Die schwei­ze­ri­sche Lau­ter­keits­kom­mis­si­on SLK hat an ihrer Sit­zung im Juli u.a. fol­gen­de Ent­schei­dun­gen gefällt (die Zusam­men­fas­sun­gen stam­men von der Web­site der SLK. Die Ent­schei­dun­gen sind als pdf ver­füg­bar):

  • N° 152/14: Preis­be­kannt­ga­be bei Flug­rei­sen:
    Wenn ein Rei­se­bü­ro auf sei­ner Web­site eine Flug­rei­se
    anbie­tet, ist es gemäss den Arti­keln 13 Abs. 1, Art. 11c Abs. 2 und Art.
    3 Abs. 1 der Preis­be­kannt­ga­be­ver­ord­nung (PBV) dazu ver­pflich­tet, den 
    effek­ti­ven Preis inklu­si­ve Gebüh­ren
    anzu­ge­ben. Gleich­zei­tig muss der
    Rei­se­an­bie­ter aus­wei­sen, wie sich der Preis zusam­men­setzt
    (Art. 14 Abs. 1
    PBV). Unter «Tarif» liste­te er im vor­lie­gen­den Fall aller­dings
    ledig­lich die rei­nen Flug­ko­sten auf; erst wei­ter unten auf der Sei­te war
    der tat­säch­lich zu bezah­len­den Preis ersicht­lich – ohne detail­liert
    auf­ge­schlüs­sel­te Gebüh­ren. Damit ver­stiess das Rei­se­bü­ro gleich noch­mals
    gegen die PBV. Um einer Bestra­fung durch die zustän­di­gen Behör­den
    vor­zu­beu­gen, emp­fahl die SLK dem Rei­se­bü­ro, für kla­re Anga­ben zu sor­gen.
  • N° 140/14: USB-Sticks als Anreiz für raschem Ver­trags­schluss:
    Ist es unlau­ter, eine Pro­mo­ti­on aus­zu­lo­ben, bei der die
    ersten 500 Kun­den, die einen Ver­trag abschlie­ssen, einen USB-Stick
    erhal­ten
    ? Die Drit­te Kam­mer der Lau­ter­keits­kom­mis­si­on mein­te nein. Aus
    den Unter­la­gen des Tele­kom-Unter­neh­mens ging glaub­haft her­vor, dass die
    Neu­kun­den bei Ver­trags­ab­schluss bereits wuss­ten, ob sie zu die­sen 500
    zähl­ten oder nicht
    . Hät­te der Zufall ent­schie­den, wür­de die­se Pro­mo­ti­on
    als Gewinn­spiel oder Wett­be­werb gewer­tet und wäre gemäss Grund­satz Nr.
    3.9 der SLK bzw. nach Lot­te­rie­ge­setz unlau­ter. Die Beschwer­de wur­de abge­wie­sen.
  • Nr. 144/14: Nicht aus­rei­chend spe­zi­fi­zier­te Anga­be “10% Rabatt”:

    Gemäss Art. 3 Abs. 1 lit. b des Geset­zes gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb (UWG) han­delt unlau­ter, wer über sei­ne eige­nen Prei­se irre­füh­ren­de Aus­sa­gen macht oder auf irre­füh­ren­de Wei­se auf Rabat­te hin­weist (Art. 18 lit. b UWG). Hin­wei­se auf Preis­re­duk­tio­nen wie «10% Rabatt» ohne wei­te­re Anga­ben sind des­halb unlau­ter, wenn Sie nicht das gesam­te Sor­ti­ment betref­fen. In die­sem Fall muss die Rabatt­an­ga­be gemäss PBV ein­deu­tig spe­zi­fi­ziert wer­den, so dass für den Durch­schnitts­kon­su­men­ten auf den ersten Blick klar wird, für wel­che Pro­duk­te der Preis­nach­lass gilt. Die­se Anga­ben müs­sen grund­sätz­lich unmit­tel­bar bei der Reduk­ti­ons­an­ga­be ste­hen, denn die PBV ver­langt klipp und klar: «Aus der Preis­be­kannt­ga­be muss deut­lich her­vor­ge­hen, auf wel­che Waren sich der Preis bezieht». 

  • Nr. 155/14: “Ledersofa“irreführend für Sofa als “Napalon”-Leder:

    Gemäss Wiki­pe­dia ist «Napa­lon­le­der (…) ein hoch­wer­ti­ges Kunst­le­der. Der Name ist ange­lehnt an Nap­pa­le­der. Optisch und hap­tisch erreicht es annä­hernd die Qua­li­tät von ech­tem Leder.» Aber eben: Napa­lon­le­der ist kein Leder, son­dern ein syn­the­ti­sches Mate­ri­al. Des­halb ist die Bezeich­nung «Leder­so­fa» für ein Sofa aus Napa­lon­le­der irre­füh­rend. Der Begriff «Leder» weckt beim Durch­schnitts­adres­sa­ten die Erwar­tung, dass es sich um ech­tes Leder han­delt. Klar­heit bestand im vor­lie­gen­den Fall auch nicht in Bezug auf die Preis­an­ga­be. Damit war die «Drei­ei­nig­keit von Bild, Text und Preis» nicht erfüllt. Die SLK hat die Beschwer­de gut­ge­hei­ssen.

  • N° 156/14: Sexi­sti­sche Wer­bung (ver­neint):

    Dür­fen Cara­mel­bon­bons mit dem Claim «Dur ou mou?» bewor­ben wer­den? Und erst noch von einem gut gebau­ten jun­gen Mann mit unbe­klei­de­tem Ober­kör­per in einem Stall mit einem Kälb­chen, das an sei­ner Jeans knab­bert. Dient die­ser Mann als rei­ner Blick­fang (es gibt auch eine Ver­si­on mit einer Kuh und einer jun­gen Frau im Dirndl)? Ist die­se Dar­stel­lung geschlech­ter­dis­kri­mi­nie­rend oder gar zoo­phil, wie es der Beschwer­de­füh­rer inter­pre­tier­te? Die Drit­te Kam­mer mein­te, nein, und wies die Beschwer­de ab – auch wenn ihr nicht ganz ein­leuch­te­te, wie­so der Mann sei­nen Ober­kör­per ent­blö­ssen muss­te.

  • Nr. 157/14: Sexi­sti­sche Wer­bung: Ein Inse­rat für Möbel mit der Aussage«Verführung –10 Tage ausser­or­dent­li­che Son­der­prei­se auf alle Neu­hei­ten» mit der Abbil­dung einer (beklei­de­ten) Frau auf einer aus Sitz-und Lie­ge­kis­sen gefertigten«Liegewiese» ist klar nicht geschlech­ter­dis­kri­mi­nie­rend, ins­be­son­de­re weil ein kla­rer Zusam­men­hang besteht zwi­schen der Dar­stel­lung einer Frau in halb lie­gen­der, halb sit­zen­der Posi­ti­on und den bewor­be­nen Sitz-oder Lie­ge­pol­stern.
David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.