Nach dem Weg­gang des Deutsch­schwei­zer Co-Direk­tors kam es in der Redak­ti­on der bei­den Sen­der Radio Frei­burg und Radio Fri­bourg zu einem kol­lek­ti­ven Kon­flikt über die künf­ti­ge Direk­ti­ons­struk­tur. In der Fol­ge wur­den die bei­den Jour­na­li­sten Jean Godel und André Hüg­li zusam­men mit zwei wei­te­ren Mit­ar­bei­ten­den als Per­so­nal­de­le­gier­te gewählt, wel­che die Inter­es­sen der Beleg­schaft gegen­über der Radio­lei­tung ver­tre­ten soll­ten. Nach meh­re­ren Tref­fen mit der Radio­lei­tung zeig­te die Per­so­nal­de­le­ga­ti­on in einem Schrei­ben an, da die Gesprä­che bis­her ergeb­nis­los ver­lau­fen sei­en, bestehe kei­ne Grund­la­ge mehr für wei­te­re Tref­fen. Am näch­sten Tag ver­öf­fent­lich­te die Per­so­nal­de­le­ga­ti­on eine Medi­en­mit­tei­lung, in der über den Kon­flikt berich­tet wur­de. Weni­ge Tage spä­ter ent­liess die Radio­lei­tung die Per­so­nal­de­le­gier­ten anläss­lich einer Per­so­nal­ver­samm­lung.

Die Gerich­te hat­ten zu ent­schei­den, ob eine miss­bräuch­li­che Kün­di­gung im Sin­ne von Art. 336 Abs. 2 lit. b OR vor­lag. Nach die­ser Bestim­mung erfol­gen Kün­di­gun­gen miss­bräuch­lich, wenn sie aus­ge­spro­chen wer­den, wäh­rend der Arbeit­neh­mer ein gewähl­ter Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter in einer betrieb­li­chen Ein­rich­tung ist, und der Arbeit­ge­ber nicht bewei­sen kann, dass er einen begrün­de­ten Anlass zur Kün­di­gung hat­te. Sämt­li­che Instan­zen bejah­ten die Miss­bräuch­lich­keit der Kün­di­gun­gen (BGer. Urteil 4D_14/2014 vom 7. Juli 2014).

Die Radio­lei­tung hat­te ins­be­son­de­re ver­geb­lich gel­tend gemacht, dass die Ent­las­se­nen an der Per­so­nal­ver­samm­lung zum Aus­druck gebracht hat­ten, es bestehe kei­ne Ver­trau­ens­grund­la­ge mehr. Das Bun­des­ge­richt sah dar­in kei­nen begrün­de­ten Anlass zur Kün­di­gung i.S.v. Art. 336 Abs. 2 lit. b OR (E. 4 und E. 4.2). Die Radio­lei­tung hat­te die Kün­di­gun­gen über­dies nicht mit der Ver­öf­fent­li­chung der Medi­en­mit­tei­lung begrün­det, als die Dele­gier­ten anläss­lich der Per­so­nal­ver­samm­lung münd­lich ent­las­sen wur­den (E. 4.3).

Der Berufs­ver­band impres­sum und die Gewerk­schaft synd­icom berich­te­ten über die­sen Ent­scheid.

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).