Im vor­lie­gen­den Ent­scheid ging es um die Fra­ge, ob die Gerichts­fe­ri­en gemäss ZPO auch bei der Beschwer­de nach Art. 17 SchKG gel­ten, sowie um den Hin­weis gemäss Art. 145 Abs. 3 ZPO.

Dem Urteil lag fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de: A. und B. (Beschwer­de­füh­rer) sind Eigen­tü­mer eines Grund­stücks. Mit Schrei­ben vom 14. Juli 2014 teil­te ihnen das Betrei­bungs­amt das Ergeb­nis der betrei­bungs­amt­li­chen Schät­zung des Grund­stücks mit. Dage­gen erho­ben die Beschwer­de­füh­rer am 25. August 2014 beim Bezirks­ge­richt als unte­rer kan­to­na­ler Auf­sichts­be­hör­de Beschwer­de mit dem Antrag, die Schät­zung sei auf­zu­he­ben und das Grund­stück sei neu auf min­de­stens Fr. 1’150’000.– zu schät­zen. Mit Zir­ku­la­ti­ons­be­schluss vom 23. Sep­tem­ber 2014 trat das Bezirks­ge­richt auf die Beschwer­de nicht ein.

Umstrit­ten war, ob die Beschwer­de­füh­rer recht­zei­tig Beschwer­de an das Bezirks­ge­richt erho­ben hat­ten. Zwar war vor Ober­ge­richt nicht mehr bestrit­ten, dass der Fri­sten­still­stand vom 15. Juli bis 15. August gemäss Art. 145 Abs. 1 lit. b ZPO nicht galt. Aller­dings mach­ten die Beschwer­de­füh­rer gel­tend, sie hät­ten auf die­se Aus­nah­me vom Fri­sten­still­stand hin­ge­wie­sen wer­den müs­sen, wes­halb der Fri­sten­still­stand aus­nahms­wei­se doch gel­te (E. 2).

Das Bun­des­ge­richt erwog, dass die betrei­bungs­recht­li­che Beschwer­de gemäss Art. 17 SchKG — und ent­spre­chend auch das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren auf Neu­schät­zung eines Grund­stücks — kei­ne “gericht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten des Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurs­rechts” gemäss Art. 1 lit. c ZPO sei­en. Des­halb wür­den die Gerichts­fe­ri­en gemäss Art. 145 Abs. 1 ZPO und die Pflicht zur Beleh­rung über die Nicht­gel­tung von Gerichts­fe­ri­en für die Beschwer­de von vorn­her­ein nicht gel­ten. Viel­mehr rich­te sich die Fra­ge der Frist­wah­rung nach Art. 56 Ziff. 2 SchKG (Betrei­bungs­fe­ri­en) und Art. 63 SchKG (Wir­kun­gen der Betrei­bungs­fe­ri­en auf den Fri­sten­lauf). Weder das SchKG noch die VZG sähen eine Pflicht zur Beleh­rung über die Nicht­gel­tung der Gerichts­fe­ri­en der ZPO (mit frist­ver­län­gern­der Wir­kung bei unter­blie­be­ner Beleh­rung) vor, und auch aus Art. 31 SchKG las­se sich nichts Gegen­tei­li­ges ablei­ten (E. 3). Die Beschwer­de wur­de abge­wie­sen.

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.