Das Bun­des­ge­richt hat­te zu ent­schei­den, ob “Dirt-Biken” ein rela­ti­ves oder abso­lu­tes Wag­nis dar­stellt und damit die obli­ga­to­ri­sche Unfall­ver­si­che­rung ihre Lei­stun­gen kür­zen oder ver­wei­gern kann, wenn es zu einem Nicht­be­rufs­un­fall kommt (Urteil 8C_762/2014 vom 19. Janu­ar 2015, E. 2.3). Das Bun­des­ge­richt stuf­te “Dirt-Biken” als abso­lu­tes Wag­nis ein, bei dem sich die Ver­let­zungs­ge­fah­ren auch unter gün­sti­gen Umstän­den nicht auf ein ver­nünf­ti­ges Mass redu­zie­ren las­sen:

“4.3. Beim “Dirt-Biken” han­delt es sich um eine Vari­an­te des
Rad­sports. Es fin­det auf einem Gelän­de mit künst­li­chen Hügeln, etwa aus
Lehm, und ande­ren Hin­der­nis­sen statt. Die­se sind zwi­schen einem und vier
Metern hoch und die­nen unter ande­rem als Schan­zen. Mit dem Bike wer­den
Sprün­ge (Jumps) aus­ge­führt. Ziel des Sprun­ges ist es, in der Luft einen
Trick aus­zu­füh­ren. Die Liste der mög­li­chen Tricks ist umfas­send. Das
Bike wird etwa in der Luft quer gestellt, es wer­den Vor- und
Rück­wärts­sal­tos gemacht, der Len­ker wird um 360 Grad gedreht. Die
Sprün­ge erfol­gen unter Umstän­den ein- oder frei­hän­dig. Ziel des
Sport­lers ist es, einen mög­lichst spek­ta­ku­lä­ren Sprung aus­füh­ren zu
kön­nen […].
4.4. Sprün­ge mit einem Bike in grö­sse­rer Höhe ber­gen an sich
schon ein hohes Ver­let­zungs­ri­si­ko in sich, wel­ches auch durch eine
geeig­ne­te Schutz­klei­dung nicht rest­los mini­miert wer­den kann.
Dies
belegt der vor­lie­gen­de Fall. Die­ses Risi­ko ver­grö­ssert sich
selbst­re­dend, wenn in die Flug­pha­sen der Sprün­ge eine Akro­ba­tik
ein­ge­baut wird.
Die Gefahr ergibt sich einer­seits aus der
Geschwin­dig­keit, mit der gefah­ren wird, and­rer­seits aus den Tricks, die
Ziel des Dirt-Jumps sind. Dabei kann — anders als es die Vor­in­stanz
annimmt — nicht gesagt wer­den, beim hob­by­mä­ssi­gen Aus­üben die­ser
Sport­art wür­den kei­ne gefähr­li­chen Sprün­ge aus­ge­führt. Die Wahl der
Geschwin­dig­keit und des Schwe­re­gra­des der Sprün­ge liegt allein beim
Sport­ler. Da das Ziel die­ser Sport­art dar­in besteht, mög­lichst
spek­ta­ku­lä­re, attrak­ti­ve Sprün­ge aus­zu­üben, ist es auch beim nicht
wett­kampf­mä­ssi­gen “Dirt-Biken” erstre­bens­wert, immer höher oder wei­ter
zu sprin­gen und den Schwe­re­grad der Ein­la­gen zu erhö­hen. Dar­in liegt
gera­de die Her­aus­for­de­rung die­ser Sport­art. Dies führt zu einem nicht
mehr ver­tret­ba­ren Gefähr­dungs­po­ten­zi­al.
Die­ses lässt sich nur auf ein
ver­nünf­ti­ges Mass redu­zie­ren, wenn die vor­ge­ge­be­nen künst­li­chen
Hin­der­nis­se und Schan­zen eine mini­ma­le Höhe nicht über­schrei­ten und
daher gefähr­li­che Jumps gar nicht durch­ge­führt wer­den kön­nen. Ist dies
nicht der Fall, kann eben gera­de nicht gesagt wer­den, der bloss
hob­by­mä­ssi­ge Biker wer­de sein Risi­ko beschrän­ken; viel­mehr liegt der
Reiz der Sport­art dar­in, bezüg­lich der Höhe der Sprün­ge und der
Schwie­rig­keit der Tricks an sei­ne Gren­zen zu gehen. Damit wird das
Risi­ko unkal­ku­lier­bar. […]

4.7. Ist das erheb­li­che Gefah­ren­po­ten­zi­al nicht auf ein
ver­nünf­ti­ges Mass redu­zier­bar, muss “Dirt-Biken” als abso­lu­tes Wag­nis
bezeich­net wer­den. Vor­be­hal­ten bleibt das Biken auf Gelän­de oder
Anla­gen, die eigent­li­che Dirt-Jumps gar nicht zulas­sen.”

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).