Das Bun­des­ge­richt klär­te in die­sem Ent­scheid die Fra­ge, ob es im Ehe­recht Bestim­mun­gen gibt, die auf For­de­run­gen zwi­schen Ehe­gat­ten gestützt auf Obli­ga­tio­nen­recht Zin­sen aus­schlie­ssen.

Dem Ent­scheid lag fol­gen­der Sach­ver­halt zu Grun­de: A. und B. hat­ten im Jahr 1991 gehei­ra­tet und im sel­ben Jahr rück­wir­kend auf den Zeit­punkt des Ehe­schlus­ses die Güter­tren­nung ver­ein­bart. Die Ehe­frau führ­te ein Ein­zel­un­ter­neh­men in der Tex­til­bran­che. Zwecks Finan­zie­rung des­sel­ben nahm sie u.a. bei der Ban­que Can­to­na­le de Fri­bourg (BCF) einen Kre­dit auf. Der Ehe­mann ver­pflich­te­te sich als Soli­dar­bür­ge. Am 19. April 2004 ging das Ein­zel­un­ter­neh­men der Ehe­frau Kon­kurs. Um als Soli­dar­bür­ge die Schuld gegen­über der BCF zu beglei­chen, nahm der Ehe­mann am 22. Novem­ber 2004 bei der BCF ein Dar­le­hen in der Höhe von CHF 106’987.95 auf. Der Anspruch der BCF ging in der Fol­ge im Umfang des an die BCF bezahl­ten Betra­ges auf den Ehe­mann über. Die Ehe­leu­te wur­den im Jahr 2012 geschie­den, wobei die Neben­fol­gen teil­wei­se strit­tig blie­ben. Die Ex-Ehe­frau wur­de zweit­in­stanz­lich im Zusam­men­hang mit der For­de­rung aus dem Bürg­schafts­ver­trag zur Bezah­lung von CHF 53’089 plus Zin­sen von 5% p.a. ab dem 22. Novem­ber 2004 ver­ur­teilt. Gegen die­ses Urteil erhob sie Beschwer­de beim Bun­des­ge­richt (E. 3). 

Die Ehe­frau bestritt vor dem Bun­des­ge­richt die Zins­zah­lungs­pflicht, nicht jedoch den For­de­rungs­be­trag; sie argu­men­tier­te im Wesent­li­chen, dass im Dar­le­hens­ver­trag zwi­schen der BCF und dem Ehe­mann kei­ne Zins­zah­lungs­pflicht ver­ein­bart wor­den sei und mach­te eine Ver­let­zung von Art. 507 OR gel­tend (E. 4.). Der Ehe­mann stell­te sich hin­ge­gen auf den Stand­punkt, dass das Bürg­schafts­recht nicht ein­schlä­gig sei. Viel­mehr sei gestützt auf Art. 41, Art. 99 Abs. 3 und Art. 73 Abs. 1 OR ein Scha­dens­zins von 5% ab Scha­dens­ein­tritt geschul­det (E. 4.).

Da die Par­tei­en im Zeit­punkt der Ent­ste­hung des Rück­griffs­rechts ver­hei­ra­tet waren, prüf­te das Bun­des­ge­richt vor­ab, ob es im Ehe­recht Spe­zi­al­be­stim­mun­gen gibt, wel­che die Bestim­mun­gen des Obli­ga­tio­nen­rechts betref­fend Zin­sen zwi­schen Ehe­leu­ten “ausser Kraft set­zen” (E. 5.1.).

  • Das Bun­des­ge­richt wies vor­ab dar­auf hin, dass das ehe­li­che Güter­recht kei­nen Ein­fluss auf die Fäl­lig­keit von For­de­run­gen zwi­schen Ehe­gat­ten hat. Ent­spre­chend hat der Gläu­bi­ger­ehe­gat­te das Recht, ab Fäl­lig­keit der For­de­rung die­se zu ver­lan­gen. Er kann jedoch ohne Rechts­ver­lust auch zuwar­ten, da gemäss Art. 134 Abs. 1 Ziff. 3 OR die Ver­jäh­rung wäh­rend der Ehe nicht beginnt bzw. still steht (E. 5.2.1.).
  • Als wei­te­re Erleich­te­rung von den Här­ten des Rechts erwähn­te das Bun­des­ge­richt die Art. 203 Abs. 2, Art. 235 Abs. 2 und Art. 250 Abs. 2 ZGB. Danach kann der Schuld­ner­ehe­gat­te die Ver­län­ge­rung einer Frist ver­lan­gen, wenn die Zah­lung von Geld­schul­den oder die Erstat­tung geschul­de­ter Sachen dem ver­pflich­te­ten Ehe­gat­ten ernst­li­che Schwie­rig­kei­ten berei­ten, wel­che die ehe­li­che Gemein­schaft gefähr­den (E. 5.2.1.).
  • Das Bun­des­ge­richt erwog sodann, dass das Ehe­recht kei­ne Bestim­mun­gen ent­hält, wel­che Zin­sen auf einer For­de­rung zwi­schen Ehe­gat­ten aus Ver­trag, uner­laub­ter Hand­lung oder unge­recht­fer­tig­ter Berei­che­rung grund­sätz­lich aus­schlie­ssen (E. 5.2.2.). Es wies auf die herr­schen­der Leh­re hin, wonach — ausser bei ander­wei­ti­ger ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung oder gericht­li­chem Ent­scheid — auf Schul­den zwi­schen Ehe­leu­ten kei­ne Zins­pflicht besteht. Die­se Lehr­mei­nung wer­de im Wesent­li­chen damit begrün­det, dass die Art. 203, Art. 235 und Art. 250 im Gegen­satz zu Art. 218 ZGB die Zins­pflicht nicht expli­zit vor­se­hen. Ähn­lich wie bei Art. 203 Abs. 2, Art. 235 Abs. 2 und Art. 250 Abs. 2 ZGB kön­ne der Ehe­gat­te, der durch sofor­ti­ge Bezah­lung einer For­de­rung in Schwie­rig­kei­ten gera­te, gestützt auf Art. 218 Abs. 1 ZGB ver­lan­gen, dass ihm Zah­lungs­fri­sten ein­ge­räumt wer­den. Art. 218 sehe jedoch zusätz­lich in Abs. 2 vor, dass die Betei­li­gungs­for­de­rung und der Mehr­wert­an­teil, soweit die Par­tei­en nichts ande­res ver­ein­ba­ren, vom Abschluss der Aus­ein­an­der­set­zung an zu ver­zin­sen sei­en. Das Bun­des­ge­richt ver­warf die h.L., gemäss wel­cher auf Schul­den zwi­schen Ehe­leu­ten kei­ne Zins­pflicht besteht mit der Begrün­dung, dass die Betei­li­gungs­for­de­rung und der Mehr­wert­an­teil zwei For­de­run­gen sind, wel­che sich im Rah­men der Errun­gen­schafts­be­tei­li­gung aus dem Ehe­recht erge­ben; Art. 218 Abs. 2 ZGB kön­ne die all­ge­mei­nen Regeln des Obli­ga­tio­nen­rechts mit Bezug auf Ansprü­che zwi­schen Ehe­gat­ten gestützt auf das gemei­ne Recht nicht ausser Kraft set­zen; dies sei ins­be­son­de­re bei Ehe­leu­ten der Fall , die der Güter­tren­nung unter­ste­hen (E. 5.2.2.).
  • Das Bun­des­ge­richt führ­te wei­ter aus, dass die ehe­li­che Unter­stütz­tungs­flicht (Art. 159 Abs. 2 und 3 ZGB) kei­ne genü­gen­de Rechts­grund­la­ge dafür sei, dass Zin­sen auf For­de­run­gen zwi­schen Ehe­gat­ten gestützt auf das Obli­ga­tio­nen­recht wäh­rend der Ehe grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen wären. Anwend­bar sei­en die all­ge­mei­nen Regeln.
  • Das Bun­des­ge­richt ent­schied, dass für die Zins­pflicht auf For­de­run­gen zwi­schen Ehe­leu­ten gestützt auf Obli­ga­tio­nen­recht die Regeln des Obli­ga­tio­nen­rechts ein­schlä­gig sind (E. 5.2.2.).

Das Bun­des­ge­richt unter­such­te schliess­lich die Zins­pro­ble­ma­tik im kon­kre­ten Fall anhand der Regeln des Obli­ga­tio­nen­rechts. Es hielt fest, dass der Ehe­mann durch Sub­ro­ga­ti­on am 22. Novem­ber 2004 die For­de­rung der Bank gegen­über der Ehe­frau, inklu­si­ve aller akzes­so­ri­schen Rech­te erwor­ben hat­te, nament­lich auch all­fäl­li­ge Zin­sen als Ent­gelt für das Dar­le­hen. Es führ­te aus, dass aus dem vor­in­stanz­li­chen Ent­scheid nicht her­vor­ge­he, dass sol­che remu­ne­ra­to­ri­sche Zin­sen zwi­schen der BCF und der Ex-Ehe­frau ver­ein­bart wor­den sei­en. Es prüf­te daher den Anspruch des Ehe­manns auf Ver­zugs­zin­sen und führ­te aus, dass mit Bezug auf die Höhe des Ver­zugs­zin­ses die Par­tei­en weder behaup­tet hät­ten, dass sie einen bestimm­ten Zins ver­ein­bart, noch einen Anspruch auf Ver­zugs­zins aus­ge­schlos­sen hät­ten. Es sei auch nicht behaup­tet wor­den, dass der Scha­den über dem gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Zins­satz von 5% lie­ge. Es kom­me daher grund­sätz­lich ein Ver­zugs­zins von 5% zur Anwen­dung. Da die Fak­ten im vor­in­stanz­li­chen Ent­scheid unvoll­stän­dig waren und der Ent­scheid kei­ne Anga­ben zum Zeit­punkt des Ver­zugs­ein­tritts ent­hielt, wies das Bun­des­ge­richt den Fall an die Vor­in­stanz zurück (E. 5.4.2.).

Sabine Herzog

Posted by Sabine Herzog

RA Dr. Sabine Herzog, LL.M, ist Partnerin bei HERZOG SCHÄR AG, Rechtsanwälte in Zürich und ist schwergewichtig in der Prozessführung und in der Nachlassplanung tätig. Zuvor war sie neun Jahre in einer internationalen Anwaltskanzlei in Zürich tätig und arbeitete davor als juristische Sekretärin am Bezirksgericht Horgen und am zürcherischen Handelsgericht. Sie hat an den Universitäten Zürich, Paris Ouest Nanterre La Defense (Frankreich) und der Columbia Law School (LL.M.) studiert und hat an der Universität Luzern im Bereich IPR und Erbrecht promoviert. Sabine Herzog ist Fachanwältin SAV Erbrecht.