Domi­ni­que Stre­bel komm­ten­tiert auf sei­nem Blog das Urteil 60101/09 vom 28. Okto­ber 2014 (Pel­te­reau-Ville­neuve c. Suis­se) des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te (EGMR).

Mit dem Ent­scheid wird der Gene­ral­staats­an­walt des Kan­tons Genf gerügt. Die­ser hat­te ein Straf­ver­fah­ren wegen Ver­jäh­rung ein­ge­stellt, aber den Beschul­dig­ten in sei­ner Begrün­dung trotz­dem in der Sache für schul­dig erklärt. Es ging um einen katho­li­schen Prie­ster, dem sexu­el­le Hand­lun­gen mit Abhän­gi­gen vor­ge­wor­fen wor­den waren.

Nach Ein­schät­zung des EGMR ver­stösst der Wort­laut der ange­foch­te­nen Ein­stel­lungs­ver­fü­gung und die sich anschlie­ssend dar­auf abstüt­zen­den Gerichts­ent­schei­de gegen die Unschulds­ver­mu­tung (Art. 6 Abs. 2 EMRK). Des­halb ver­ur­teil­te der EGMR die Schweiz und spricht dem Beschwer­de­füh­rer eine Ent­schä­di­gung in Höhe von 12.000 Euro als Genug­tu­ung und von 15.000 Euro für Ver­fah­rens­ko­sten zu.

Das Fazit von Stre­bel:

Die­ser Ent­scheid ist juri­stisch zu begrü­ssen, hat aber Kon­se­quen­zen für Recher­cheu­re in der Schweiz: Ein­stel­lungs­ver­fü­gun­gen wer­den in Zukunft wohl ent­schei­den­de Infor­ma­tio­nen zu Straf­er­mitt­lun­gen nicht mehr ent­hal­ten. Wich­ti­ge inve­sti­ga­ti­ve Arti­kel wie zum Bei­spiel der Arti­kel im Bie­ler Tag­blatt über den pro­mi­nen­ten Geschäfts­mann und Lokal­po­li­ti­ker Theo Gri­ner kön­nen in Zukunft nicht mehr geschrie­ben wer­den.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.