Das gel­tende Adop­tion­srecht geht nach wie vor davon aus, dass grund­sät­zlich nur ver­heiratete Per­so­n­en ein Kind adop­tieren kön­nen. Gemäss Botschaft des Bun­desrates zur Revi­sion des Adop­tion­srechts (BBl 2015 877) entspricht dies nicht mehr den Anforderun­gen unser­er Zeit. Mit der Revi­sionsvor­lage soll den gesellschaftlichen Entwick­lun­gen seit der let­zten Revi­sion in den 1970er-Jahren Rech­nung getra­gen wer­den.

Die Revi­sion sieht im Wesentlichen die fol­gen­den Änderun­gen vor:

  • Bei der Adop­tion­sentschei­dung soll das Kindswohl weit­er gestärkt wer­den. Es kann ins­beson­dere von gewis­sen Adop­tionsvo­raus­set­zun­gen abgewichen wer­den, wenn dies im Inter­esse des Kindswohls geboten erscheint. Möglich ist beispiel­sweise eine Abwe­ichung vom Min­destal­ter für Adop­tivel­tern oder vom max­i­malen oder min­i­malen Alter­sun­ter­schied zwis­chen dem Adop­tivkind und den Adop­tivel­tern.
  • Es ist eine Öff­nung der Stiefkin­dadop­tion vorge­se­hen. Sie soll auch Paaren in einge­tra­gen­er Part­ner­schaft und Paaren in fak­tis­chen, ver­schieden- wie gle­ichgeschlechtlichen Lebens­ge­mein­schaften offen ste­hen. Es wird in allen Fällen voraus­ge­set­zt, dass die Paare seit min­destens drei Jahren einen gemein­samen Haushalt führen.
  • Im Gesetz soll zudem die Pflicht zur Anhörung des Kindes aufgenom­men wer­den.
  • Schliesslich soll auch das Adop­tion­s­ge­heim­nis konkretisiert und teil­weise gelock­ert wer­den. So sollen unter gewis­sen Voraus­set­zun­gen Auskün­fte der leib­lichen Eltern zur Iden­tität des Adop­tivkindes möglich wer­den.

In der Revi­sionsvor­lage nicht vorge­se­hen sind unter anderem die gemein­schaftliche Adop­tion für Paare in einge­tra­gen­er Part­ner­schaft oder für fak­tis­che Lebens­ge­mein­schaften.

Sabine Herzog

Posted by Sabine Herzog

RA Dr. Sabine Herzog, LL.M, ist Partnerin bei HERZOG SCHÄR AG, Rechtsanwälte in Zürich und ist schwergewichtig in der Prozessführung und in der Nachlassplanung tätig. Zuvor war sie neun Jahre in einer internationalen Anwaltskanzlei in Zürich tätig und arbeitete davor als juristische Sekretärin am Bezirksgericht Horgen und am zürcherischen Handelsgericht. Sie hat an den Universitäten Zürich, Paris Ouest Nanterre La Defense (Frankreich) und der Columbia Law School (LL.M.) studiert und hat an der Universität Luzern im Bereich IPR und Erbrecht promoviert. Sabine Herzog ist Fachanwältin SAV Erbrecht.