Nach Aus­wer­tung der Ver­nehm­las­sungs­er­geb­nis­se zur Reform des Ver­rech­nungs­steu­er­ge­set­zes (VStG; SR 642.21) ver­zich­tet der Bun­des­rat bis auf wei­te­res dar­auf, das umfas­sen­de Reform­pro­jekt dem Par­la­ment vor­zu­le­gen. Der Kern der Reform (Wech­sel vom Schuld­ner- zum Zahl­stel­len­prin­zip) erscheint momen­tan nicht rea­li­sier­bar. Hin­ge­gen soll die Aus­nah­me von der Ver­rech­nungs­steu­er für gewis­se Kapi­tal­in­stru­men­te bei­be­hal­ten und erwei­tert wer­den, u.a. um damit die System­sta­bi­li­tät zu erhö­hen. Dies hat der Bun­des­rat am 24. Juni 2015 ent­schie­den und das EFD mit der Aus­ar­bei­tung einer ent­spre­chen­den Bot­schaft beauf­tragt. Zu einem spä­te­ren Zeit­punkt soll erneut geprüft wer­den, ob ein Umbau der Ver­rech­nungs­steu­er ange­zeigt ist.

Die Mehr­heit der Ver­nehm­las­sungs­teil­neh­mer begrüss­te den System­wech­sel vom Schuld­ner- zum Zahl­stel­len­prin­zip dem Grund­satz nach. Eine Ein­füh­rung unter den heu­te bekann­ten Rah­men­be­din­gun­gen wur­de jedoch abge­lehnt. Mehr­heit­lich wur­de die Umset­zung des AIA als zwin­gen­de Vor­aus­set­zung sowie die Unsi­cher­hei­ten um die Initia­ti­ve Mat­ter („Ja zum Schutz der Pri­vat­sphä­re“; vor­aus­sichtl. Abstim­mungs­da­tum 2017/2018) als Hin­der­nis für das Zahl­stel­len­prin­zip erach­tet — was der BR nicht anders sieht. Die Schwei­ze­ri­sche Ban­kier­ver­ei­ni­gung (als Ver­tre­te­rin der Mehr­heit der zukünf­ti­gen Zahl­stel­len) lehnt den Reform­vor­schlag ab, respek­ti­ve for­dert einen Über­gang zu einem Mel­de­sy­stem im Inland sowie eine Begren­zung der Haf­tungs­ri­si­ken für Zahl­stel­len und deren ange­mes­se Ent­schä­di­gung. Zahl­rei­che wei­te­re — z.T. grund­le­gen­de — Ver­bes­sungs­vor­schlä­ge fin­den sich im Ergeb­nis­be­richt.

Fest­hal­ten will der BR an der Rege­lung, wel­cher er für Pflicht­wan­del­an­lei­hen (Con­tin­gent Con­ver­ti­ble Bonds; ‘CoCos’) und für Anlei­hen mit For­de­rungs­ver­zicht (Wri­te-off Bonds; bei­des jeweils im Sin­ne von Art. 11 – 13 des Ban­ken­ge­set­zes; SR 952.0) vor­ge­se­hen hat­te. Zin­sen auf die­sen Wert­pa­pie­ren sind bereits seit 1. Janu­ar 2013 von der VSt aus­ge­nom­men (Art. 5 Abs. 1 lit. g VStG; s. dama­li­ge Medi­en­mit­tei­lung und Bot­schaft vom Aug. 2011). Die­ser regu­la­to­risch moti­vier­te Ein­bruch in das System der Ver­rech­nungs­steu­er wür­de ohne ent­spre­chen­de Mass­nah­me am 31. Dezem­ber 2016 aus­lau­fen. In Anleh­nung an den Ver­nehm­las­sungs­ent­wurf soll die­se Rege­lung nun ab 1. Janu­ar 2017 wei­ter­hin gel­ten und auf fünf Jah­re befri­stet wer­den. Bail-in Bonds sol­len eben­falls von die­ser Aus­nah­me­re­ge­lung pro­fi­tie­ren.

Das EFD wur­de beauf­tragt, bis Sep­tem­ber 2015 die ent­spre­chen­de Bot­schaft aus­zu­ar­bei­ten.

Philipp Kruse

Posted by Philipp Kruse

RA Philipp Kruse führt seit 2012 eine eigene Praxis für Steuerrecht in Zürich (Kruse | Tax & Law). Er studierte an den Universitäten Bern, Heidelberg und Exeter/UK und hat seit 1998 in drei Zürcher Wirtschaftskanzleien praktiziert. Er war von 2003 bis 2007 im Kantonalen Steueramt Zürich tätig und hat sich seither auf den Bereich 'Steuer- und Abgaberecht' spezialisiert.