Die Wit­we und Toch­ter des in den USA ver­stor­be­nen Erb­las­sers klag­ten gegen eine Bank in der Schweiz und gegen den Geschäfts­part­ner des Erb­las­sers sowie einen Mit­ar­bei­ter der Bank. Sie war­fen dem Geschäfts­mit­ar­bei­ter und dem Bank­mit­ar­bei­ter im Wesent­li­chen vor, sie hät­ten ins­ge­samt einen Betrag von USD 90 Mio. ver­un­treut.

Die Vor­in­stanz erklär­te sich gestützt auf Art. 129 Abs. 1 IPRG für unzu­stän­dig. Gemäss die­ser Bestim­mung sind die schwei­ze­ri­schen Gerich­te unter ande­rem für Kla­gen aus uner­laub­ter Hand­lung am Hand­lungs- oder Erfolgs­ort zustän­dig. Das Bun­des­ge­richt bejah­te hin­ge­gen die Zustän­dig­keit der schwei­ze­ri­schen Gerich­te (Urteil 4A_28/2014 vom 10. Dezem­ber 2014).

Das Bun­des­ge­richt warf der Vor­in­stanz ein fal­sches Ver­ständ­nis der Theo­rie über dop­pel­re­le­van­te Tat­sa­chen vor und hob her­vor, dass bei der Prü­fung der Zustän­dig­keits­fra­ge aus­schliess­lich auf die Vor­brin­gen in der Kla­ge­schrift abzu­stel­len ist, wenn die Zustän­dig­keit auf einer dop­pel­re­le­van­ten Tat­sa­che grün­det (zum Gan­zen E. 4.2.2 und 4.3).

Die Klä­ge­rin­nen hat­ten unter ande­rem gel­tend gemacht, die Beklag­ten hät­ten einen Betrag von USD 40 Mio. ver­un­treut, der am 28. Febru­ar 1986 bei einer Bank in Genf hät­te ein­tref­fen müs­sen und dem Kon­to des Erb­las­ser gut­zu­schrei­ben gewe­sen wäre (E. 4.4.1). Gemäss Sach­dar­stel­lung in der Kla­ge­schrift wur­de über­dies ein Umschlag mit Akti­en von Off­shore-Gesell­schaf­ten unter­schla­gen, der sich bei der Bank in Genf befun­den haben soll (E. 4.4.2). Die­se Vor­brin­gen genüg­ten für das Bun­des­ge­richt, um die Zustän­dig­keit zu begrün­den (E. 4.5).

Roland Bachmann

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Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).