Ein Sport­leh­rer wur­de mit Vor­wür­fen einer weib­li­chen Schü­le­rin kon­fron­tiert (anzüg­li­che und sar­ka­sti­sche Bemer­kun­gen, Kom­men­ta­re und Sprü­che; unge­frag­tes Fil­men im Sport­un­ter­richt). Die Schul­lei­tung ging mit dem Sport­leh­rer eine schrift­li­che Ver­ein­ba­rung ein, die ins­be­son­de­re das Ver­hal­ten gegen­über weib­li­chen Schü­le­rin­nen im Sport­un­ter­richt zum Gegen­stand hat­te. Weni­ge Mona­te nach Unter­zeich­nung der schrift­li­chen Ver­ein­ba­rung erteil­te der Sport­leh­rer eine Lek­ti­on, die er mit sei­nem pri­va­ten Smart­pho­ne film­te. Die Schul­klas­se bean­stan­de­te das Ver­hal­ten des Leh­rers (Fil­men ohne Ein­ver­ständ­nis, Anstar­ren des Busens, Sprü­che klop­fen). Nach­dem der Sport­leh­rer die Vor­wür­fe am 31. Okto­ber 2011 gegen­über der Schul­lei­tung bestrit­ten hat­te, leg­te die­se auch in Anbe­tracht der frü­he­ren Vor­wür­fe dar, für sie kom­me nur eine Auf­lö­sung des Arbeits­ver­hält­nis­ses in Fra­ge. Denk­bar sei die Gewäh­rung einer Sozi­al­frist bis läng­stens Ende Janu­ar 2012. Die Schul­lei­tung gewähr­te dem Leh­rer eine Bedenk­frist von vier Tagen, sich dazu zu äussern. Nach Ablauf der vier­tä­gi­gen Frist teil­te der Leh­rer mit, er leh­ne eine vor­zei­ti­ge Auf­lö­sung des Arbeits­ver­hält­nis­ses ab, wor­auf die Schul­lei­tung noch am glei­chen Tag schrift­lich die frist­lo­se Kün­di­gung aus­sprach (Urteil 8C_340/2014 vom 15. Okto­ber 2014, E. 5.3).

Der Leh­rer erhob Beschwer­de gegen die frist­lo­se Kün­di­gung, die aber vom Bil­dungs- und Kul­tur­de­par­te­ment Obwal­den und vom Ver­wal­tungs­ge­richt des Kan­tons Obwal­den abge­wie­sen wur­de. Das Bun­des­ge­richt wies die Beschwer­de des Leh­rers eben­falls ab. Der Leh­rer bestritt ins­be­son­de­re das Vor­lie­gen eines wich­ti­gen Grun­des und mach­te gel­tend, die Gewäh­rung einer Sozi­al­frist schlie­sse eine frist­lo­se Kün­di­gung aus (E. 4).

Das Bun­des­ge­richt bestä­tig­te das Vor­lie­gen eines wich­ti­gen Grun­des und hielt fest, der Leh­re habe ein unpro­fes­sio­nel­les Gen­der-Ver­hal­ten gezeigt. Nach­dem er nur weni­ge Mona­te vor dem Vor­fall, der zur Kün­di­gung geführt hat­te, bereits mit schrift­li­cher Ver­ein­ba­rung ver­warnt wor­den war, lagen die Vor­aus­set­zun­gen für eine frist­lo­se Kün­di­gung grund­sätz­lich vor (E. 6).

Zu prü­fen blieb, ob Sozi­al­fri­sten bei einer ausser­or­dent­li­chen Kün­di­gung im öffent­li­chen Per­so­nal­recht zuläs­sig sind. Das Bun­des­ge­richt konn­te sich bis­her nur zur Zuläs­sig­keit von Sozi­al­fri­sten bei der Auf­lö­sung pri­vat­recht­li­cher Arbeits­ver­hält­nis­se äussern. Für das Zivil­recht hat­te es ent­schie­den, die Gewäh­rung einer Sozi­al­frist sei zuläs­sig, wenn die Frist nicht gleich lang wie die der ordent­li­chen Kün­di­gung ist und in erster Linie im Inter­es­se des Arbeit­neh­mers liegt (E. 7.2; Urteil 4C.174/2003 vom 27. Okto­ber 2003, E. 3.2.1).

Das Bun­des­ge­richt bejah­te die Zuläs­sig­keit von Sozi­al­fri­sten und been­de­te damit einen Lehr­streit (E. 7.3 und 7.4). Die Sozi­al­frist darf jedoch auch im öffent­li­chen Per­so­nal­recht nicht die Län­ge der ordent­li­chen Kün­di­gungs­frist errei­chen (E. 7.5) und die Gewäh­rung der Frist darf dem öffent­li­chen Inter­es­se nicht wider­spre­chen. Ein Ver­stoss gegen das öffent­li­che Inter­es­se wür­de bejaht, wenn die Gewäh­rung der Sozi­al­frist nur dazu dien­te, die Vor­gän­ge, wel­che zur frist­lo­sen Kün­di­gung geführt haben und die auch den Arbeit­ge­ber in einem ungün­sti­gen Licht erschei­nen las­sen, der öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dung und Kri­tik durch Schwei­gen zu ent­zie­hen. Eine Sozi­al­frist wäre auch dann unzu­läs­sig, wenn von der Wei­ter­be­schäf­ti­gung eine erheb­li­che Gefähr­dung Drit­ter oder des Gemein­wohls aus­gin­ge  oder ein rechts­kon­for­mes staat­li­ches Han­deln nicht mehr sicher­ge­stellt wäre (vgl. zum Gan­zen E. 7.5.2)

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).