Im Urteil vom 28. Novem­ber 2014 befass­te sich das BGer mit der
Zuläs­sig­keit des in der Gemein­de­ord­nung der Stadt Zürich ver­an­ker­ten 5%-Quorums
für Gemein­de­rats­wah­len. Im Anschluss an die Wahl des Gemein­de­rats der Stadt
Zürich für die Legis­la­tur­pe­ri­ode 2014 – 2018 erhob B. Luthi­ger Stimm­rechts­re­kurs
an den Bezirks­rat Zürich. Schliess­lich gelang­te er mit Stimm­rechts­be­schwer­de an
das BGer, wel­ches sei­ne Begeh­ren abweist. Vor BGer brach­te B. Luthi­ger im
Wesent­li­chen vor, dass das 5%-Quorum gegen die Rechts­gleich­heit (Art. 8 BV) und
die Garan­tie der poli­ti­schen Rech­te (Art. 34 BV) ver­sto­sse.

Zunächst erklärt das BGer die Funk­ti­ons­wei­se der Metho­de „Dop­pel­ter Pukels­heim“, wel­che für die
Ver­tei­lung der Sit­ze des Gemein­de­rats der Stadt Zürich zur Anwen­dung kom­me:

Nach die­ser Metho­de wer­den zunächst die Par­la­ments­sit­ze auf der
Grund­la­ge der Stim­men, wel­che die Listen in den ein­zel­nen Wahl­krei­sen erzielt
haben, gesamt­städ­tisch auf die sog. Listen­grup­pen ver­teilt (Ober­zu­tei­lung auf die Listen­grup­pen […]). In einem zwei­ten Schritt wer­den
die den Par­tei­en zuge­wie­se­nen Sit­ze den ein­zel­nen Listen in den Wahl­krei­sen
zuge­teilt (Unter­zu­tei­lung auf die Listen
[…]). Schliess­lich wer­den die einer
Liste zuge­wie­se­nen Sit­ze nach Mass­ga­be der Kan­di­da­ten­stim­men auf die
kan­di­die­ren­den Per­so­nen ver­teilt (Sitz­ver­tei­lung
inner­halb der Listen
[…]). Gemäss Art. 23 Abs. 3 GO nimmt
eine Listen­grup­pe an der Sitz­ver­tei­lung aller­dings nur teil, wenn wenig­stens
eine ihrer Listen min­de­stens 5 Pro­zent aller Par­tei­stim­men des betref­fen­den
Wahl­krei­ses erhal­ten hat. Hier­bei han­delt es sich um ein sog. gesetz­li­ches
Quo­rum, dass häu­fig auch Sperr­klau­sel genannt wird (E. 3.).

Sodann führt das BGer aus, dass das gesetz­li­che Quo­rum von Art. 23 Abs.
GO zur Fol­ge habe, dass bei den Gemein­de­rats­wah­len sämt­li­che Stim­men, die an
Listen­grup­pen gin­gen, deren Listen in kei­nem Wahl­kreis 5 % der Stim­men
erhiel­ten, bei der Man­dats­ver­tei­lung nicht berück­sich­tigt wür­den und
gewichts­los blie­ben. Dies schrän­ke den
von Art. 34 BV umfass­ten Grund­satz der Erfolgs­wert­gleich­heit ein.

Schliess­lich prüft das BGer, ob für die Ein­schrän­kung des Grund­sat­zes
der Erfolgs­wert­gleich­heit genü­gen­de sach­li­che Grün­de bestehen. Gesetz­li­che
Quo­ren bezweck­ten in erster Linie, eine all­zu gro­sse Zer­split­te­rung der im
Par­la­ment ein­sit­zen­den poli­ti­schen Kräf­te zu ver­hin­dern. Die mit einer gro­ssen
Zer­split­te­rung der poli­ti­schen Kräf­te im Par­la­ment ver­bun­de­nen Gefah­ren
(Erschwe­rung der Par­la­ments­ar­beit und Schwä­chung der Stel­lung des Par­la­ments im
Ver­hält­nis zur Regie­rung) recht­fer­tig­ten nur mass­voll aus­ge­stal­te­te Quo­ren,
wel­che die Erfolgs­wert­gleich­heit nicht zu stark ein­schränk­ten. Mit­hin stel­le die all­ge­mei­ne Gefahr der
durch eine gro­sse Zer­split­te­rung der poli­ti­schen Kräf­te ver­ur­sach­ten
Beein­träch­ti­gung der Effi­zi­enz des Rats­be­triebs einen aus­rei­chen­den sach­li­chen
Grund dar für die mit einem mass­vol­len gesetz­li­chen Quo­rum ver­bun­de­ne
Ein­schrän­kung der Erfolgs­wert­gleich­heit.

Das BGer habe in kon­stan­ter Recht­spre­chung fest­ge­hal­ten, dass 10 % die
maxi­mal zuläs­si­ge Höhe für gesetz­li­che Quo­ren dar­stell­ten. Ange­sichts sei­ner Aus­ge­stal­tung sowie der übri­gen Umstän­de erwei­se sich
das gesetz­li­che Quo­rum von Art. 23 Abs. 3 GO ins­ge­samt als mass­voll und die mit
ihm ver­bun­de­ne Ein­schrän­kung der Erfolgs­wert­gleich­heit sei sach­lich halt­bar. 



Vgl. zur glei­chen The­ma­tik das Urteil 1C_546/2014 vom 9. Dezem­ber 2014.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.