A. wohnt in Deutsch­land und arbei­tet seit 2002 mit gül­ti­ger Grenz­gän­ger­be­wil­li­gung in Basel. Im Novem­ber 2013 gelang­te A. an die Gemein­sa­me Ein­rich­tung KVG und bean­trag­te, in eine “gesetz­li­che Schwei­zer Kran­ken­ver­si­che­rung” zu wech­seln. Das Amt für Sozi­al­bei­trä­ge Basel-Stadt lehn­te in der Fol­ge das Gesuch von A. um “Auf­he­bung der Befrei­ung von der schwei­ze­ri­schen Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht” ab. Das Sozi­al­ver­si­che­rungs­ge­richt des Kan­tons Basel-Stadt wies das Anlie­gen von A. eben­falls ab. Das Bun­des­ge­richt hiess dem­ge­gen­über die Beschwer­de von A. gut (Urteil 9C_801/2014 vom 10. März 2015).

Das Bun­des­ge­richt stell­te fest, dass A. von Art. 1 Abs. 2 lit. d KVV erfasst wird, wonach sich Grenz­gän­ger gemäss Frei­zü­gig­keits­ab­kom­men und des­sen Anhang II inner­halb von drei Mona­ten nach Ent­ste­hung der Ver­si­che­rungs­pflicht in der Schweiz zu ver­si­chern haben. Damit unter­stand A. unge­ach­tet einer Kran­ken­ver­si­che­rungs­deckung in Deutsch­land ab 2002 der Ver­si­che­rungs­pflicht in der Schweiz (E. 2.2.1 und 3.1).

A. hat­te nie ein Gesuch um Befrei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht gestellt, was gestützt auf Anhang II zum Frei­zü­gig­keits­ab­kom­men inner­halb von drei Mona­ten nach Ent­ste­hung der Ver­si­che­rungs­pflicht in der Schweiz mög­lich gewe­sen wäre (E. 3.1). Gemäss Bun­des­ge­richt kann ein sol­ches Gesuch nicht still­schwei­gend (kon­klu­dent) gestellt wer­den. Erfor­der­lich ist ein aus­drück­li­ches Gesuch und der Nach­weis, dass im Wohn­staat sowie wäh­rend eines Auf­ent­halts in einem Mit­glied­staat der EU und in der Schweiz Deckung für den Krank­heits­fall besteht (E. 3.3).

Ein Bei­tritts­ge­such mit Wir­kung ex nunc ist dem­ge­gen­über nach Art. 7 Abs. 4 Satz 3 KVV jeder­zeit mög­lich (E. 3.3). Der ange­foch­te­ne Ent­scheid, mit dem A. und sei­nen Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen der Bei­tritt zur schwei­ze­ri­schen obli­ga­to­ri­schen Kran­ken­pfle­ge­ver­si­che­rung ver­wehrt wur­de, ver­letz­te daher Bun­des­recht (E. 4).

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).