Im Ent­scheid 4A_336/2014 hat­te das Bun­des­ge­richt Gele­gen­heit, sei­ne Recht­spre­chung zu Anla­ge­be­ra­tungs­ver­hält­nis­sen zu festi­gen.

Hin­ter­grund war das Invest­ment einer zur Swatch Group gehö­ren­de Finanz­ge­sell­schaft in einen von der UBS emp­foh­le­nen Anla­ge­fonds. Im Rah­men der Finanz­kri­se büss­te der Fonds an Wert ein. Die Finanz­ge­sell­schaft mach­te die UBS für die Ver­lu­ste ver­ant­wort­lich.

Das Zür­cher Han­dels­ge­richt wies die Kla­ge in einem 107-sei­ti­gen Urteil ab. 

Das Bun­des­ge­richt bestä­tig­te den Ent­scheid, wobei es sich mass­ge­bend von fol­gen­den Erwä­gun­gen lei­ten liess:

  • Zur Qua­li­fi­ka­ti­on des Ver­trags­ver­hält­nis­ses: Das Bun­des­ge­richt erin­nert zunächst an die Tri­as Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ver­trag, Anla­ge­be­ra­tung, rei­ne Konto-/Depotbeziehung (E. 4.1). Die Qua­li­fi­ka­ti­on des zwi­schen der Bank und dem Kun­den bestehen­den Ver­trags­ver­hält­nis­ses beein­flusst wesent­lich Bestand und Umfang der Auf­klä­rungs-, Bera­tungs- und Warn­pflich­ten (E. 4.2). Vor­lie­gend qua­li­fi­zier­te das Han­dels­ge­richt das Rechts­ver­hält­nis als “Anla­ge­be­ra­tung auf Dau­er”, wobei das Bun­des­ge­richt die­se Qua­li­fi­ka­ti­on schütz­te; als aus­schlag­ge­ben­des Ele­ment wur­de der Umstand betrach­tet, dass die Kun­din für die Anla­ge­ent­schei­de zustän­dig war, wäh­rend ihr die Bank ledig­lich bera­tend zur Sei­te stand, ohne dass ihr ein Spiel­raum für die Ver­mö­gens­an­la­ge ein­ge­räumt wor­den wäre (E. 4.3, 4.4).
  • Zu den Anfor­de­run­gen an die Anla­ge­emp­feh­lun­gen der Bank (Ange­mes­sen­heit): Das Bun­des­ge­richt hielt — in die­ser Prä­gnanz soweit ersicht­lich zum ersten Mal — fest, die von der Bank emp­foh­le­ne Anla­ge müs­se den per­sön­li­chen finan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen des Kun­den ange­mes­sen sein (E. 5.2; in casu Pflicht­ver­let­zung ver­neint):

[…] Die Bank muss sich dem­nach über die per­sön­li­che Situa­ti­on des Kun­den infor­mie­ren und nament­lich des­sen Risi­ko­fä­hig­keit und -bereit­schaft abklä­ren. Die Ange­mes­sen­heit der emp­foh­le­nen Anla­ge beur­teilt sich mit­hin in Rela­ti­on zur per­sön­li­chen Situa­ti­on des Kun­den und des­sen Risi­ko­pro­fil. […]

  • Zur Behaup­tungs­last bezüg­lich Kla­ge­fun­da­ment: Schliess­lich unter­strich das Bun­des­ge­richt mehr­mals die Bedeu­tung des all­ge­mei­nen Grund­sat­zes, wonach die Bank­kun­din als Anspre­che­rin auf ver­trag­li­chen Scha­den­er­satz sämt­li­che Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen hin­rei­chend kon­kret zu behaup­ten und zu bewei­sen habe (Ver­trag, Sorg­falts­pflicht­ver­let­zung, Scha­den, Kau­sal­zu­sam­men­hang; E. 6.3, 7.1, 7.2, 7.3, 7.5); dies gehö­re zum “selbst­ver­ständ­li­chen Kla­ge­fun­da­ment des Scha­den­er­satz ver­lan­gen­den Anle­gers”; eine dies­be­züg­li­che rich­ter­li­che Fra­ge­pflicht wur­de kla­rer­wei­se ver­neint (E. 7.6).
Claudio Kerber

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RA lic.iur. Claudio Kerber arbeitet als Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Werder Viganò AG. Er ist Ko-Autor von Lehrwerken zum Wertpapierrecht (2005) und Finanzmarktrecht (2015).