Im vor­lie­gen­den Ent­scheid ent­schied das Bun­des­ge­richt, ob und wel­che Anord­nun­gen bei der Gewäh­rung einer pro­vi­so­ri­schen Nach­lass­stun­dung ange­foch­ten wer­den kön­nen. Das Bun­des­ge­richt ent­schied, dass gegen die Ein­set­zung eines pro­vi­so­ri­schen Sach­wal­ters bei der zustän­di­gen kan­to­na­len Instanz (und nicht direkt beim Bun­des­ge­richt) gel­tend gemacht wer­den kann, dass der pro­vi­so­ri­sche Sach­wal­ter nicht über die not­wen­di­ge Qua­li­fi­ka­ti­on oder Objek­ti­vi­tät ver­fügt. Wei­ter ent­schied das Bun­des­ge­richt, dass Ver­fü­gun­gen bezüg­lich Kosten­vor­schüs­se nicht mit (Aufsichts-)Beschwerde (Art. 17 SchKG), son­dern mit Beschwer­de nach Art. 319 ff. ZPO ange­foch­ten wer­den kön­nen (Art. 295c Abs. 1 SchKG).

Die Schuld­ne­rin führ­te beim Bun­des­ge­richt Beschwer­de gegen einen Ent­scheid des (erst­in­stanz­li­chen) Gen­fer Nach­lass­ge­richts, wel­ches unter ande­rem die pro­vi­so­ri­sche Nach­lass­stun­dung gewährt, einen pro­vi­so­ri­schen Sach­wal­ter ein­ge­setzt und den Vor­schuss für die Kosten des pro­vi­so­ri­schen Sach­wal­ters auf CHF 40‘000 fest­ge­setzt hat­te.

Das Bun­des­ge­richt erwog, dass eine Beschwer­de in Zivil­sa­chen wie eine sub­si­diä­re Ver­fas­sungs­be­schwer­de grund­sätz­lich nur gegen Ent­schei­de letz­ter kan­to­na­ler Instan­zen, des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts und des Bun­des­pa­tent­ge­richts zuläs­sig ist. Beim Nach­lass­ge­richt han­delt es sich um kei­ne sol­che Vor­in­stanz. Wäh­rend vor dem Inkraft­tre­ten von Art. 293d SchKG noch strei­tig war, ob ein Rechts­mit­tel gegen die pro­vi­so­ri­sche Stun­dung zuläs­sig ist, ist seit dem 1. Janu­ar 2014 klar, dass gegen die Bewil­li­gung der pro­vi­so­ri­schen Stun­dung und die Ein­set­zung des pro­vi­so­ri­schen Sach­wal­ters kein Rechts­mit­tel gege­ben ist. Ein Rechts­mit­tel kann erst gegen defi­ni­ti­ve Anord­nun­gen ergrif­fen wer­den. Sofern aber gegen die Per­son des Sach­wal­ters (und nicht gegen die Ein­set­zung eines Sach­wal­ters an sich) Beschwer­de geführt wird, kann, da die Stel­lung des pro­vi­so­ri­schen Sach­wal­ters in die­ser Pha­se mit der­je­ni­gen des defi­ni­ti­ven Sach­wal­ters iden­tisch ist (Art. 293b SchKG), gemäss Art. 319 ff. ZPO Beschwer­de geführt und gel­tend gemacht wer­den, dass der ein­ge­setz­te pro­vi­so­ri­sche Sach­wal­ter nicht genü­gend qua­li­fi­ziert und/oder objek­tiv ist.

Wei­ter erwog das Bun­des­ge­richt, dass gegen Ent­schei­de des Nach­lass­ge­richts kei­ne (Aufsichts-)Beschwerde nach Art. 17 ff. SchKG geführt wer­den kann. Strei­tig­kei­ten über Kosten­vor­schüs­se sind daher gemäss Art. 295c SchKG mit der Beschwer­de nach Art. 319 ff. ZPO anzu­fech­ten.

Folg­lich trat das Bun­des­ge­richt man­gels Aus­schöp­fung des kan­to­na­len Instan­zen­wegs nicht auf die Beschwer­de ein.

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.