In einem Urteil aus dem Janu­ar 2015 befass­te sich das BGer mit der Ein­schlä­fe­rung eines Hun­des der Ras­se Hova­wart. Der sie­ben Jah­re alte Hund “Cha­lom” hat­te zwi­schen 2009 und 2012 meh­re­re Per­so­nen zum Teil schwer gebis­sen. Im Juli 2012 ent­schied das Vete­ri­när­amt des Kan­tons Waadt, dass der Hund als gefähr­lich ein­zu­stu­fen sei. Um die phy­si­sche Inte­gri­tät von Per­so­nen und die öffent­li­che Sicher­heit im Gene­rel­len zu gewähr­lei­sten, ord­ne­te das Vete­ri­när­amt die Ein­schlä­fe­rung des Tiers an. Die­sen Ent­scheid zog der Hun­de­hal­ter bis vor das BGer, wel­ches sei­ne Beschwer­de abweist.

Im Zen­trum des höchst­rich­ter­li­chen Ent­scheids steht die Fra­ge, ob die Anord­nung der Ein­schlä­fe­rung mit dem in Art. 5 Abs. 2 BV nor­mier­ten Ver­hält­nis­mä­ssig­keits­prin­zip kom­pa­ti­bel ist. Dazu sagt das BGer, dass eine Mass­nah­me unver­hält­nis­mä­ssig sei, wenn das ange­streb­te Ziel auch mit einer weni­ger ein­schnei­den­den Mass­nah­me erreicht wer­den kön­ne. Im vor­lie­gen­den Fall sei ins­be­son­de­re zu prü­fen, ob die öffent­li­che Sicher­heit auch durch eine Spe­zi­al­hal­tung von “Cha­lom” bei einem auf Hun­de der Ras­se Hova­wart spe­zia­li­sier­ten Ehe­paar gewähr­lei­stet wer­den kön­ne: 

Selon les experts, un repla­ce­ment chez un tiers, en l’espèce auprès du coup­le E., est pos­si­ble à cer­tai­nes con­di­ti­ons stric­tes et pré­cises. Il faut en effet que la per­son­ne en char­ge du chi­en pré­sen­te des con­nais­san­ces cyno­lo­gi­ques pous­sées […] et que le milieu de vie dans lequel le chi­en évo­lu­e­ra garan­tis­se que celui-ci ne puis­se pas entrer en con­tact avec des per­son­nes autres que le déten­teur et ce qu’elles con­cer­nent les moments durant les­quels Cha­lom se nour­rit. A ce pro­pos, les experts C. et D. sont d’accord pour admett­re qu’il faut veil­ler à ce que le chi­en reçoi­ve sa nour­ri­tu­re […] dans un lieu où per­son­ne ne se ren­dra tant qu’il n’aura pas fini de man­ger. Ils pré­co­nis­ent und piè­ce ou un enclos fer­mé à clé. De plus, ils relè­vent qu’il ne faut jamais s’approcher de Cha­lom lorsque celui-ci est sus­cep­ti­ble d’avoir trou­vé un élé­ment come­sti­ble […] et qu’il est néces­saire de muse­ler systé­ma­ti­que­ment le chi­en lorsque des tiers sont prés­ents (E. 5.1.).

Vor dem Hin­ter­grund des Gesag­ten ist das BGer der Ansicht, dass das Ehe­paar eine gro­sse Dis­zi­plin auf­brin­gen müs­se, um “Cha­lom” zu hal­ten. Gera­de in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen sei­en die Vor­ga­ben nicht ein­zu­hal­ten. Dies tref­fe etwa auf die Feri­en­zeit oder auf uner­war­te­te Besu­che Drit­ter zu. Durch die Spe­zi­al­hal­tung beim Ehe­paar kön­ne des­halb das Risi­ko erneu­ter Bis­s­at­tacken nicht aus­ge­schlos­sen wer­den. Mit­hin sei die Spe­zi­al­hal­tung unge­eig­net um die öffent­li­che Sicher­heit zu gewähr­lei­sten. Erschwe­rend kom­me hin­zu, dass die per­ma­nen­te Hal­tung von “Cha­lom” in einem Zwin­ger nicht mit der Wür­de des Tie­res i.S.v. Art. 3 lit. a TschG (Tier­schutz­ge­setz, SR 455) zu ver­ein­ba­ren sei.

Die Anord­nung der Ein­schlä­fe­rung durch das Vete­ri­när­amt des Kan­tons Waadt sei die ein­zi­ge geeig­ne­te Mass­nah­me, um ein Risi­ko zukünf­ti­ger Bis­s­at­tacken aus­zu­schlie­ssen und die öffent­li­che Sicher­heit zu gewähr­lei­sten.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.