Hin­ter­grund die­ses Urteils bil­de­te eine Kla­ge auf Her­aus­ga­be von — unter ande­rem — CHF 150’000 (zuzüg­lich Zin­sen). Der Beschwer­de­füh­re­rin hat­te die­sen Betrag der Beschwer­de­geg­ne­rin über­ge­ben, wel­che das Geld dar­auf­hin in einem Bank­schliess­fach depo­nier­te.

Der Beschwer­de­füh­rer mach­te gel­tend, er habe das Geld hin­ter­legt und kön­ne die­ses daher vin­di­zie­ren oder die Rück­erstat­tung gestützt auf den Hin­ter­le­gungs­ver­trag ver­lan­gen. Die Beschwer­de­geg­ne­rin stell­te sich dem­ge­gen­über auf den Stand­punkt, das Geld sei ihr geschenkt wor­den. Die Vor­in­stanz wies die Kla­ge mit der Begrün­dung ab, es feh­le “schlicht und ein­fach am Beweis des Rechts­grun­des” für die Her­aus­ga­be und auch die behaup­te­te Schen­kung sei nicht bewie­sen. Die Beschwer­de­geg­ne­rin kön­ne sich des­halb auf die Eigen­tums­ver­mu­tung gemäss Art. 930 ZGB beru­fen und der Beschwer­de­füh­rer tra­ge die Fol­ge der Beweis­lo­sig­keit (E. 4.1).

Das Bun­des­ge­richt rief zunächst sei­ne Recht­spre­chung zur Eigen­tums­ver­mu­tung (Art. 930 ZGB) in Erin­ne­rung, wonach sich der Besit­zer einer beweg­li­chen Sache auch dem­je­ni­gen gegen­über auf die Ver­mu­tung des Eigen­tums beru­fen kann, von dem er die Sache erhal­ten hat (E. 4.2). Sodann erin­ner­te das Bun­des­ge­richt dar­an, dass die­se Rechts­ver­mu­tung aus dem Besitz ent­fällt, wenn der Besitz zwei­deu­tig ist. Dies ist nament­lich dann der Fall, wenn die Umstän­de frag­wür­dig sind, unter denen der Besitz begrün­det wur­de. Bei unkla­ren Ver­hält­nis­sen kann sich der Besit­zer nach die­ser Recht­spre­chung somit nicht ein­fach auf sei­nen Besitz beru­fen, son­dern muss sich in wei­ter­ge­hen­der Wei­se hin­sicht­lich des behaup­te­ten Rechts legi­ti­mie­ren (E. 4.3).

Gestützt auf die­se Pra­xis hat­te das Bun­des­ge­richt bereits frü­her ent­schie­den (E. 4.2):

Auf zwei­deu­ti­gen Besitz, der die Eigen­tums­ver­mu­tung nicht zu begrün­den ver­mag, hat das Bun­des­ge­richt in sei­ner Recht­spre­chung auch in Fäl­len geschlos­sen, in denen der aktu­el­le Besit­zer sei­nen behaup­te­ten selb­stän­di­gen Besitz aus der Über­tra­gung der Sache vom frü­he­ren Eigen­tü­mer auf­grund eines umstrit­te­nen Rechts­grunds her­lei­te­te.

Auch im kon­kre­ten Fall erach­te­te das Bun­des­ge­richt die Umstän­de, unter denen die Beschwer­de­geg­ne­rin in den Besitz am umstrit­te­nen Geld­be­trag gekom­men war, ins­ge­samt als zwei­fel­haft und den Besitz als nicht so beschaf­fen, dass sich gestützt auf die Rechts­ver­mu­tung nach Art. 930 ZGB auf ein Eigen­tums­recht schlie­ssen lie­sse. Den Beschwer­de­füh­rer tref­fe des­halb kei­ne wei­ter­ge­hen­de Beweis­last. Viel­mehr hät­te die Beschwer­de­geg­ne­rin den Eigen­tums­er­werb bewei­sen müs­sen, was ihr gestützt auf die ver­bind­li­chen Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz nicht gelun­gen sei. Das Bun­des­ge­richt hob daher das Urteil der Vor­in­stanz in die­sem Punkt auf (E. 4.4 – 4.5).

Martin Rauber

Posted by Martin Rauber

RA Dr. Martin Rauber, LL.M, arbeitet als Rechtsanwalt bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Zuvor wirkte er als juristischer Sekretär am Bezirksgericht Horgen, wo er heute als nebenamtlicher Ersatzrichter im Einsatz steht. Er studierte an der Universität Freiburg i.Ue., der Université Libre de Bruxelles sowie an der University of Edinburgh (LL.M. Commercial Law).