Das Bun­des­ge­richt konn­te sich im vor­lie­gen­den Ent­scheid erst­mals zur Fra­ge äussern, wie der auf den Vor­be­zug ent­fal­len­de kon­junk­tu­rel­le Mehr­wert im Fal­le der güter­recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung vor Ein­tritt des Vor­sor­ge­fal­les zuzu­tei­len ist.

Die Ehe­leu­te unter­stan­den dem Güter­stand der Errun­gen­schafts­be­tei­li­gung; die Lie­gen­schaft erwar­ben sie als Mit­ei­gen­tü­mer. Die Finan­zie­rung der Lie­gen­schaft erfolg­te mehr­heit­lich über eine Hypo­thek und zu einem gerin­ge­ren Anteil über einen Vor­be­zug des Ehe­man­nes. Der auf der Lie­gen­schaft ent­stan­de­ne kon­junk­tu­rel­le Mehr­wert wur­de von der Vor­in­stanz hälf­tig zwi­schen den Ehe­gat­ten auf­ge­teilt. Dage­gen wehr­te sich der Ehe­mann vor Bun­des­ge­richt.

Das Bun­des­ge­richt setz­te sich aus­führ­lich mit den ver­schie­de­nen Lehr­mei­nun­gen aus­ein­an­der (E. 4.2.2. und E. 4.2.3.) und folg­te im Ergeb­nis der Mehr­heits­mei­nung. Gemäss Bun­des­ge­richt gilt dem­nach betref­fend Mehr­wert­zu­tei­lung Fol­gen­des:

  • Bis zum Ein­tritt des Vor­sor­ge­fal­les muss der Vor­be­zug als Dar­le­hen der Vor­sor­ge­ein­rich­tung qua­li­fi­ziert wer­den (“Ain­si, jusqu’à la sur­ven­an­ce d’un cas de pré­voy­an­ce, le ver­se­ment anti­ci­pé, qui se rap­por­te à une expec­ta­ti­ve […], doit être con­s­idé­ré com­me un prêt de l’institution de pré­voy­an­ce […].” (E. 4.3.1.).
  • Die Mas­sen­zu­ord­nung erfolgt gemäss Bun­des­ge­richt gestützt auf Art. 197 ff., wobei der Vor­be­zug als Dar­le­hen die­je­ni­ge Mas­se bela­stet, der die Lie­gen­schaft zuge­ord­net wird (E. 4.3.1.).
  • Fin­det die güter­recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung vor dem Vor­sor­ge­fall statt, so kom­men mit Bezug auf den auf dem Vor­be­zug erwirt­schaf­te­ten Mehr­wert gemäss Bun­des­ge­richt die glei­chen Regeln wie bei den Hypo­the­ken zur Anwen­dung. Ent­spre­chend wird der auf dem Vor­be­zug erwirt­schaf­te­te kon­junk­tu­rel­le Mehr­wert pro­por­tio­nal den betei­lig­ten Güter­ma­ssen des finanzierenden/versicherten Ehe­gat­ten zuge­ord­net. (“la plus-value affé­ren­te au ver­se­ment anti­ci­pé étant ain­si répar­tie selon la con­tri­bu­ti­on effec­tive de cha­cu­ne des masses de l’acquéreur au finan­ce­ment de l’immeuble.”) (E. 4.3.2.).

Das Bun­des­ge­richt bestä­tig­te den vor­in­stanz­li­chen Ent­scheid, da die Lie­gen­schaft zur Errun­gen­schaft des Ehe­gat­ten gehör­te und ent­spre­chend auch der kon­junk­tu­rel­le Mehr­wert auf die­se Mas­se zuge­teilt wer­den muss­te (E. 4.4.).

Sabine Herzog

Posted by Sabine Herzog

RA Dr. Sabine Herzog, LL.M, arbeitet als Rechtsanwältin bei Baker McKenzie in Zürich und ist schwergewichtig in der Prozessführung und in der Nachlassplanung tätig. Zuvor arbeitete sie als juristische Sekretärin am Bezirksgericht Horgen und am zürcherischen Handelsgericht. Sie hat an den Universitäten Zürich, Paris Ouest Nanterre La Defense (Frankreich) und der Columbia Law School (LL.M.) studiert und hat an der Universität Luzern im Bereich IPR und Erbrecht promoviert.