Das Bun­des­ge­richt hat­te sich mit meh­re­ren Ver­ant­wort­lich­keits­kla­gen gestützt auf Art. 52 Abs. 1 und Art. 56a Abs. 1 BVG betref­fend Vor­gän­ge rund um eine BVG-Sam­mel­stif­tung zu befas­sen. Elf Beschwer­de­ver­fah­ren wur­den beim Bun­des­ge­richt ange­strengt, die alle ein und den­sel­ben kan­to­na­len Ent­scheid betra­fen. Dar­aus resul­tier­ten fünf Urtei­le, die zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­hen sind. Aus den aus­führ­li­chen Erwä­gun­gen in den ein­zel­nen Ent­schei­den des Bun­des­ge­richts sei­en an die­ser Stel­le nur eini­ge weni­ge Fest­stel­lun­gen her­aus­ge­grif­fen:

  • Das Bun­des­ge­richt erin­ner­te an sei­ne Recht­spre­chung, wonach die Haf­tung eines Stif­tungs­rats kei­ner Karenz­frist unter­liegt. Der Stif­tungs­rat muss ab dem Tag der effek­ti­ven Begrün­dung der Organ­stel­lung sei­nen Sorg­falts­pflich­ten in jeder Hin­sicht nach­kom­men. Das bedingt, dass er sich bereits vor Man­dats­an­tritt ein genü­gend umfas­sen­des Bild über die Ein­rich­tung der beruf­li­chen Vor­sor­ge ver­schafft (Urteil 9C_263/2014, E. 6.1).
  • Die Inter­es­sen­kon­flik­te, wel­che die Stif­tung mit dem rund um sie auf­ge­bau­ten Fir­men­kon­glo­me­rat her­vor­ge­ru­fen hat, hät­te die invol­vier­ten Ver­ant­wort­li­chen auf­merk­sa­mer machen müs­sen. Ein­zel­ne Stif­tungs­rä­te durf­ten sich unter den gege­be­nen Umstän­den nicht auf Aus­sa­gen der ande­ren Stif­tungs­rä­te ver­las­sen, auch wenn die­se aus­ge­wie­se­ne Fach­ex­per­ten waren (Urteil 9C_263/2014, E. 6.2.3).
  • Ein Stif­tungs­rat darf sich nicht allein an den Zah­len und am Ergeb­nis ori­en­tie­ren. Der Deckungs­grad als Moment­auf­nah­me reicht nicht aus, um die finan­zi­el­le Lage einer Vor­sor­ge­ein­rich­tung zu beur­tei­len. Der Stif­tungs­rat trägt viel­mehr die Ver­ant­wor­tung für ein gesetz­lich und regle­men­ta­risch kor­rek­tes Han­deln, wes­halb er sich auch um die Gege­ben­hei­ten hin­ter den Zah­len küm­mern muss (Urteil 9C_263/2014, E. 6.2.3).
  • Tritt eine Gesell­schaft als Ver­mö­gens­ver­wal­te­rin bzw. Finanz­in­ter­me­diä­rin einer Ein­rich­tung der beruf­li­chen Vor­sor­ge auf, muss sie dar­auf ach­ten, kei­ne gebun­de­nen Mit­tel aus dem Stif­tungs­ver­mö­gen abflie­ssen zu las­sen, die beson­de­ren Anla­ge­vor­schrif­ten unter­lie­gen. Löst sie den­noch Zah­lun­gen aus, obwohl sie wuss­te oder hät­te wis­sen müs­sen, dass der Geld­mit­tel­ab­fluss zweck­wid­rig und geeig­net war, der Stif­tung Scha­den zuzu­fü­gen, kann sie dafür unter Umstän­den haft­bar gemacht wer­den (Urteil 9C_229/2014, E. 5.3).
  • Wer kei­ne Auf­ga­be im Bereich der beruf­li­chen Vor­sor­ge wahr­nimmt, kann nicht gestützt auf Art. 56a Abs. 1 BVG haft­bar gemacht wer­den. Vor­be­hal­ten blei­ben Durch­griffs­fäl­le (Urteil 9C_230/2014, E. 3.3).
  • Die jähr­li­chen Prü­fungs­auf­ga­ben der Kon­troll­stel­le einer Ein­rich­tung der beruf­li­chen Vor­sor­ge sind in E. 6.1 des Urteils 9C_247/2014 prä­gnant dar­ge­stellt. Die Kon­troll­stel­le darf sich ins­be­son­de­re nicht pas­siv ver­hal­ten und muss für das Haupt­ak­ti­vum der Stif­tung zwin­gend Bele­ge ver­lan­gen und zwei­fel­haf­ten Buchun­gen nach­ge­hen (Urteil 9C_247/2014, E. 6.2.3 und 7).
  • Der BVG-Exper­te geht mit der beruf­li­chen Vor­sor­ge­ein­rich­tung ein Dau­er­ver­hält­nis ein und ist gehal­ten, die finan­zi­el­le Sicher­heit lau­fend zu über­wa­chen. Das Schrei­ben des Bun­des­am­tes für Sozi­al­ver­si­che­run­gen betref­fend die Bericht­erstat­tung vom 19. Janu­ar 2005 ent­hält ledig­lich Min­dest­vor­ga­ben (Urteil 9C_248/2014, E. 6).

Jeweils aus­drück­lich offen las­sen konn­te das Bun­des­ge­richt die Fra­ge, ob die dif­fe­ren­zier­te Soli­da­ri­tät nach Art. 759 Abs. 1 OR auch in Bezug auf die berufs­vor­sor­ge­recht­li­che Ver­ant­wort­lich­keit Anwen­dung fin­det.

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).