Das BGer hat­te sich im vor­lie­gen­den Urteil erneut mit einem Deckungs­aus­schluss für “crime ou délit com­mis inten­ti­on­nel­le­ment” in den AVB eines pri­va­ten Ver­si­che­rers zu beschäf­ti­gen. Bereits in BGE 115 II 264 hat­te das BGer fest­ge­hal­ten, dass juri­sti­sche Begrif­fe bei der Umschrei­bung der Gefahr in Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen nur dann im rechts­tech­ni­schen Sinn zu ver­ste­hen sind, wenn ihnen die­se Bedeu­tung auch im gewöhn­li­chen Sprach­ge­brauch zukommt; und dass “vor­sätz­li­che Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen” nur Delik­te von einer gewis­sen Schwe­re umfas­sen.

Vor die­sem Hin­ter­grund war vor­lie­gend strit­tig ob Ver­kehrs­de­lik­te vom Deckungs­aus­schluss für “crime ou délit com­mis inten­ti­on­nel­le­menterfasst sind. Das BGer hält hier­zu fest, dass sich zumin­dest nicht sagen lässt, Ver­kehrs­de­lik­te sei­en davon per se aus­ge­nom­men:

Con­trai­re­ment à ce qu’il sous-entend, le recou­rant ne
pou­vait pas com­prend­re de bon­ne foi que les délits en matiè­re de
cir­cu­la­ti­on rou­tiè­re étai­ent exclus 
ipso fac­to des infrac­tions visées à l’art. 8 let.
CGA. Rien ne per­met d’affirmer que, de maniè­re géné­ra­le, un délit en
matiè­re de cir­cu­la­ti­on rou­tiè­re ne peut pas être per­çu dans le public
com­me une infrac­tion d’une cer­tai­ne gra­vité.

Kon­kret ging es um meh­re­re schwe­re Ver­kehrs­de­lik­te, began­gen durch einen Motor­rad­fah­rer, u.a. eine Geschwin­dig­keits­über­schrei­tung von 40–60 km/h (140 bis 160 km/h auf einer Strecke mit einer Maxi­mal­ge­schwin­dig­keit von 80 km/h), ver­bun­den mit ris­kan­ten Über­hol­ma­nö­vern etc. Für das BGer lag es auf der Hand, dass ein sol­ches Ver­hal­ten unter “crime ou délit com­mis inten­ti­on­nel­le­ment” zu sub­su­mie­ren ist, im Gegen­satz zB zu einem blo­ssen Man­gel an Auf­merk­sam­keit im Stra­ssen­ver­kehr.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.