Im Urteil vom 21. Febru­ar 2015 beschäf­ti­ge sich das BGer mit der Fra­ge, ob der Kan­ton Zürich im Zusam­men­hang mit der Aus­rich­tung von Sti­pen­di­en zur Beschwer­de in öffent­lich-recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten an das BGer legi­ti­miert sei. A. absol­vier­te von Dezem­ber 2011 bis Juli 2013 eine Zweit­aus­bil­dung zur Betreu­ungs­fach­frau.

Nach­dem A. für das Aus­bil­dungs­jahr
2011/2012 Sti­pen­di­en im Umfang von Fr. 5’541.– erhielt, stell­te sie für das
Jahr 2012/2013 ein Wie­der­ho­lungs­ge­such beim Amt
Jugend und Berufs­be­ra­tung des Kan­tons Zürich (AJB). Das AJB wies das
Gesuch ab, da es auf­grund des gestie­ge­nen elter­li­chen Ein­kom­mens einen höhe­ren
Eltern­bei­trag anrech­ne­te. Gegen die­sen Ent­scheid führ­te A. Beschwer­de beim
Ver­wal­tungs­ge­richt des Kan­tons Zürich, wel­ches die Beschwer­de gut­hiess. Der
Kan­ton Zürich wie­der­um gelang­te mit Beschwer­de in öffent­lich-recht­li­chen
Ange­le­gen­hei­ten an das BGer, wobei das höch­ste Schwei­zer Gericht die Posi­ti­on
von A. stützt.

The­ma des Bun­des­ge­richts­ent­scheids ist die
Beschwer­de­le­gi­ti­ma­ti­on des Kan­tons Zürich. Die­ser beruft sich auf Art. 89 Abs.
BGG (Bun­des­ge­richts­ge­setz, SR 173.110), wonach der­je­ni­ge zur Beschwer­de in
öffent­lich-recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten legi­ti­miert ist, wel­cher vor der
Vor­in­stanz am Ver­fah­ren teil­ge­nom­men hat oder kei­ne Mög­lich­keit zur Teil­nah­me
erhal­ten hat, durch den ange­foch­te­nen Ent­scheid beson­ders berührt ist und ein
schutz­wür­di­ges Inter­es­se an des­sen Auf­he­bung oder Ände­rung hat. Zu die­ser Rege­lung sagt das BGer fol­gen­des:

Die­se Rege­lung ist in erster Linie auf Pri­vat­per­so­nen
zuge­schnit­ten, doch kann sich auch das Gemein­we­sen dar­auf stüt­zen, falls es
durch einen ange­foch­te­nen Ent­scheid gleich oder ähn­lich wie ein Pri­va­ter oder
aber in spe­zi­fi­scher, schutz­wür­di­ger Wei­se in der Wahr­neh­mung einer
hoheit­li­chen Auf­ga­be betrof­fen wird, nament­lich
wenn einem Ent­scheid prä­ju­di­zi­el­le Bedeu­tung für die öffent­li­che
Auf­ga­ben­er­fül­lung zukommt. Die Beschwer­de­be­fug­nis zur Durch­set­zung
hoheit­li­cher Anlie­gen setzt eine erheb­li­che Betrof­fen­heit in wich­ti­gen
öffent­li­chen Inter­es­sen vor­aus. Das all­ge­mei­ne Inter­es­se an der rich­ti­gen
Rechts­an­wen­dung begrün­det kei­ne Beschwer­de­be­fug­nis im Sin­ne die­ser Rege­lung (E.
2.1.). 

Das BGer führt wei­ter aus, dass die Legi­ti­ma­ti­on nicht schon
dann zu beja­hen sei, wenn ein Ent­scheid Aus­wir­kun­gen auf das Ver­mö­gen des
Gemein­we­sens habe. Zur Begrün­dung des all­ge­mei­nen Beschwer­de­rechts genü­ge nicht
jedes belie­bi­ge, mit der Erfül­lung einer öffent­li­chen Auf­ga­be direkt oder
indi­rekt ver­bun­de­ne finan­zi­el­le Inter­es­se des Gemein­we­sens. Anders sei­en
Kon­stel­la­tio­nen zu beur­tei­len, in denen es um finan­zi­el­le Lei­stun­gen aus
Rechts­ver­hält­nis­sen gehe, die zwar öffent­lich-recht­lich gere­gelt sind, aber
Ana­lo­gi­en haben zu ent­spre­chen­den pri­vat­recht­li­chen Insti­tu­ten (z.B.
Staats­haf­tungs­recht oder Ent­eig­nungs­recht). Aber auch dann müs­se der
Beschwer­de­füh­rer in qua­li­fi­zier­ter Wei­se in zen­tra­len hoheit­li­chen Inter­es­sen
berührt sein, wofür fol­gen­des gege­ben sein müs­se:

Eine sol­che Betrof­fen­heit wird in der Regel bejaht in Bezug
auf Lei­stun­gen der Sozi­al­hil­fe […] sowie den inter­kom­mu­na­len Finanz­aus­gleich
und ähn­li­che Rege­lun­gen […] und im Übri­gen dann, wenn die strei­ti­gen
finan­zi­el­len Lei­stun­gen eine beträcht­li­che Höhe errei­chen und die Beant­wor­tung
der Streit­fra­ge eine über den Ein­zel­fall hin­aus gehen­de prä­ju­di­zi­el­le Wir­kung
für die öffent­li­che Auf­ga­ben­er­fül­lung mit ins­ge­samt wesent­li­cher finan­zi­el­ler
Bela­stung hat […], nicht aber dann, wenn es bloss um eine ein­zel­fall­be­zo­ge­ne Beur­tei­lung ohne Grund­satz­fra­gen geht […] (E. 2.3.).

Obwohl der Kan­ton Zürich vor­bringt, dass der Ent­scheid des
Ver­wal­tungs­ge­richts Mehr­ko­sten von 3,8 Mio. bis 37 Mio. Fran­ken pro Jahr
ver­ur­sa­che, ist das BGer der Auf­fas­sung, dass das ange­foch­te­ne Urteil kei­nen
zen­tra­len Aspekt des Sti­pen­di­en­we­sens betref­fe und des­sen System als Gan­zes
nicht in Fra­ge stel­le. Da es sowohl im kon­kre­ten Fall als auch in Bezug auf die
Prä­ze­denz­wir­kung des ange­foch­te­nen Fal­les ein­zig um die Aus­wir­kun­gen auf die
Kan­tons­fi­nan­zen gehe, tritt das BGer man­gels Legi­ti­ma­ti­on nicht auf die
Beschwer­de ein. Schliess­lich gibt das BGer dem Kan­ton Zürich mit auf den Weg,
dass Organ­strei­tig­kei­ten zwi­schen der kan­to­na­len Exe­ku­ti­ve und der kan­to­na­len Judi­ka­ti­ve durch den Kan­ton geschlich­tet wer­den müss­ten, bei­spiels­wei­se auf dem Wege einer Geset­zes­re­vi­si­on.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.