Die Erstin­stanz entsch­ied in ihrer Beweisver­fü­gung, dass von den von ein­er Aktienge­sellschaft ange­bote­nen Per­so­n­en eine, welche über Kollek­tivze­ich­nungs­berech­ti­gung ver­fügte, als Partei ein­ver­nom­men wer­den sollte. Die übri­gen ange­bote­nen Per­so­n­en qual­i­fizierte sie — ent­ge­gen den ander­slau­t­en­den Aus­führun­gen in der Instruk­tionsver­hand­lung — als Zeu­gen. An ein­er darauf­fol­gen­den Ver­hand­lung erschien der Anwalt in Begleitung mit ein­er gemäss dieser Beweisver­fü­gung als Zeu­gen einzu­vernehmenden Per­son, woraufhin die Erstin­stanz entsch­ied, diese Per­son könne auf­grund ihrer Zeu­gen­qual­ität und man­gels Vor­ladung der Aktienge­sellschaft in der Ver­hand­lung nicht beis­te­hen. Auf die gegen die Beweisver­fü­gung und die anlässlich der Ver­hand­lung erlassene Ver­fü­gung ange­hobene Beschw­erde der Aktienge­sellschaft — welche gel­tend machte, sie wolle auch durch die von der Erstin­stanz zu Unrecht als Zeu­gen qual­i­fizierten Per­so­n­en vertreten sein — trat die Vorin­stanz nicht ein.

Die gegen diesen Zwis­ch­enentscheid ange­hobene Beschw­erde hiess das Bun­des­gericht gut. Der Entscheid der Vorin­stanz wurde aufge­hoben, die Sache
zurück- und die Vorin­stanz angewiesen, auf die Beschw­erde der
Aktienge­sellschaft einzutreten.

Das Bun­des­gericht wies zunächst darauf hin, dass es sich bei der als Beweisver­fü­gung betitel­ten Ver­f­gung in tat­säch­lich­er Hin­sicht um einen Entscheid betr­e­f­fend die Prozess­fähigkeit der Aktienge­sellschaft ging (E. 1.3). Es hielt dabei fest, dass es bei der Frage, welche Person(en) zur Vertre­tung ein­er Aktienge­sellschaft befugt sind, um eine Prozessvo­raus­set­zung han­delt (Art. 59 Abs. 2 lit. c ZPO). Dass solche Per­so­n­en lediglich als Parteien und nicht als Zeu­gen ein­ver­nom­men wer­den kön­nen, ist bloss die Kon­se­quenz der Vertre­tung der Gesellschaft (E. 1.3).

Savoir quelle (s) per­son­ne (s) est (sont) habil­itée (s) à représen­ter la société anonyme en procé­dure ressor­tit ain­si à la capac­ité d’ester en jus­tice de celle-ci. Il s’agit d’une con­di­tion de recev­abil­ité de la demande (art. 59 al. 2 let. c CPC). Le fait que cette ou ces per­son­nes ne doivent ensuite être inter­rogées que comme par­tie (art. 159 CPC en rela­tion avec les art. 163–164 et 191–192 CPC), et non comme témoin (art. 169 ss en rela­tion avec les art. 165–167 CC), qu’elles peu­vent donc avoir des con­tacts avec l’avocat de la société anonyme, peu­vent assis­ter aux audi­ences au cours desquelles sont notam­ment inter­rogés les témoins, n’en est qu’une con­séquence.

Indem die Vorin­stanz gestützt auf die Beweisver­fü­gung der Erstin­stanz lediglich die kollek­tivze­ich­nungs­berechtigte Per­son als Vertreterin der Aktienge­sellschaft zuge­lassen hat­te, ver­weigerte sie — so das Bun­des­gericht — der Aktienge­sellschaft die Möglichkeit, die für sie han­del­nden Per­so­n­en (Ver­wal­tungsrat, Geschäfts­führer, Prokurist oder Hand­lungs­bevollmächtigter) zu bes­tim­men, welche über hin­re­ichen­des, direk­tes Wis­sen über die Stre­it­sache ver­fü­gen. Ein solch­er Zwis­ch­enentscheid bewirkt einen nicht wieder gutzu­machen­den Nachteil (E. 1.4).

Martin Rauber

Posted by Martin Rauber

RA Dr. Martin Rauber, LL.M, arbeitet als Rechtsanwalt bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Zuvor wirkte er als juristischer Sekretär am Bezirksgericht Horgen, wo er heute als nebenamtlicher Ersatzrichter im Einsatz steht. Er studierte an der Universität Freiburg i.Ue., der Université Libre de Bruxelles sowie an der University of Edinburgh (LL.M. Commercial Law).