Im vor­lie­gen­den Urteil setz­te sich das Bun­des­ge­richt mit den Anfor­de­run­gen an eine Bestrei­tung des Lasten­ver­zeich­nis­ses (Art. 140 SchKG) aus­ein­an­der. Das Bun­des­ge­richt ent­schied, dass die Bestrei­tung nicht sub­stan­ti­iert wer­den muss und sich weder auf den Bestand der Last noch deren Rang oder Durch­setz­bar­keit bezie­hen muss. Bestrei­tet der Schuld­ner die Höhe des Zin­ses und den Beginn des Zin­sen­lau­fes, bestrei­tet er die For­de­rung und das Betrei­bungs­amt muss eine Frist von 20 Tagen zur Kla­ge­ein­rei­chung anset­zen.

Dem Ent­scheid lag fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de: Das Betrei­bungs­amt hat­te für die Zwangs­ver­wer­tung eines Grund­stücks gestützt auf das Grund­buch ein Lasten­ver­zeich­nis erstellt. Hier­bei führ­te es vier Schuld­brie­fe, deren Inha­ber unbe­kannt waren, auf und zwar mit dem Schuld­brief­be­trag, erhöht um den seit dem Tag der Ein­rei­chung des Ver­wer­tungs­be­geh­rens auf­ge­lau­fe­nen Zins von 10%, was dem im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen Maxi­mal­zins­fuss ent­sprach. Gestützt auf Art. 140 SchKG wider­sprach der Schuld­ner dem Lasten­ver­zeich­nis, bestritt sowohl den Zins­satz als auch den Zins­be­ginn und for­der­te einen Zins von 5% und Fest­set­zung des Zin­sen­laufs auf den Tag des Grund­stücks­ver­kaufs. Das Betrei­bungs­amt hielt in der Fol­ge am Lasten­ver­zeich­nis fest und setz­te auch kei­ne Frist i.S.v. Art. 107 Abs. 5 SchKG zur Kla­ge­ein­rei­chung an. Hier­ge­gen ver­such­te der Schuld­ner mit­tels Rechts­mit­teln vor­zu­ge­hen, wobei er mit sei­nem Antrag auf Sus­pen­siv­wir­kung unter­lag, wes­halb das Grund­stück am 13. Dezem­ber 2013 (einem Frei­tag…) ver­kauft wur­de.

Das Bun­des­ge­richt trat nichts­de­sto­trotz auf die Rechts­ver­wei­ge­rungs­be­schwer­de ein und begrün­de­te das schutz­wür­di­ge Inter­es­se des Schuld­ners damit, dass die Gut­hei­ssung der Beschwer­de die anstatt der Fri­stan­set­zung vor­ge­nom­me­nen Ver­fah­rens­schrit­te rück­wir­kend dahin­fal­len las­se (E. 2). 

Zur Kern­fra­ge, ob denn der Schuld­ner über­haupt ein im Lasten­ver­zeich­nis auf­ge­führ­tes Recht bestrit­ten hat­te, hielt das Bun­des­ge­richt in E. 4.3 was folgt fest: 

„Il ne res­sort pas du cour­ri­er du recou­rant que celui-ci aurait repro­ché à l’office d’avoir por­té à l’état des char­ges le taux de 10% ou qu’il se serait préva­lu d’un aut­re défaut de natu­re for­mel­le, com­me une err­eur de report ou une tran­scrip­ti­on peu clai­re ou incom­plète, griefs pou­vant fai­re l’objet d’une plain­te. Il appa­raît qu’il s’est plaint de l’application à la créan­ce du taux d’intérêt de 10% tel qu’il résul­tait du Regist­re fon­cier et du point de départ des inté­rêts. Con­trai­re­ment à ce qu’a retenu l’autorité can­to­na­le, il s’en est ain­si pris à l’étendue de la créan­ce garan­tie.“ 

Ent­spre­chend wur­de die Beschwer­de gut­ge­hei­ssen und das Betrei­bungs­amt ange­wie­sen, gem. Art. 39 VZG i.V.m. Art. 107 Abs. 5 SchKG die Klä­ger­rol­le zuzu­wei­sen und Frist zur Kla­ge­ein­rei­chung anzu­set­zen.

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.