Das BGer hat­te vor­lie­gend über eine Gegen­dar­stel­lung zu ent­schei­den, wel­che die Stif­tung  Schwei­ze­ri­sche Hil­fe für Mut­ter und Kind (SHMK) von der “Zeit” ver­langt hat­te. “Die Zeit” hat­te einen Arti­kel über einen “Selbst­ver­such” einer Jour­na­li­stin ver­öf­fent­licht, die sich gegen­über der SHMK als unge­woll­te Schwan­ge­re aus­ge­ge­ben hat­te. Die Vor­in­stanz des BGer, das KGer BL, hat­te die Gegen­dar­stel­lung ver­wei­gert.

Das BGer bestä­tigt die­sen Ent­scheid. Alle Tei­le des Gegen­dar­stel­lungs­ge­suchs waren — aus drei ver­schie­de­nen Grün­den — zu ver­wei­gern:

  • Ein Teil hat­te Punk­te betrof­fen, die in der Aus­le­gung des BGer kei­ne Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen ent­hiel­ten, son­dern rei­ne Mei­nungs­äu­sse­run­gen dar­stell­ten. 
  • Ein wei­te­rer Teil ent­hielt zwar Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen, wel­che die SHMK über­dies “in einem wenig
    gün­sti­gen Licht” erschei­nen lie­ssen, und dies

    […] genügt, setzt doch der Anspruch auf Gegen­dar­stel­lung kei­ne Ver­let­zung, son­dern bloss unmit­tel­ba­re Betrof­fen­heit in der Per­sön­lich­keit vor­aus (BGE 114 II 388 E. 2 S. 390; 119 II 104 E. 3c S. 107).

    Jedoch war die dies­be­züg­lich ver­lang­te Gegen­dar­stel­lung offen­sicht­lich unrich­tig (iSv ZGB 28h II).

  • Ein drit­ter Teil betraf einen Punkt, zu dem die SHMK bereits vor Ver­öf­fent­li­chung des Arti­kels umfas­send hat­te Stel­lung bezie­hen kön­nen, und die “Zeit” hat­te die Stel­lung­nah­me der SHMK unmit­tel­bar im Anschluss an den bean­stan­de­ten Text in glei­cher Auf­ma­chung ver­öf­fent­licht. Das KGer BL durf­te daher, mit Blick auf BGE 137 III 433 (dazu unse­re Zusam­men­fas­sung) das schüt­zens­wer­te Inter­es­se an der gericht­li­chen Anord­nung einer Gegen­dar­stel­lung zum glei­chen The­ma ver­nei­nen.  

Das BGer bestä­tigt mit die­sem Urteil, dass das schüt­zens­wer­te Inter­es­se an einer Gegen­dar­stel­lung nicht nur (wie bei BGE 137 III 433) durch eine Berich­ti­gung, son­dern auch durch eine zusam­men mit dem Text ver­öf­fent­lich­te Stel­lung­nah­me ent­fal­len kann.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.