Im vor­lie­gen­den Ent­scheid befass­te sich das Bun­des­ge­richt mit Art. 291 SchKG und den Vor­aus­set­zun­gen der defi­ni­ti­ven Rechts­öff­nung.

Dem Ent­scheid lag fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de:

Der Schuld­ner hat­te ein Grund­stück sowie einen auf dem Grund­stück lasten­den Schuld­brief an sei­ne Ehe­frau, A.A., über­tra­gen. Die Bank B., wel­che den Schuld­ner betrie­ben hat­te und nicht voll­stän­dig befrie­digt wur­de, führ­te gegen A.A. eine Anfech­tungs­kla­ge. Das Kan­tons­ge­richt des Kan­tons Waadt ent­schied zu Gun­sten der Bank B. und ver­pflich­te­te A.A., den Schuld­brief zurück­zu­über­tra­gen. Soll­te sie die­ser Anord­nung nicht Fol­ge lei­sten, wur­de sie ver­pflich­tet, statt­des­sen einen Betrag von CHF 1‘000‘000 an das Betrei­bungs­amt zu bezah­len.

Die Bank B. ver­such­te in der Fol­ge, den Schuld­brief pfän­den zu las­sen, schei­ter­te aber mit dem Pfän­dungs­be­geh­ren, da der Schuld­brief an einen gut­gläu­bi­gen Drit­ten über­tra­gen wor­den war. Aus die­sem Grund lei­te­te die Bank B. eine Betrei­bung gegen A.A. ein und for­der­te von die­ser die Bezah­lung von CHF 1‘000‘000. Die­se wehr­te sich und mach­te im Rechts­öff­nungs­ver­fah­ren gel­tend, dass die ihr auf­er­leg­te Pflicht, CHF 1‘000‘000 zu bezah­len, sus­pen­siv bedingt sei und ein voll­streck­ba­rer gericht­li­cher Ent­scheid bei einer beding­ten Ver­ur­tei­lung nur dann vor­lie­gen wür­de, wenn die beding­ten Tat­sa­chen gerichts­no­to­risch oder unbe­strit­ten sei­en, was vor­lie­gend nicht der Fall sei. Wei­ter mach­te A.A. gel­tend, dass die Bank B. nicht berech­tigt sei, CHF 1‘000‘000 zu for­dern, da sie die­sen Betrag gemäss dem Ent­scheid des Kan­tons­ge­richts an das Betrei­bungs­amt und nicht an die Bank B. bezah­len müs­se (E. 5).

Das Bun­des­ge­richt mach­te in einem ersten Schritt all­ge­mei­ne Aus­füh­run­gen zu Art. 291 SchKG (E. 4) und hielt anschlie­ssend fest, dass die Vor­brin­gen von A.A. bezüg­lich Bedingt­heit des Ent­scheids irrele­vant sei­en, da aus ihrer eige­nen Argu­men­ta­ti­on her­vor­ge­he, dass sie den Schuld­brief nicht zurück­über­tra­gen habe (E. 6). Wei­ter kam das Bun­des­ge­richt zum Schluss, dass A.A. gemäss dem Ent­scheid des Kan­tons­ge­richts zwar an das Betrei­bungs­amt zah­len müs­se, die­ses jedoch im Ent­scheid nicht als Gläu­bi­ge­rin bezeich­net wur­de. Der Bank B. sei im Ver­fah­ren vor dem Kan­tons­ge­richt ein Scha­dens­er­satz­an­spruch gegen­über Drit­ten, A.A., zuge­spro­chen wor­den. Der Ein­wand von A.A., dass die Bank B. nicht mit der im Ent­scheid des Kan­tons­ge­richts als Gläu­bi­ge­rin bezeich­ne­te Per­son iden­tisch sei, gehe daher fehl (E. 6). Die Beschwer­de von A.A. wur­de abge­wie­sen.

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.