Im zur Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Ent­scheid 1C_716/2013 beschäf­tig­te sich das BGer mit einer durch die Gemein­de Haut-Vul­ly vor­ge­nom­me­nen for­mel­len Ent­eig­nung. Um der Öffent­lich­keit das Ufer des Mur­ten­sees zugäng­lich zu machen, beschlos­sen die Gemein­den Haut-Vul­ly und Bas-Vul­ly die Errich­tung eines öffent­li­chen Fuss­wegs, wel­cher u.a. die Par­zel­le von A. tan­gier­te. Mit Ver­fü­gung vom 9. Mai 2001 eröff­ne­te der Prä­si­dent der Ent­eig­nungs­kom­mis­si­on ein abge­kürz­tes Ent­eig­nungs­ver­fah­ren um den Gemein­den die not­wen­di­gen Weg­rech­te zula­sten von A. ein­räu­men zu kön­nen. Die Ent­eig­nungs­kom­mis­si­on sprach A. einen Betrag von Fr. 520.– für die Dienst­bar­keit und einen Betrag von Fr. 148’930.– für den Min­der­wert des ver­blei­ben­den Grund­stücks zu. Das Kan­tons­ge­richt Frei­burg wie­der­um redu­zier­te den Betrag auf ledig­lich Fr. 520.–. A. rich­te­te gegen die­sen Ent­scheid eine Beschwer­de an das BGer, wel­ches A.‘s Begeh­ren abweist. 

A. macht im Wesent­li­chen gel­tend, dass die Höhe der Ent­schä­di­gung gegen Art. 26 Abs. 2 BV und Art. 28 der Ver­fas­sung des Kan­tons Frei­burg (KV, SGF 10.1) ver­sto­sse. Das BGer stützt sich auf Art. 23 Abs. 1 des Geset­zes über die Ent­eig­nung des Kan­tons Frei­burg (EntG, SGF 76.1), wonach die fol­gen­den Schä­den zu ver­gü­ten sind:

  • Der Ver­kehrs­wert des ent­eig­ne­ten Rechts (lit. a);
  • Der Betrag, um den sich der Ver­kehrs­wert des ver­blei­ben­den Teils ver­min­dert, wenn von einem Grund­stück nur ein Teil ent­eig­net wird (lit. b);
  • Die wei­te­ren, dem Ent­eig­ne­ten ver­ur­sach­ten Nach­tei­le, die nach dem gewöhn­li­chen Lauf der Din­ge als not­wen­di­ge Fol­ge der Ent­eig­nung betrach­tet wer­den kön­nen (lit. c).

Das BGer führt aus, dass das Kan­tons­ge­richt Frei­burg den Ver­kehrs­wert des ent­eig­ne­ten Rechts nicht will­kür­lich fest­ge­legt habe. Der ent­spre­chen­de Peri­me­ter befin­de sich im Gewäs­ser­raum und sei von Bau­ten und Anla­gen frei­zu­hal­ten. Im Gegen­satz zur Ansicht von A. betra­ge der Wert eines Qua­drat­me­ters Land nicht Fr. 760.–, son­dern Fr. 10.–. 

Der Min­der­wert des ver­blei­ben­den Grund­stücks wie­der­um sei zu berech­nen, indem der Wert des Grund­stücks mit der Dienst­bar­keit vom Wert des Grund­stücks ohne Dienst­bar­keit sub­tra­hiert wer­den müs­se. Dabei sei ins­be­son­de­re zu unter­su­chen, inwie­fern der ent­eig­ne­te Peri­me­ter als Schutz­schild gegen nach­bar­schaft­li­che Immis­sio­nen und als Garan­tie einer frei­en Sicht die­ne. Sofern der ent­eig­ne­te Peri­me­ter jedoch eine gerin­ge Flä­che und kei­ne spe­zi­fi­sche Schutz­funk­ti­on auf­wei­se, sei nach den Regeln der Ent­eig­nung nach­bar­recht­li­cher Abwehr­an­sprü­che (Art. 684 ff. ZGB) vor­zu­ge­hen. Kon­kret gin­gen von den Fuss­gän­gern kei­ne unzu­mut­ba­ren Schallim­mis­sio­nen aus. Zudem sei es ver­bo­ten, auf dem Fuss­weg Fahr­rä­der oder ande­re Fahr­zeu­ge zu benut­zen. Schliess­lich sei­en die Gemein­den ver­pflich­tet wor­den, einen Sicht­schutz zu instal­lie­ren. In Anbe­tracht die­ser Umstän­de füh­re die Ent­eig­nung nicht zu einem Min­der­wert des rest­li­chen Grund­stücks.

Dem Ent­eig­ne­ten sei­en gemäss Aus­füh­run­gen des BGer auch kei­ne wei­te­ren Nach­tei­le (z.B. Archi­tek­ten­ho­no­ra­re für die durch die Ent­eig­nung beding­te Anpas­sung bestehen­der Gebäu­de) ent­stan­den. Des­halb sei die Ent­schä­di­gung von gesamt­haft Fr. 520.– (52 m2 à Fr. 10.–) gerecht­fer­tigt.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.