Im vor­lie­gen­den Ent­scheid hat­te sich das Bun­des­ge­richt mit der Fra­ge zu befas­sen, wie die Wei­ter­nut­zung einer Werk­statt in der vom Erb­las­ser auf den Sohn X über­tra­ge­nen Lie­gen­schaft im Rah­men der Erb­tei­lung zu berück­sich­ti­gen ist. Der Erb­las­ser A schloss mit sei­nem Sohn X einen “Kauf­ver­trag mit Erb­vor­be­zug” über ein Grund­stück ab. Der Kauf­preis wur­de getilgt durch Anrech­nung eines Erb­vor­be­zu­ges mit Aus­glei­chungs­pflicht und durch Gewäh­rung eines zins­lo­sen Dar­le­hens. Mit der Tei­lungs­kla­ge ver­lang­te die Mit­er­bin Y die Fest­stel­lung des Nach­las­ses und der Vor­emp­fän­ge sowie deren Aus­glei­chung und die Ver­ur­tei­lung von X zur Bezah­lung von CHF 51’400 nebst Zins. 

Umstrit­ten war vor Bun­des­ge­richt u.a. die Höhe des anzu­rech­nen­den Miet­zin­ses für die Benut­zung der Werkstatt/Garage in der dem X über­tra­ge­nen Lie­gen­schaft durch den Vater von Mit­te Juli 1999 bis März 2009. X mach­te den markt­üb­li­chen Miet­zins in der Höhe von CHF 650 pro Monat gel­tend, was zu einem Abzug vom Brut­to­nach­lass zu sei­nen Gun­sten im Betrag von CHF 76’375 geführt hät­te. Das Kan­tons­ge­richt folg­te dem Even­tu­al­stand­punkt von Y, wel­che den Miet­zins auf CHF 315 ver­an­schlagt hat­te. Vor Bun­des­ge­richt war die Ent­gelt­lich­keit der Nut­zung unbe­strit­ten; im Streit lag ein­zig die Höhe des Ent­gelts (E. 2.2.).

Zum anre­chen­ba­ren Miet­zins führ­te das Bun­des­ge­richt aus:

2.2. […] für die rich­ter­li­che Ver­trags­er­gän­zung — wel­che nur für ein in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­des fak­ti­sches Miet­ver­hält­nis mög­lich ist […] — [ist] mass­ge­bend […], was die Par­tei­en unter den gege­be­nen Umstän­den in guten Treu­en ver­ein­bart hät­ten […]. Er [der X] irrt aber, wenn er unter Ver­wei­sung auf die vor­ge­nann­te Recht­spre­chung der Ansicht ist, dass hier­für man­gels einer kon­kre­ten Abre­de ein markt­üb­li­cher Miet­zins ein­zu­set­zen sei, denn vor­lie­gend ist zu berück­sich­ti­gen, dass es nicht um einen Ver­trag mit einem Drit­ten ging, son­dern um die Über­las­sung der alten Werkstatt/Garage an den über­eig­nen­den und ein unent­gelt­li­ches Dar­le­hen zur Ver­fü­gung stel­len­den Vater, also um ein fami­liä­res und eng ver­quick­tes Ver­hält­nis.” (E. 2.2.).

Das Bun­des­ge­richt kam zum Schluss, dass es kein Bun­des­recht ver­letzt, wenn das Kan­tons­ge­richt sinn­ge­mäss davon aus­ging, dass die Par­tei­en in guten Treu­en einen deut­lich unter dem objek­ti­ven Markt­wert lie­gen­den Miet­zins ver­ein­bart hät­te. Dies ins­be­son­de­re auch vor dem Hin­ter­grund des fami­liä­ren Ver­hält­nis­ses, der hob­by­mä­ssi­gen Tätig­keit des Vaters und der Tat­sa­che, dass der Sohn die Räum­lich­kei­ten jeden­falls in unter­ge­ord­ne­tem Rah­men mit­be­nutz­te (E. 2.2.). Das Bun­des­ge­richt bestä­tig­te den vor­in­stanz­li­chen Ent­scheid.

Sabine Herzog

Posted by Sabine Herzog

RA Dr. Sabine Herzog, LL.M, arbeitet als Rechtsanwältin bei Baker McKenzie in Zürich und ist schwergewichtig in der Prozessführung und in der Nachlassplanung tätig. Zuvor arbeitete sie als juristische Sekretärin am Bezirksgericht Horgen und am zürcherischen Handelsgericht. Sie hat an den Universitäten Zürich, Paris Ouest Nanterre La Defense (Frankreich) und der Columbia Law School (LL.M.) studiert und hat an der Universität Luzern im Bereich IPR und Erbrecht promoviert.