg­lich zwar zuläs­sig, aber von Geset­zes wegen nicht vor­ge­schrie­ben.“ 

Da die erste Instanz dem Beschwer­de­geg­ner die unent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge bewil­ligt und des­halb den Sicher­stel­lungs­an­trag inhalt­lich noch nicht beur­teilt hat­te, und da in der Fol­ge an die kan­to­na­le Beschwer­de kei­ne stren­ge­ren Anfor­de­run­gen gestellt wer­den könn­ten als an die Begeh­ren vor der ersten Instanz, scha­de es der Beschwer­de­füh­re­rin auch nicht, dass sie ihren Antrag in der kan­to­na­len Beschwer­de nicht bezif­fert habe (E. 3.2.3.). Die Beschwer­de wur­de schliess­lich teil­wei­se gut­ge­hei­ssen, soweit dar­auf ein­zu­tre­ten war, und die Sache zu neu­er Beur­tei­lung im Sin­ne der Erwä­gun­gen ans Ober­ge­richt zurück­ge­wie­sen (E. 3.2.4.).

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.